Nessi Tausendschön in Langenfeld „Nach dem Kuss stürzte ich von der Showtreppe“

Langenfeld · Die Kabarettistin hat ihr Programm schon in der Coronazeit „Rumeiern“ genannt. Jetzt findet Nessi Tausendschön ihren Titel noch passender. Am 9. März kommt sie gemeinsam mit Musiker William Mackenzie in den Langenfelder Schaustall.

 Nessi Tausendschön und William Mackenzie gastieren am 9. März in Langenfeld.

Nessi Tausendschön und William Mackenzie gastieren am 9. März in Langenfeld.

Foto: Carsten Bockermann/Schauplatz GmbH/Carsten Bockermann

Am kommenden Samstag wird die Kabarettistin mit dem märchenhaftesten Namen der Kleinkunstszene in Langenfeld zu Gast sein: Nessi Tausendschön. Im Gespräch verrät die Entertainerin die Herkunft ihres Namens und erzählt, wie es mit Sissi Perlinger in Indien war und wieso sie nach einem Kuss mit Ulrich Tukur zwei Meter tief stürzte.

Woher stammt dein märchenhafter Name?

Nessi Tausendschön Ich war jung und fand das damals witzig. „Nessi“ war mein Spitzname in der Schule – in Ableitung von Annette, meinem Namen –, und das Tausendschön ist das mehrjährige Gänseblümchen, auch bellis perennis auf Lateinisch. Ich hatte vor dem Studium eine Gärtnerlehre absolviert, ich hatte das Gefühl, das füllt die Namensgebung mit Bedeutung.

Nach besagter Lehre mir Schwerpunkt Zierpflanze hast du studiert, Seemannslieder gesungen und in Bands gespielt, wie kam es dann zum Kabarett?

Nessi Tausendschön Ich hatte mir mit dem Singen in Kneipen und Theatern mein Studium finanziert. Selber Texte schreiben und kreativ zu sein, das kam so nach und nach dazu. Meine Kabarettnummern wurden immer textlastiger, denn mit den Moderationen erreichte ich die Menschen, um die Songs vorzubereiten. Wenn die Moderationen interessant und originell waren, hörten sie in den Bars viel besser zu, denn zunächst einmal waren die Menschen nicht meinetwegen dort, sondern, um gesellig zu sein und zu trinken.

„Ich spiele vor Menschen, die fürs Lachen bezahlt haben, ohne dass sie das aber in dem Moment merken und das ist die Kunst“ ist eine wunderschöne Definition von Kabarett. Hast du noch so tolle Erkenntnisse zu deiner Kunst auf Lager?

Nessi Tausendschön Kunst kommt von Können und nicht von Wollen, sonst hieße es ja Wonst. Aber vielleicht bin ich ja eine Wonstlerin, so wie Dieter Bohlen, das Feindbild von vielen Musikliebhabern und Musikliebhaberinnen.

Was war dein schönstes Erlebnis auf einer Bühne, was das schlimmste oder lustigste?


Nessi Tausendschön Mein schönstes Erlebnis, das ist schwer, weil ich so viele allerschönste Erlebnisse hatte. Mein Traum war immer, mit einer Bigband zu spielen und bei der vorletzten Ladies Night beim WDR haben mich Streicher:innen des WDR-Funkhaus-Orchesters begleitet, das war ein Glücksmoment. Das Schlimmste, was mir passiert ist, war ein Sturz von einer Showtreppe ganz oben nach dem Kuss von Ulrich Tukur. Nach dem Kuss war ein Black und ich stürzte circa zwei Meter nach unten auf den Bühnenboden und während des Falles dachte ich: Gleich biste tot. War ich aber nicht. Das Lustigste war in Indien, als ich mit unter anderem Sissi Perlinger auf der Bühne war und der Strom abgestellt wurde, weil der Barbesitzer kein Bakschisch bezahlt hatte.

Über wen lachst du besonders gerne?

Nessi Tausendschön Mein Mitmusiker William Mackenzie bringt mich immer zum Lachen, von ihm stammen teilweise die lustigsten Pointen; die ich dann auch ins Programm einbaue. Außerdem lache und staune ich über Annamateur, über Jochen Malmsheimer, Dieter Hildebrand, Tina Teubner, Kurt Krömer, die finde ich großartig.

Da du auf der Bühne so viel machst, also nicht nur satirisch und lustig bist, sondern auch die singende Säge spielst, selbst singst, akrobatisch, poetisch und absurd komisch bist, ist das Beschreiben gar nicht so einfach. Du wurdest schon als „Adelsdame der Unterhaltung“ (Hamburger Morgenpost), „zarter Rauschgoldengel“ (Westdeutsche Zeitung), „deutsche Diseuse“ (Wikipedia) oder „emotionaler Wirbelsturm“ bezeichnet. Wie siehst du dich und bezeichnest deine Arbeit?

Nessi Tausendschön Ich bin Kabarettistin und Musikerin, die auch schauspielt und Quatsch macht.

Dein aktuelles Programm heisst „Rumeiern“, warum?

Nessi Tausendschön Auf den Titel hatte ich mich schon vor der Pandemie mit mir geeinigt. Ich konnte ja nicht wissen, wie aktuell er werden würde mit der Rumeierei der Welt mit all den Verwerfungen in den letzten Jahren. Außerdem kann man dann auch mal rumeiern und muss nicht immer stringent und zielgerichtet ein einziges Thema beackern, sondern kann ausschweifen, das Thema verfehlen oder um den heißen Brei herumreden und auch einfach mal nur anarchische Spielfreude zeigen.

Während Corona haben William Mackenzie, der auch bei „Rumeiern“ dein musikalischer Begleiter ist, und du eine bezaubernde Reihe mit melancholischen Liedern in verwunschenen Gärten oder an verwilderten Wiesen am Rhein aufgenommen (umbedingt auf nessi-tausendschoen.de anschauen) und du hast mal erzählt, dass du gerne mit einer Bigband auftreten würdest. Wie sieht es damit aus?

Nessi Tausendschön Das mit der Bigband hat noch nicht geklappt. Ich würde dann in einem rosa oder hellblauen Tüllkleid Jazzstandards singen wollen. Ein paar von den eigenen Songs könnte ich auch arrangieren lassen wie zum Beispiel „Es ist nicht so, dass ich an meiner Scheide leide“ oder „Auch wenn du gehst“ oder „Ich sing wie Max Raabe“.



Am Ende geht es ein bisschen weg von deinem jetzigen Beruf und noch einmal in den Ziergarten: Sollte mit Blumen gesprochen werden?

Nessi Tausendschön Nein, eigentlich nicht. Aber neulich habe ich doch meine Alocasia „Jacklyn“ beschimpft, dass sie ihre Blätter hat verwelken lassen.

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