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Langenfeld: Trendsport erobert die Schulen

Schule : Frisbee hält Einflug in die Schulen

Medizinball war gestern. Statt dessen setzen hiesige Lehrer verstärkt auf Trendsportarten.

Im Sportunterricht ziehen immer mehr neue Disziplinen, sogenannte Trendsportarten ein. Das ist nicht nur gut für die Schüler, die durch moderne Sportarten motivierter sind, das kann auch den Sportvereinen zu Gute kommen, wenn Schüler Gefallen finden an einer ausgefallenen Sportart und sie auch in ihrer Freizeit weiter betreiben wollen.

Während die Nachkriegsgeneration in der Schule noch leidenschaftlich Brenn- und Völkerball spielte und Leibesübungen von Turnvater Jahn zum Unterrichtsstandard gehörten, waren bei den Kids der 80er und 90er Jahre unter anderem Basketball und Hockey angesagt. Nachmittags wurde sich im Fußball- oder Tennisverein ausgetobt – oder in der Ballettschule getanzt. Die heutige Schülerschaft soll dem Vernehmen nach bei Ultimate Frisbee und Parkour erst so richtig aufblühen. Sportarten, die sich unkonventionell, ohne viele Regeln oder Equipment auch im Park oder am Pflasterstrand ausüben lassen.

Auch im Kreis Mettmann nehmen junge oder besonders engagierte Lehrer Trends in ihren Lehrplan auf, wie an der Prisma-Gesamtschule in Langenfeld. Seit fünf Jahren gibt es die Schule erst. Deshalb besteht sie aus einem ziemlich jungen Lehrerkollegium, was sich auch im Unterricht bemerkbar macht.

Sportlehrer Daniel Thiele beispielsweise greift gerne auf neue Sportarten zurück. „Hier haben alle Kinder die gleichen Lernvoraussetzungen“, nennt er einen Vorzug dieser Disziplinen. Bei Fußball oder Tennis haben manche häufig schon durch ihre Vereine Vorkenntnisse. Das ist bei Frisbee in der Regel nicht so. „Eine Sportart, die man schnell erlernt und bei der sich sehr schnell auch erste Erfolgserlebnisse abzeichnen“, sagt der Pädagoge.

Obwohl das Spielen mit dem fliegenden Plastikteller kein allzu kompliziertes Regelwerk besitzt – was die Disziplin für die Kinder umso attraktiver macht –, verbessert es verschiedene motorische Fähigkeiten, erklärt Thiele. „Die Hand-Auge-Koordination wird trainiert, es gibt verschiedene Wurftechniken. Vorhand, Rückhand und das Fangen werden geübt, was vielen Kindern heutzutage Schwierigkeiten bereitet.“

Die Frisbeescheibe bewege sich langsamer als ein Ball, was den Kindern das Fangen erleichtert. „Darüber hinaus habe ich beim Frisbee den Vorteil, dass ich über verschiedene Spielstationen alle Kinder in Bewegung habe, was etwa beim Brennball nicht der Fall ist. Das stehen immer welche herum und warten, bis sie an der Reihe sind.“ Außerdem entstünden bei Frisbee, gerade weil es kein eindeutiges Regelwerk und keinen Schiedsrichter gibt, viel häufiger Konfliktsituationen, die die Kinder dann unter sich ausmachen müssen.

Der elfjährige Julian findet es gut, dass nicht nur ausgelutschte Sportarten im Unterricht vorkommen. „Ich finde es ganz cool, auch mal neue Sachen ausprobieren zu können.“ Julian spielt im Verein Handball und mag auch Tischtennis ganz gerne, aber Frisbee, gesteht er, habe er vorher nie gespielt. „Jetzt mach ich das ab und zu auch mal im Park mit Freunden.“

Das tun auch Kinga (11) und Jaime (12), die ebenfalls Gefallen an den neuen Sportarten finden. „Mir macht es besonders viel Spaß, die Frisbeescheibe zu fangen. Man ist viel mehr in Bewegung dabei als sonst“, sagt Kinga. Und Jaime mag es, bestimmte Ziele mit dem Ufo anzuvisieren. „Frisbee kann man auch gut in der Freizeit spielen, mit Freunden, die es vielleicht vorher noch nie gemacht haben“, sagt Kinga. „Man kann es schnell lernen.“

Ins interne Curriculum der Schule werden jetzt verschiedene Trendsportarten aufgenommen, neben Frisbee zum Beispiel Parkour oder American Football. „Unser primäres Ziel ist es, als Sportlehrer den Schülern die Freude an Bewegung zu vermitteln, damit sie auch außerhalb der Schule, vielleicht sogar im Verein, damit weiter machen“, sagt Daniel Thiele. Und das funktioniert mit neuen Sportarten einfach besser als mit verstaubten Disziplinen.

(sebu)