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Langenfeld - Nachhilfeinstitute profitieren nicht von der Corona-Krise

Langenfeld : Nachhilfeinstitute profitieren nicht von Krise

Nachhilfeinstitute waren von denselben Einschränkungen betroffen wie die Schulen. Die Zahl der Neuanmeldungen ist verhalten. Sie hoffen auf den großen Run zum neuen Schuljahr, wenn die Defizite offenbar werden.

Die Schulferien haben begonnen, doch etliche Eltern mag das ungute Gefühl plagen, dass ihre schulpflichtigen Kinder den im Curriculum vorgesehenen Lernstoff wegen des Schul-Lockdowns nicht vollständig beherrschen, dass auch selbst der vermittelte Stoff nicht sicher sitzen könnte – das Gelernte wurde ja nicht über Klassenarbeiten abgeprüft.

Aber wer jetzt glaubt, dass die Nachhilfeinstitute einen Ansturm von Corona-geschädigten Schülern erleben, irrt. „Wir profitieren nicht von der Krise“, sagt Martina Jentzsch vom Lernstudio Barbarossa. Denn parallel zu den Schulen mussten auch die Institute schließen und auf Online-Kurse umschalten: Erst Anfang Mai kehrten sie zu einem eingeschränkten Präsenz-Unterricht zurück.

Lücken seien vor allem bei Kindern entstanden, deren Eltern nicht Deutsch sprechen und bei jüngeren Kindern, deren Eltern nicht in der Lage waren, parallel zum Homeoffice deren Arbeit zu strukturieren oder zu kontrollieren, sagt Jentzsch.  „Wenn bei den Kindern Fragen aufkamen, konnten die nicht zeitnah beantwortet werden.“ Während sie also üblicherweise in den Sommerferien das Studio schließe, setzte sie die Kurse jetzt fort, um Lern-Lücken aufzuspüren und zu füllen. Da füge es sich gut, dass viele Familien nicht wegfahren. Sie habe auch einige Neuanmeldungen für Schüler erhalten, die nicht bearbeiteten Lernstoff nachholen sollen. „Im nächsten Schuljahr gilt ja ein neuer Lehrplan. Das, was bis dahin nicht geschafft wurde, bleibt dann auf der Strecke“, so Jentzsch.

Auf den Nachholeffekt hofft auch Ingo Haftke, der als Solo-Selbstständiger seit seinem 17. Lebensjahr Nachhilfe gibt. „In den ersten Klausuren nach den Ferien wird offenbar werden, was alles aufgearbeitet werden muss“, glaubt der Sportpädagoge. Aber bisher nimmt er eine deutliche Zurückhaltung bei den Anmeldungen wahr. Die üblichen Neuanmeldungen  im Mai, wenn der Abitur-Jahrgang mit den Prüfungen durch ist, blieb aus. Auch ist Haftke beim Präsenz-Unterricht an die Abstandsregelungen gebunden und muss daher die Kurse kleiner fahren. Und sein Hauptfach Mathematik stoße im virtuellen Raum an natürliche Grenzen der Darstellbarkeit. Der Weg von der Bearbeitung der Aufgaben bis zur Korrektur sei sehr mühsam.  „Die Online-Konferenzen taugen eher für die Fächer, wo miteinander gesprochen wird.“

Auch bei der Schülerhilfe setzen die Abstandsregeln Grenzen für den Präsenz-Unterricht. „Es war nach der Öffnung nicht möglich, alle 106 Schüler zu unterrichten, wir haben daher die zehn bis 20 Prozent vorgezogen, die mangels Ausstattung dem Online-Unterricht nicht folgen konnten“, sagt Gaby Boekler von der Schülerhilfe. Für die Sommerferien wurden die Schüler neu in die Vormittagskurse eingeteilt. Neuanmeldungen gebe es bisher kaum, sie vermutet, dass sich die Unsicherheit über den Schulstart auch auf die Nachhilfeschulen auswirkt. Dennoch rechnet Boeckler damit, dass mit dem neuen Schuljahr ein wahrer Run auf die Privatinstitute einsetzen werde.

Stephan Wippermann-Janda, Leiter des Konrad-Adenauer-Gymnasiums,  hält den „nationalen Erzählmodus von einem möglicherweise verlorenen Schuljahr“ für überzogen. Weil die Schulschließung nur wenige Wochen währte, seien „nicht so viele Themen verloren gegangen“. Im internationalen Vergleich sei es Deutschland in dieser Pandemie bezüglich der Schulschließungen „ja noch relativ gut gegangen“. Wenn also weltweit wirklich Unterrichtsstoff verloren gegangen sein sollte, sei Deutschland im internationalen Vergleich kaum benachteiligt.

Achim Nöhles, Leiter der Schule am Lerchenweg, wiederum will die Annahme, dass sich bei dem ein oder anderen seiner Schüler Lücken auftun werden, nicht in Anrede stellen. „Die Befürchtung bleibt, der genaue Umfang der Lernrückstände ist aber noch unklar.“ Erst wenn die Kinder wieder über einen längeren Zeitraum in der Schule sind, könne man gezielt ermitteln, wo die Lernlücken sind und wie wir diese sukzessive aufarbeiten werden. Immerhin fänden jetzt wieder die normalen Ferienangebote in den Grundschulen mit Offenem Ganztag statt, wo ja letztlich auch immer Wissens- und Lernzuwachs erzielt werde. Unter dem Motto „Wissenschaft & Sport trotz(en) Corona“ könnten die Kinder der Schule am Lerchenweg in der Ferienbetreuung wie gewohnt spielen, lernen und Spaß haben.