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Langenfeld: Real muss Veröffentlichung von amtlicher Mängelliste zur Hygiene hinnehmen

Foodwatch zog vor Gericht : Real muss Veröffentlichung von Mängelliste hinnehmen

Die Verbraucherorganisation Foodwatch setzt gerichtlich durch, dass Bürger bei Kontrollen amtlich festgestellte Hygieneverstöße abrufen können.

Mit einer Klage vor dem Oberverwaltungsgericht hat die Verbraucherorganisation Foodwatch durchgesetzt, Hygieneverstöße des Langenfelder Real-Supermarkts veröffentlichen zu dürfen. Dies hatte die gerade von der Metro AG verkaufte Supermarktkette verhindern wollen. In dem Verfahren ging es laut Foodwatch um 27 Verstöße gegen lebensmittelrechtliche Vorgaben, die Kontrolleure des Kreises Mettmann im September 2018 beanstandet hatten, darunter Schimmel an Silikonfugen der Fischtheke sowie eine verschmutzte Wand in der Spülküche der Metzgerei. Bei einer Kontrolle im Januar 2019 seien es 23 Verstöße gewesen.

Kreissprecherin Daniela Hitzemann bestätigte die Zahlen, warnte jedoch vor Fehlschlüssen. „Nur, weil Foodwatch das Thema mit Blick auf den gewonnenen Rechtsstreit hochkocht, heißt das nicht, dass es bei Real in Langenfeld besonders gravierende Hygienemängel gibt“, so Hitzemann. „Das waren ganz normale Plankontrollen unseres Amts für Verbraucherschutz. Sie erfolgen wegen des Frischfleischverkaufs turnusmäßig etwa alle vier Monate, die letzte war am 11. Februar.“ Ein so großer Betrieb wie der Real-Markt an der Rheindorfer Straße könne nicht gänzlich frei von Mängeln sein. Die amtlich festgestellten Verstöße müssten beseitigt werden. „Dazu sind die Betriebe natürlich verpflichtet – auch ohne unmittelbare Nachkontrolle.“

Das bestätigte auf Anfrage Real-Pressesprecher Markus Jablonski. An allen 276 Real-Standorten gelte ein „fest vorgeschriebenes Eigenkontrollsystem, das unter anderem detaillierte Reinigungs- und Desinfektionsvorgaben für alle Warenbereiche sowie Vorgaben für die regelmäßige Kontrolle auf bauliche und hygienische Mängel durch das verantwortliche Personal im Markt enthält“. Die Einhaltung dieser Vorgaben würden unangekündigt mindestens zweimal jährlich durch ein unabhängiges Hygieneinstitut geprüft, so Jablonski. Bei den von Foodwatch erwähnten Prüfberichten zum Langenfelder Real-Markt handele es sich „um einen Ausreißer. Die Mängel wurden abgestellt.“

Foodwatch weist mit der Veröffentlichung auf die Online-Plattform „Topf Secret“ hin. Damit sei es auf der rechtlichen Grundlage des Verbraucherinformationsgesetzes seit einem Jahr jedem Bürger möglich, amtliche Kontrollergebnisse abzufragen, „auch solche, die Behörden bislang geheim halten“. Laut Foodwatch-Kampagnenleiter Oliver Huizinga hat jeder „ein Recht darauf zu erfahren, wie es um die Sauberkeit in Restaurants, Bäckereien und Supermärkten bestellt ist“. Die Kontrollberichte zur Langenfelder Real-Filiale habe ein Verbraucher im Januar 2019 beantragt.

Die Zukunft des Langenfelder Real-Markts nach dem Verkauf der Filialkette von der Metro AG an die SCP Group ist noch unklar. Das 1983 an der Rheindorfer Straße errichtete Gebäude hat erst zum Jahreswechsel die Hahn-Gruppe aus Bergisch Gladbach erworben. Laut SCP sollen von aktuell 276 Real-Filialen etwa 50 unter dem Markennamen zumindest für zwei Jahre weiter betrieben werden. Die übrigen 226 sollten verkauft, verkleinert oder geschlossen werden. Rund 30 Filialen an nicht benannten Standorten sollen aufgegeben werden.