Langenfeld Tourismus-Expertin im Café feminin über Frauenreisen

Tipp : „Reisen ist auch ein Stück Emanzipation“

Im Langenfelder „Café feminin“ geht es heute um Frauen, die ihrem Fernweh nachgeben. Eine Tourismus-Expertin berichtet.

Sie sprechen am Montagabend im Café feminin zum Thema „Frauen reisen – Frauenreisen“. Reisen Frauen anders als Männer?

Schaaf Im gewissen Sinne ja. Denn auch auf Reisen gilt: Frauen sind anders als Männer oft Blicken, anzüglichen Bemerkungen, Musterungen ausgesetzt. Deshalb gehört noch immer eine gewisse Portion Selbstbewusstsein dazu, sich als Frau alleine auf den Weg zu machen.

Klingt nach einer Marktnische.

Schaaf Ja, Frauenreisen sind eine Nische – liegen aber auch im Trend. Junge Frauen sind heutzutage mutiger, aufgeschlossen und neugieriger als ihre Vorgängergenerationen. Zudem ist Reisen immer einfacher und unkomplizierter geworden. Das erleichtert die Planung und macht es einfacher loszuziehen.

Dabei haben Frauen doch viel mehr Gepäck als Männer zu schleppen ...

Schaaf (schmunzelt) Für den „normalen“ Badeurlaub vielleicht. Da dürfen es gerne mal ein paar Schuhe, ein Kleid und eine Bluse mehr sein. Frau möchte ja gut aussehen. Reist man hingegen um die Welt, ist bequeme und praktische Kleidung gefragt. Die High Heels bleiben da auf jeden Fall zu Hause. Am Ende kommt es immer auf das Reiseziel und die Reiseart an, wie schwer der Koffer ist, egal ob Mann oder Frau.

Welches sind denn nach Ihrer erfahrung besonders beliebte „Frauenziele“?

Schaaf Europa, Südostasien, Australien/Neuseeland.

Und wo reisen Frauen gar nicht gerne hin?

Schaaf Überall dahin, wo es unsicher ist, zum Beispiel in die „Top Ten“ der gefährlichsten Länder für Frauen: Indien, Afghanistan, Syrien, Somalia, Saudi Arabien, Pakistan, Kongo, Jemen, Nigeria, USA.

Wie sieht es mit Gruppenreisen nur für Frauen aus?

Schaaf Verschiede Reiseveranstalter bieten Gruppen- und Themenreisen speziell für Frauen an, zum Beispiel Women Fair Travel, SKR Reisen oder Windbeutel. Dazu zählen Rundreisen und Wellnessangebote wie Yoga oder Achsamkeit, aber auch Sportreisen, etwa Segeln, Wandern oder Golf.

Ist die Unterscheidung Mann/Frau gerade beim Reisen nicht etwas gewollt? Andere Differenzierungen – wie alt/jung, Durchschnittsverdienerin/vermögend oder Kegelschwester/Kirchentagsbesucherin – erscheinen mir deutlich relevanter.

Schaaf Das würde ich so nicht sagen. Es kommt grundsätzlich auf jeden persönlich an. Aufgeschlossenheit, Neugier, Interesse an fremden Kulturen, aber auch mangelndes Reiseinteresse im heimischen Umfeld bringen Frauen dazu, sich alleine auf den Weg zu machen. Frauenreisen sind eine Nische, und egal ob jung, alt, Single oder verheiratet – die Übergänge sind fließend. Oftmals unterliegen ja Frauen auch dem Klischee, das können die nicht, die trauen sich nicht, das schaffen die nicht. Das Thema Emanzipation darf man auch beim Reisen nicht außer Acht lassen.

Bei der Buchung von Zusatzleistungen/Veranstaltungspaketen: Gibt es da Auffälligkeiten in Sachen Männlein/Weiblein?

Schaaf Im großen und ganzen sicher nicht. Wobei der gesamte Wellness- und Schönheitsbereich, sowie die Themen Achtsamkeit, Esotherik, Selbstfindung sehr frauenlastig sind.

Sind auch Frauen in speziellen Situationen reisetechnisch versorgt? Zum Beispiel alleinerziehende Mütter oder Frauen mit besonderem kulturellem Hintergrund?

Schaaf Hier fehlt eine entsprechende Nachfrage. Alleinerziehend sind ja schließlich Frauen und Männer. Das Angebot bezieht sich hier auf beide Geschlechter. Was bestimmte Kulturkreise angeht da möchte ich nicht ausschließen, dass sich individuelle Gruppen gleichgesinnter zusammenfinden und eine Reise unternehmen. Das wird allerdings nicht professionell angeboten. Am Ende ist doch am wichtigsten, dass Frauen mutig und neugierig nach vorne blicken uns sich trauen, etwas Neues zu entdecken.

Neues entdecken – ist es das, Reisen was neben der Erholung so wertvoll macht?

Schaaf Unbedingt. Wer unterwegs ist, bringt immer etwas mit zurück. Erfahrungen, Erinnerungen, neue Kontakte, Verständnis für andere Kulturen und meist auch einfach die Wertschätzung seines eigenen Lebens und seines Umfeldes. Das haben schon die Reisepionierinnen so gesehen, von denen ich einige in meinem Vortrag vorstellen werde. Dann geht in die Gegenwart: Wie reisen Frauen heute, worauf muss man achten,  welche Angebote gibt es? Ich möchte Mut machen, auf Reisen zu gehen, egal ob in Nähe oder in die weite Welt.

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