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Langenfeld Sieben Wochen ohne Pessimismus

Mettmann/Langenfeld/Monheim : Sieben Wochen ohne Pessimismus

Heute beginnt die Fastenzeit: Nicht viele Gemeinden richten sich nach dem Fastenmotto der Evangelischen Kirche „Sieben Wochen ohne....“

Mit ihrer diesjährigen Fastenaktion „Zuversicht – Sieben Wochen ohne… Pessimismus“ will die Evangelische Kirche die Gläubigen zu einer Perspektivverschiebung im alltäglichen Denken animieren. Sie sollen Misstrauen und Ängste überwinden und 40 Tage lang zuversichtlich nach vorn blicken. 40 Tage, in denen sie sich bewusst auf das Osterfest vorbereiten. Von Aschermittwoch bis Ostersonntag vorsätzlich den Blick verändern, die Perspektive verschieben und den Pessimismus in allen Facetten aus dem Alltag streichen – schlicht zuversichtlich sein. Dies und noch einiges mehr steckt hinter dem diesjährigen Fastenmotto. Die Eröffnung der Aktion findet im ZDF-Fernsehgottesdienst am Sonntag, 1.März, um 9.30 Uhr in der Evangelischen Pauluskirche in Marburg statt. Doch was genau ist die Idee dahinter und was ist das Wichtige an dem Motto?

Pfarrer Jürgen Artmann aus der Evangelischen Kirchengemeinde Mettmann vergleicht das Motto mit dem Einsatz eigener Möglichkeiten, das Leben zu gestalten. Allerdings weist er auch darauf hin, dass der Begriff Pessimismus „stets jemand anderen verantwortlich macht“. Für ihn ist es grundlegend, sich seiner Pflicht nicht zu entziehen, sondern die Schwierigkeiten der Welt zu sehen und seine eigene Verantwortung zu verstehen. Artmann plant in der Fastenzeit eine bestimmte Perspektive einzunehmen: „Ich prüfe jeden Augenblick, was an ihm positiv zu gestalten ist“, so erklärt er.

Er ist der Meinung, es gibt keinen Augenblick ohne die Gegenwart Gottes. Den Mitfastenden seiner Gemeinde möchte er mit auf den Weg geben, ihre Möglichkeiten genauer zu prüfen, da sie oft viel reichhaltiger sind als man auf den ersten Blick glaubt. „Man kann doch nichts ändern, stimmt oft nicht und mit dem was man nicht ändern kann, muss man leben lernen“, betont Artmann sein persönliches Motto. Er selbst sieht die Umsetzung des Fastens in der Möglichkeit, noch genauer auf das zu schauen, was er in sich aufgetragen sieht, sowie nach den Spuren Gottes zu suchen.

Pfarrer Klaus Schilling, ebenfalls aus Mettmann, sieht das Motto der Aktion als Anstoß, in der Fastenzeit auf Dankbarkeit zu achten und die eigene Zuversicht zu wecken. Gerade in der heutigen Zeit interpretiert er das Motto als besonders wichtig, nicht an allem etwas auszusetzen und die Perspektive auf die kleinen Dinge und Begegnungen des Alltags zu lenken. „Zum Beispiel einfach mal darauf achten, wie freundlich das Personal eigentlich ist.“ In seinen Gottesdiensten plant er, die Menschen genau auf diesen Weg zu führen. „Was macht mein Leben hier und jetzt schön? Natürlich gibt es auch schwierige Dinge, doch ausschlaggebend ist, ob ich mich von ihnen gefangen nehmen lasse.“ Pfarrer Schilling empfindet das diesjährige Motto als „eines der besten der letzten Jahre.“ Er selbst stehe dem Leben locker gegenüber, sei ein Lernender.

Auch Pfarrerin Tanja Kraski von der evangelischen Kirchengemeinde Monheim-Hitdorf wird sich im Gottesdienst am 1. März mit diesem Fastenmotto beschäftigen. „Schließlich haben wir Christen allen Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken.“ Auf der zwischenmenschlichen Ebene versteht sie das Motto als Aufruf, „offen auf Menschen zuzugehen und einfach das Positive im Gegenüber zu sehen.“ Denn auch bei sich selbst habe sie schon eine pessimistische Note festgestellt: Sie scheue sich oft davor, zu ausgelassen zu sein – das Schicksal könnte ihr ja ein Bein stellen. „Natürlich ist das ein Schutzmechanismus, um nicht enttäuscht zu werden“, sagt sie. Allerdings könne diese Haltung einen auch davon abhalten, das Schöne unbeschwert zu genießen. Bisher plane sie, auch den Gottesdienst zum Bibeltag am 16. März dem Fastenmotto zu widmen. Ansonsten habe sei keine weiteren Aktionen vorbereitet, ebenso wenig wie die Pfarrer in Langenfeld und Monheim.

Sigrid Tietjen vom Meditationkreis der Erlöserkirche in Langenfeld lädt vom 12. bis 17. März wieder zum Winterfasten ein. „Knapp eine Woche lang nehmen die Teilnehmer nur Flüssiges zu sich“, so die Kursleiterin. Beim abendlichen Austausch werde natürlich zunächst die Frage nach dem jeweiligen Befinden gestellt. Sie selber fange schon Tage vor der Gruppe an, der festen Nahrung zu entsagen, damit sie die schwierige Phase dann schon einmal überwunden habe und zuversichtlicher sei, sagt sie lachend. „Das Schöne ist: Wenn man es durchgehalten hat, weiß man anschließend besser, was der Körper braucht und was nicht.“ Bei den Treffen des Fastenkreises werde weniger über religiöse als über ernährungsphysiologische Dinge geredet, und es werden entspannende Körperübungen gemacht. Vorher sollte ein Arzt die Fastentauglichkeit abklären.