Langenfeld Stadt stellt Strafanzeige wegen Rodung eines Biotops

Langenfeld : Stadt stellt Strafanzeige gegen A3-Baufirma

Auch den Landesbetrieb Straßen NRW sieht Bürgermeister Frank Schneider in der Verantwortung.

Der Landesbetrieb Straßen NRW hat gestern nochmals sein Bedauern zu den ungenehmigten Rodungsarbeiten in Wiescheid an der A 3 betont und einen sofortigen Baustopp angeordnet. Dennoch möchte Bürgermeister Frank Schneider diesen Vorfall nicht ungeahndet wissen. Daher hat die Stadt Langenfeld Strafanzeige gegen den Landesbetrieb Straßen NRW und die bauausführende Firma wegen Verletzung eines Landschaftsschutzgebietes und unerlaubten Eingriffes in ein geschütztes Biotop erstattet. „Es wäre das falsche Signal, wenn die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen würden“, erklärte Schneider. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die komplette Zerstörung des Biotops kaum genehmigungsfähig gewesen wäre, stellt Schneider in Frage, ob hier ausschließlich fahrlässiges Handeln vorlag. „Ich möchte dies juristisch untersucht wissen“, unterstreicht Schneider.

Er fordert zudem, dass der Kreis Mettmann jetzt auch keine Genehmigung für eine Baustelleneinrichtung mehr erteilt. Außerdem sollen die Verursacher die gerodete Fläche umgehend wieder aufforsten und das Biotop wiederherstellen.

Karl Wilhelm Bergfeld von der Ortsgruppe Langenfeld des Bundes für Umwelt und Naturschutz BUND schlägt in dieselbe Kerbe: Er verlangt nicht nur den sofortigen Stopp der Erd- und Verdichtungsarbeiten in dem gerodeten Bereich, sondern auch die möglichst naturnahe Wiederherstellung des Biotops. Er kann nicht nachvollziehen, dass trotz der allgemeinen Empörung auf der einen und der öffentlich bekundeten Reue auf der anderen Seite Berichten von Augenzeugen zufolge die Arbeiten in dem gerodeten Biotop am Montag gegen 14 Uhr noch in vollem Gange waren. Trotz der Versicherung des Landesbetriebs, von der Rodung nichts gewusst zu haben, sieht der BUND die Landesbehörde „in der vollen Verantwortung“. Schließlich habe dieser dafür nicht nur einen Bauleiter abgeordnet, es gebe auch einen Baustelleneinrichtungsplan, sagte Bergfeld.

Im übrigen dränge sich hier der Verdacht auf, man habe absichtlich ein geschütztes Biotop aus dem Wege räumen wollen, das bei der Planung des achtspurigen Ausbaus der A3 stören könnte. Denn für dieses Jahr sei die faunistische und floristische Kartierung längs der geplanten Trasse angesetzt. Wertvolle Biotope, die nicht mehr existieren, müssten davon nicht mehr erfasst werden, erklärt Bergfeld.

Ob an dem geschützten Biotop, das der Kreis über 30 Jahre lang gepflegt habe, noch etwas zu retten sei, müsse jetzt geprüft werden, sagte Daniela Hitzemann, Sprecherin des Kreises. Hätte es einen Antrag der Baufirma gegeben, wäre eine Interessenabwägung zwischen Straßenbau und Naturschutz erfolgt, zu der auch die Suche nach alternativen Flächen für die Baustelleneinrichtung gehört hätte. „Sicherlich wäre die Brache da nicht die erste Wahl gewesen“, sagt Hitzemann.

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