1. NRW
  2. Städte
  3. Langenfeld

Langenfeld Reisebüros warten auf Kunden - Corona bremst auch nach Grenzöffnung

Corona-Krise : Reisebüros warten auf Kunden

Trotz Öffnung der Grenzen läuft das Geschäft äußerst schleppend. Selbst Mallorca, der Deutschen liebstes Ziel, wurde bei den befragten Langenfelder Reisebüros bis Mitte der Woche von niemandem gebucht. Ganz zaghaft werden Städtereisen nachgefragt.

Seit dieser Woche, könnte man meinen, ist die Reisewelt wieder in Ordnung. Haupturlaubsländer der Deutschen wie Italien, Österreich, Griechenland, Frankreich oder Kroatien sind als Ziel für den Sommerurlaub nicht mehr tabu. Das Auswärtige Amt hat seine Reisewarnung wegen Corona aufgehoben. Spanien folgt am Sonntag, 21. Juni. Doch viele trauen sich noch nicht. Reiskaufmann Ralph Hoyer von H&S Reisen in Langfort telefoniert gerade mit einem Kunden. Leider keinem, der buchen will. Es ist noch nicht mal der eigene Kunde, der den Rat des Chefs von H&S Reisen sucht.

„Der Mann wollte nach Mallorca fliegen und hat gerade erfahren, dass das von ihm gebuchte Hotel noch gar nicht geöffnet ist“, sagt Hoyer. Wie geht es jetzt weiter? Solcherlei Schwierigkeiten bei den Reisen ins europäische Ausland zu Corona-Zeiten kennt auch Matthias Bartels von der Reiseagentur Sellmaier an der Solinger Straße. „In anderen Fällen hat das Hotel geöffnet, aber der Flug geht nicht, weil die Kapazitäten derzeit ordentlich geschrumpft sind“, berichtet er.

Beide Reiseexperten erklären unabhängig voneinander: Das Geschäft laufe sehr sehr schleppend an. Hoyer gesteht: „Wir hatten eine einzige Buchung bisher, und die auch noch für die Türkei im Juli. Die musste direkt wieder storniert werden.“ Denn die Türkei gilt aktuell als Corona-Risikogebiet. Die Unsicherheit der Reisebüro-Kunden ist groß. Zumal viele altersmäßig der Risiko-Gruppe angehören.

Auch Mallorca, der Deutschen liebstes Ziel, wurde bei den befragten Langenfelder Reisebüros bis Mitte der Woche von niemandem gebucht, obwohl es nach einer Testphase mit 10.000 Gästen auf der Baleareninsel pünktlich zu den Sommerferien richtig losgehen soll. „Wir warten“, sagt Hoyer. Erst einmal seien die Veranstalter dabei zu prüfen, ob die gewünschten Hotels überhaupt in der Lage sind, die Sicherheitsregeln einzuhalten. „Gut ist, wenn die ersten Gäste des Pilotversuchs mit dem Flieger zurückkommen und erzählen können, wie es an den Flughäfen gelaufen ist und ob alles funktioniert hat“, ist Hoyer überzeugt.

Bei Sellmaier, die normalerweise Genuss-Reisen und Kreuzfahrten in die ganze Welt vermitteln, laufen derzeit die Telefone vor allem wegen Stornierungen heiß. „Wir arbeiten seit Monaten ohne Umsatz“, sagt Bartels. Geschäftsführerin Brigitte Sellmaier bestätigt das. Sehr vorsichtig laufen Städtereisen an: Berlin und München beispielsweise oder Nord- oder Ostsee. „Aber nur mit dem eigenen Pkw, allenfalls noch mit der Bahn“, sagt Bartels. Flieger und Busse werden gar nicht nachgefragt. Obwohl auch Reisebusse mit entsprechenden Sitzabständen wieder fahren dürfen.

Während die 50- bis 60-Jährigen sich manchmal auf eine Umbuchung ihres Traumurlaubs einlassen und ihre Anzahlung nicht zurückverlangen, lassen sich die noch Älteren nur auf Stornierungen ein, berichtet Bartels. Zu groß ist die Unsicherheit, ob es eine zweite Pandemiewelle im Herbst gibt, die wieder alle Pläne zunichtemacht.

Einige Veranstalter versuchen die Kunden mit Bonuszahlungen von bis zu 250 Euro auf die kommende Reise von der Stornierung abzuhalten. „Wer sich darauf einlässt und aufs nächste Jahr umbucht, kann mitunter einen günstigen Schnapper machen“, sagt Reisekauffrau Jessica Bock von H&S Reisen. Nur den finanziell arg gebeutelten Reisebüros bringt das leider nichts. „Denn die Kunden werden deshalb im nächsten Jahr keine zwei Reisen machen“, sagt Hoyer. „Wenn sich nicht bald alles normalisiert, ist aber Holland in Not. Ein Drittel unserer Branche wird Corona nicht überleben.“

Beide Reisebüros halten es für wichtig, ihren Kunden jetzt bei den Stornierungen zu helfen. „Bei uns kann man auf Band sprechen. Wir rufen spätestens am nächsten Tag zurück“, versichert Jessica Bock. Sie ist in Kurzarbeit und nur stundenweise im Büro. Nur Stornos entgegenzunehmen ist offenbar weniger frustig als man denkt. „Ich freue mich über jedes Lob, wenn ich helfen konnte“, sagt Bock. Denn: Eine gebuchte Reise zu stornieren ist alles anderes als einfach. „Zu den Reiseveranstaltern selbst durchzukommen ist meist völlig unmöglich. Per Telefon schon mal gar nicht. Das klappt allenfalls per Mail. Und bis man dann sein Geld zurück hat, dauert es mindestens acht Wochen“, sagt Hoyer.

Das Reisebüro Sellmaier ist ganz normal geöffnet, weil direkt nebenan ein gut sortierter Spirituosen- und Weinhandel lockt. „Zum Glück haben wir dieses zweite Standbein“, sagt Bartels, „Getränke liefen während der Cotona-Schließung sehr gut.“

Kurzentschlossenen helfen beide Büros gerne bei der Unterkunftssuche beispielsweise in Deutschland. Mitunter kann es preiswerter sein, über ein Reisebüro zu buchen, statt auf eigenen Faust, sagt Bartels. Bis zu 150 Prozent sollen Vermieter in deutschen Urlaubsregionen wegen der großen Nachfrage mitunter aufschlagen. Reisebüros können indes auf ein Kontingent mit anderen Preisen zurückgreifen und diese anbieten. Auch Tagestouren nach Holland gehen wieder.