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Langenfeld Schuhmacher feiert seinen Meisterbrief

Lokale Wirtschaft : Schuhmacher feiert seinen Meisterbrief

Gerd Altendorf, Schuhmachermeister aus Langenfeld, feiert Meisterjubiläum. Seit 60 Jahren hat er den Meisterbrief un dist selbstständig.

Mitte Februar hat Gerd Altendorf zum 60. Jahrestag seiner Prüfung als Schuhmachermeister den Diamantenen Meisterbrief der Handwerkskammer Düsseldorf erhalten. An dem Tag wird er vermutlich ein paar Stunden frei machen, denn eigentlich sitzt der 81-Jährige noch jeden Wochentag an seinem Arbeitsplatz im Wintergarten seines gemütlichen Hauses in der Kirchstraße.

„Mir macht die Arbeit immer noch Freude, und sie hält mich jung“, kommentiert er diesen außergewöhnlichen Unruhestand. Wer den körperlich fitten früheren Wasserballer, Fuß- und Handballer an seiner Werkbank sieht, glaubt ihm das aufs Wort. „Der Zuspruch meiner Kunden, die teilweise von weit her kommen, zeigt, dass ein guter Schuhmacher auch heute noch gebraucht wird“, erinnert er sich an die mit 14 Jahren begonnene Ausbildung, gewonnene Landes-Wettbewerbe und das aufgrund seiner herausragenden Leistungen gewährte Stipendium zum Erwerb des Meistertitels. Als 20-jähriger wurde er mit einer Sondergenehmigung bundesweit jüngster Meister des Schuhmacherhandwerks.

Der Apfel fiel bei Altendorf nicht weit vom Stamm, schon Großvater und Vater (beide hießen Karl) waren Schuhmachermeister. Der gebürtige Kölner kam kriegsbedingt als Zwölfjähriger nach Wiescheid und fühlt sich bis heute dort wohl. Die Lehre begann er in Solingen, dann wechselte er zum Obermeister in die Modestadt Düsseldorf, um „nicht nur normale Schuhe zu machen“. An diese Zeit, als „in weißer Arbeitskleidung“ im Umfeld der Filmsternchen und feinen Gesellschaft Schuhe maßgeschneidert wurden, erinnert er sich noch heute.

Seine handwerklichen Fähigkeiten sind so gut, dass er sogar orthopädische Korrekturen an Schuhen vornimmt. Wer Schuhe liebt, feine Lederschuhe besitzt, ist bei ihm an der richtigen Adresse. Für 200 bis  300 Euro teure Lederschuhe sind neue Sohlen und Absatz in Eichenlohe Grubengerbung – Naturleder – mit knapp 30 Euro fast ein Schnäppchen. Seine Stammkundschaft schätzt ihn, aber auch jetzt gibt es immer wieder Neukunden; für den glühenden FC-Köln Fan. altendorf liefert den lebendigen Beweis der These „Qualität setzt sich durch“. Altendorf kümmert sich um Reitstiefel, Tanzschuhe und – im Frühling verstärkt – Wanderschuhe.

Leider endet mit Gerd Althoff die mehr als 120-jährige Familientradition. Ursächlich sind der Wegfall der Meisterpflicht für Schuhmacher und dass zwei seiner drei Kinder Mädels sind. Doch schwerer wiegt der Wandel der Schuhmode insgesamt. „Wegwerfschuhe“ ist sein Stichwort, oder wie er beobachtet „schon Omas tragen Turnschuhe, möglichst mit Glitzer“.

Für Altendorfs und seiner Ehefrau Ingrids Lebensunterhalt ist auch ohne sein Berufs-Hobby dauerhaft gesorgt. Als 31-Jähriger übernahm er zusätzlich (bis in den Mittag) eine Tätigkeit bei der Post als Landzusteller. 16 Jahre lang war das Langenfelder Industriegebiet sein Revier, „bis zu drei Zentner Post täglich und nur vier Krankheitstage in 24 Dienstjahren“. Er hatte sich damals auf eine Postwurfsendung gemeldet; Beamtenpension und Krankenversicherung sind der Lohn für diese Doppelbelastung. Geschickt verband Altendorf in dieser Zeit seine beiden Welten. „Weil ich ein eigenes Auto nutzte, konnte ich für die Kunden im Industriegebiet neben der Post auch Schuhe holen und zurückbringen.