Kulturleben : Reusrath lacht über eine Ode an sich selbst

Die Kleinkunst-Reihe hat inzwischen die 55. Show hinter sich. Sie bietet Unterhaltung auf doppelte Art.

Seine erste Gage war ein Schokotaler, sein Bühnenprogramm ist ein Prozess. Kabarettist Christoph Brüske macht nach eigener Aussage „Unterhaltung mit Haltung“. Und das kann er gut! Früher als Klassenclown mit politischem Interesse bekannt, steht er heute bereits seit 20 Jahren auf der Bühne und bringt sein Publikum zum Lachen. So auch in Langenfeld. Gemeinsam mit Magier Matthias Rauch und Wortakrobat Achim Knorr trat er im Evangelischen Gemeindehaus Reusrath auf. Die drei waren diesmal Teil von Oli Materliks Mixshow „Reusrath lacht“.

Mehrmals im Jahr lädt der Moderator Kollegen und Künstlerfreunde aus der Comedy-, Kabarett- und Kleinkunstszene ein und trägt damit zum Erhalt des Gemeindehauses bei. Obwohl Oli Materlik als gebürtiger Reusrather mittlerweile in Hamburg wohnt, kommt er gerne zurück in seine alte Heimat. Für ihn ist es „das Familiäre, das Heimelige, das Lustige und auch die Hilfsbereitschaft, was wir damit erreichen“, dass ihn immer wieder hierherzieht. Durch den Kartenverkauf und die Verpflegung vor Ort können Kosten gedeckt werden, die sonst größtenteils der Förderverein der Gemeinde übernehmen müsste.

Auch die mittlerweile 55. Show ist wieder mal ausverkauft, und der Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Für viele ist es nicht das erste Mal, dass sie dabei sind. Zuschauerin Karin Barkowski geht „seit Ewigkeiten hier hin.“ Mittlerweile sind sie auch schon mal „mit 20 Leuten hier.“ Über den Andrang freut sich auch Pfarrer Christoph Bleckmann. Gemeinsam mit einem Team aus freiwilligen Helfern organisiert er die Abende und stellt sich für das leibliche Wohl der Gäste auch gerne selbst an den Grill. Für ihn ist das Event vor allem „Begegnung und Kommunikation.“

Viele Zuschauer sind frühzeitig erschienen, um mit Bekannten und Nachbarn bereits vor der Veranstaltung zu quatschen. Und auch die halbstündige Showpause wird gerne genutzt, um sich bei Bratwurst und Bier gegenseitig auszutauschen. Dann geht es weiter, und „der Mann, der aussieht als habe er seine Schuhe aus dem Zuhältergeschäft“, betritt die Bühne. Christoph Brüske, ist der Letzte an diesem Abend. Nach unterhaltsamen Zaubertricks von Matthias Rauch und einem Mix aus selbstkomponierten Liedern und verqueren Wortspielen, vorgetragen von Achim Knorr, kontert Brüske nun direkt und ehrlich.

Auf humorvolle Art und Weise beginnt er im Mikrokosmos Reusrath, lenkt über zum Berliner Flughafen und lässt es sich nicht nehmen, das Ergebnis der jüngsten Landtagswahlen zu kommentieren. Ob Politiker oder der eigene Vater, zu jedem hat er eine Geschichte parat. Voller Energie springt er über die Bühne und gibt alles. Dabei spielt es keine Rolle für ihn, wie groß sein Publikum ist. Ganz im Gegenteil: „die größte Herausforderung ist ein kleines Publikum, da bist du gezwungen, es persönlich zu machen.“ Persönlich kann er und sorgt für tosenden Applaus und Zugabe-Rufe, als er die Bühne mit einer Ode an Reusrath verlässt – um dem Publikum dann doch nachzugeben, für einen letzten Witz.

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