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Langenfeld: Netto in Langfort schließt Ende März

Einkaufen : Netto in Langfort schließt Ende März

Der Bürgerverein Langfort informiert die Nachbarn und fordert die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung auf, nach einer Lösung für die Menschen im Viertel zu suchen. Bisher ist keine Alternative in Sicht.

Der „Netto“-Markt im Einkaufszentrum (EKZ) Langfort schließt Ende März 2021. Das hat der Bürgerverein Langfort erfahren. Der Vereinsvorsitzende Frank Klarmann fürchtet dadurch einen Rückgang der Käufer- und Besucherfrequenz in dem kleinen, überschaubaren Einkaufszentrum. Neben dem Discounter gibt es dort unter anderem noch einen Bäcker, ein Friseurgeschäft, eine Apotheke,  ein Büdchen und ein Reisebüro.

Viele, vor allem ältere Menschen aus der Nachbarschaft, kauften bei „Netto“ Lebensmittel für den täglichen Bedarf ein, weil sie dort gut zu Fuß hinkommen, weiß Klarmann. Darüber hinaus seien der Discounter und der Platz davor auch Treffpunkt und Informationsplattform für viele Anwohner. Macht Netto dicht, bedeutet das auch eine massive Einschränkung des wichtigen nachbarschaftlichen Miteinanders, fürchtet der Vorsitzende.

Und er hat große Sorge, dass die anderen Geschäfte im Viertel  mit Umsatzrückgängen rechnen müssen, wenn  der Discounter erst einmal weg ist. Das könne „existenzbedrohend“ sein, fürchtet er.  Denn die Corona-Krise mit ihren lang anhaltenden  Einschränkungen führe bei  Dienstleistern, Verkaufsstellen und Gastronomen im Viertel jetzt schon zu massiven Verlusten.

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„Die Schließung des Discounters kann der Bürgerverein nicht aus eigener Kraft verhindern“, stellt Frank Klarmann fest.  Es gehöre aber zu seinen Aufgaben, die Anwohner zu informieren und „bei den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung die entstehende Mangelsituation anzusprechen und auf Abhilfe zu drängen“, sagt er. Die Vorstandsmitglieder hätten bereits die Politik und die Verwaltung angesprochen und sie gebeten, eine Lösung für die Langforter zu finden. Bislang habe man aber noch keine Information darüber, ob im Einkaufszentrum ein anderer Lebensmittelladen einziehen wird.

Citymanager Jan Christoph Zimmermann sagt auf Anfrage, man „stehe nicht mit Netto in Kontakt“. Er vermutet, der Discounter gebe das Ladenlokal auf, weil die kleine Fläche nicht mehr den heutigen Standards entspreche. Die Pressestelle des Unternehmens,  mit ihrer Zentrale in Maxhütte-Haidhof (Bayern),  gab dazu bisher auf Anfrage keine Information.  Citymanager Zimmermann sagt, es „wäre bedauerlich, wenn der Discounter in Langfort schließt. Er ist ein wichtiger Baustein der Nahversorgung.“

Und das sehen auch die umliegenden Geschäftsleute und die Kunden des Einkaufszentrums so: „Wenn Netto geht, das wäre trostlos“, findet  beispielsweise Claudia Keulerz, Filialleiterin in der  Bäckerei Schmidt. „Dann verödet hier alles.“ Besonders für ältere Menschen sei es eine schlimme Entwicklung. Viele ihrer Stammkunden gingen dort einkaufen. „Es kommen auch Leute, die im Awo-Seniorenheim an der Langforter Straße wohnen“, sagt sie. „Die kaufen dort Weihnachten Pralinen für die Pfleger.“ Man brauchte kein Riesensortiment, aber Waren für den täglichen Bedarf müssten in Langfort zu bekommen sein. Auch Marcel Müller, Geschäftsleiter von „Das Büdchen“ neben der Apotheke bekundet: „Das ist schlecht für uns.“ Er hatte bereits von den Schließungsplänen gehört und hofft nun, dass ein anderes Geschäft dorthin kommt. Außerdem entwickelt er bereits kreative Lösungsansätze. „Ich überlege, hier in der Trinkhalle auch Brot und Grundnahrungsmittel anzubieten.“ Waschmittel, Mehl und Zucker gebe es bereits in seinem Sortiment. „Ein bisschen Platz habe ich noch.“ Er würde gezielt  Waren in seine Regale stellen, die sich die Kunden wünschen.  Schließlich müsse er haushalten und könne es sich nicht leisten, Vorräte, die niemand benötigt, später wegzuwerfen.

Annika Wagner leitet die Filiale der Linden-Apotheke direkt nebenan. „Wir haben davon noch nichts gehört“, sagt sie. Deshalb möchte sie  keine Stellungnahme abgeben. Martine Carnak, die mit ihren beiden Kindern gerade beim Bäcker war, findet den Netto-Markt „wichtig“. Auch wenn sie nur hin und wieder dort Lebensmittel, Milch oder Obst kauft. Monika Freund kommt mit voll bepackten Einkaufstaschen aus dem Discounter. „Das wäre schade“, sagt die Langforterin. „Dann fehlt hier etwas und es wird nicht mehr so viel los sein.“  Gerade die älteren Menschen seien auf  das Geschäft für ihre täglichen Besorgungen angewiesen. Johanna Franken nutzt das Angebot bei Netto, „wenn ich schnell etwas besorgen muss.“ Die junge Frau ist aber mobil und viel mit dem Fahrrad unterwegs. Es sei für sie kein Problem, mal eben nach Richrath zu Edeka zu radeln, erklärt sie.

Der Bürgerverein  bittet nun alle Langforter, ihre Meinungen und Anregungen zu der Netto-Schließung mitzuteilen. Das könne über das Kontaktformular https.//bv-langfort.de/kontakt erfolgen, per E-mail an info@bv-langfort.de aber auch als schriftliche Notiz, die eingeworfen werden kann in die Ideenbox am Schaukasten des Bürgervereins im Einkaufszentrum oder in den Breifkasten „Mey“, Rudolf-Harbig-Weg  10.