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Langenfeld - Naturschützer zeigen Kahlschlag an der Turnerstraße an

Langenfeld : Naturschützer zeigen Kahlschlag an

Um eine Baulücke zwischen Turnerstraße und Sändchen zu schließen, hat der Bauunternehmer den Garten gerodet.

Karl Wilhelm Bergfeld, Vorsitzender der Ortsgruppe Langenfeld im Bund für Umwelt- und Naturschutz, ist sauer. So sauer, dass er den Vorfall der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Mettmann gemeldet hat. Der Grund: auf einem Grundstück an der Turnerstraße sind auf 600 Quadratmetern sämtliche Bäume und Sträucher gefällt worden. Dort wird die Boes GmbH zehn Eigentumswohnungen bauen. So steht es auf dem Schild am Zaun.

„Unseres Erachtens ist das ein grober Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz §39 Absatz (5) Satz 2. Auch auf die Ausnahme nach Satz 4. kann sich der Verursacher nicht berufen, denn über 600 Quadratmeter sind keine Geringfügigkeit“, so argumentiert Bergfeld. Das Gesetz legt die Schutzzeit für brütende Vögel von März bis Oktober fest. „In dieser Zeit sollen noch nicht einmal Hecken geschnitten werden“, so Bergfeld. Er hat deshalb beim städtischen Ordnungsamt nachgefragt. Fehlanzeige. Die Behörde sei nicht zuständig. Beim Kreis Mettmann liegt die Anfrage, ob die Fällungen ihre Richtigkeit haben vor. „Allerdings“, so Kreissprecherin Tanja Henkel, „gibt es in der Satzung viele Schlupflöcher, so dass die Prüfung einige Zeit in Anspruch nehmen kann.“ Inzwischen ist diese im Gange, heißt es bei der Pressestelle des Kreises. Zeugen würden gehört. „Die Beweisaufnahme läuft“, so Sprecherin Tanja Henkel. Mehr könnten die Kollegen in der Fachbehörde auch nicht sagen, blockt sie weitere Nachfragen ab.

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Für die Boes GmbH ist das Thema Baumfällungen keins. „Langenfeld hat keine Baumschutzsatzung. Ich brauche keine Fällgenehmigung“, sagt Geschäftsführer Fidel Cardenas. Außerdem habe man maximal zwei Bäume, „die den Namen verdienen“ gefällt. Der Rest seien eher Büsche gewesen. Von der Prüfung der Unteren Naturschutzbehörde, die der Bezirksregierung zugeordnet ist, habe er keine Kenntnis.

Josef Lambertz, der in der Stadt Monheim seine Stimme gegen Baumfällungen erhebt, erstaunt das nicht. „Die Devise lautet: Wohnungsbau geht vor Grünerhalt“, beschreibt er die Strategie der Politik. Das treffe auch in Monheim zu. Er erinnert in diesem Zusammenhang an die Pläne, die Bäume, darunter eine alte Kastanie, an der Alten Schulstraße für den Bau des geplanten Gesundheitszentrum abzuholzen.

Dr. Günter Herweg von Bündnis 90/Die Grünen, kennt das Problem und bedauert den „laxen Umgang“ der Behörden, mit solchen Fragen. „Um das Klima zu schützen wären höhere Hürden bei der Fällung von Bäumen eine erste Stellschraube“, findet er. „Wir haben uns deshalb immer für eine Baumschutzsatzung eingesetzt, sind aber auf taube Ohren gestoßen.“ Die CDU-geführte Mehrheit der Stadt setze auf Wohnungsbau. Dieter Braschoss dazu von der CDU: „Wohnungsbau ist wichtig. Aber nicht ohne Grün“, sagt er. Deshalb sorge die Stadt bei vielen Bauprojekten ja auch für Neupflanzungen.