Langenfeld proklamiert homosexuelles Prinzenpaar

Prinzenproklamation in Langenfeld : Tino I. und Sebastian I. regieren die Narren

Gleich beim ersten Auftritt am Freitagabend flogen dem homoseuellen Prinzenpaar die Herzen der Langenfelder entgegen.

Die Langenfelder Narren proklamierten am Freitagabend in der Stadthalle ihr neues Prinzenpaar. Vielleicht überwogen beim Einmarsch des ersten gleichgeschlechtlichen Prinzenpaares der Stadt noch große Neugier und auch ein bisschen Skepsis. Doch nach der Proklamation und dem ersten Auftreten der Prinzen Sebastian I. (Zacher) und Tino I. (Kropp) waren die rund 400 Gäste restlos begeistert.

Die traditionellen elf humorigen Gebote bezogen sich auf ihre Heimatstadt, und ihr vom Sitzungspräsidenten Hans Werner Jansen kreiertes Sessionslied „Warum hast Du nicht Nein gesagt“ ist ein echter karnevalistischer Ohrwurm, der sofort die Stimmung hebt.

Festkomitee-Präsident Jansen nannte die Proklamation des Paares „ein Zeichen von Toleranz und Normalität“. Bürgermeister Frank Schneider lobte „den Mut der beiden Männer, aber auch den des Komitees“. Er beschrieb die Langenfelder insgesamt als sehr weltoffen, ausgesprochen tolerant und sehr respektvoll im Umgang Miteinander.

Die karnevalstisch-protokollarischen Gepflogenheiten erfahren bis Aschermittwoch nur leichte Abweichungen. Tino trägt ein schwarz-goldenes Kostüm, Sebastian eine rot-goldene Robe. Beide Herren trauen sich (zu Recht), Pluderhosen und Strumpfhosen zu tragen. Das Zepter hielten sie bei der Proklamation gemeinsam fest. Und es gibt zwei gleichlautende Proklamations-Urkunden. Natürlich wird zur Ordensverleihung herzlich gebützt, aber „das übernehmen bei den Herren die Hofdamen“, erläuterte Sebastian I. die Planung für die kommenden Wochen. Die Hofdamen sind Petra Trettin und Kerstin Peters, die – wie die beiden Prinzen – dem Verein „Die Pappnasen“ angehören.

Die Tollitäten sind auch im wahren Leben ein Paar. „Der Langenfelder Karneval lebt damit einmal mehr ein Stück gesellschaftliche Normalität“, hatte bei der Vorstellung für das Festkomitee dessen Präsident Hans-Werner Jansen gesagt. „Aus Toleranz wird Akzeptanz.“ Nach den neuen Mönchengladbacher Tollitäten sind Tino I. und Sebastian I. das zweite rein homosexuelle Prinzenpaar im rheinischen Karneval. Die Iddee dazu sei Mitte Juni spontan beim Erdbeerfest des Richrather Karnevalsvereins auf dem Weeger-Hof entstanden. Eine gemeinsame Freundin hätte sie ermuntert, sagten die Prinzen.

Die Proklamation war eingebettet in eine Prunksitzung, die mit einem großen Auftritt der Räuber erst weit nach Mitternacht endete. Vorab erhielt Hans-Georg Jansen die Insignien eines Ehrensenators, es folgte mit wechselseitigen Danksagungen der Abschied der Vorjahres-Tollitäten Dennis und Natascha.

Das stolze Kölner Reiterkorps Jans von Werth, das dieses Jahr das Kölner Dreigestirn stellt, füllte die Bühne mit fast 100 Gardisten und Musikern. Die Zack-Coverband brachte den Saal zum Singen und Schunkeln, und Martin Schops zeigte die hohe Kunst der Büttenrede in Perfektion.

Die fünf Jungens von „Lupo“ wurden ihrem Beinamen „die jungen Wilden“ gerecht, und überzeugten sportlich und musikalisch. Noch beweglicher zeigten sich die mehr als 60 Tänzer und Tänzerinnen der „Fidelen Sandhasen“, dem Tanzcorps der „Großen Kölner von 1823“, deren Mädels bis in die Luftballonbögen über der Bühne geschleudert wurden.

„Wieder außer Rand und Band- Langenfeld in Narrenhand“, hieß das Langenfelder Sessionsmotto am Freitagabend zu Recht.

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