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Langenfeld: Mutter wegen eines Fotos verurteilt

Langenfeld : Besorgte Mutter wegen Fotoweitergabe verurteilt

Psychisch kranker Mann verfolgt Zehnjährigen. Mutter fotografiert später den Fremden mit Polizisten und landet anschließend vor Gericht.

Diana Schmitz’ Sohn rief seine Mutter im Spätsommer vom Schulweg mit dem Handy an, weil er von einem unbekannten Mann verfolgt wurde, „der sich seiner bemächtigen wollte“, berichtet Martin Lauppe-Assmann. Der Rechtsanwalt vertritt die 43-Jährige Langenfelderin vor Gericht in einem Fall als Beschuldigte.

Auch als der Zehnjährige floh, sei der Mann ihm damals auf den Fersen geblieben. Der Schüler, der unter einer Autismus-Spektrums-Störung leidet, sei dann in seiner Not zu einer nahen Baustelle gelaufen und habe die Arbeiter dort um Schutz gebeten. Die Mutter habe sich sofort nach dem Anruf auf den Weg zu ihrem Kind gemacht und die Polizei verständigt. An einer Bushaltestelle seien dann alle zusammengetroffen. Die 43-Jährige habe dort ein Foto von den Polizisten und dem Verfolger ihres Sohnes gemacht, berichtet der Anwalt weiter. Die Beamten hätten den Mann, der aus der geschlossenen Abteilung der LVR-Klinik in Langenfeld entwichen war, in Gewahrsam genommen. Dieses Foto sei später sowohl in der Boulevard-Presse als auch im Fernsehen erschienen, berichtet der Anwalt. Die Polizisten seien in der Zeitung gepixelt zu sehen gewesen, online jedoch nicht.

Das Amtsgericht Langenfeld hat nun die Mutter schuldig gesprochen gegen das Kunst-Urheber-Gesetz verstoßen zu haben und sie zu einer Geldbuße von 150 Euro verurteilt, teilt ihr Anwalt Lauppe-Assmann mit. Für ihn sei das unverständlich, da die Frau „keine Entscheidungsgewalt darüber hatte, ob die Fotos der Beamten verpixelt oder unverpixelt veröffentlicht wurden.“

Und: „Wer das Foto an die Zeitung gegeben hat, ist noch nicht geklärt“, sagt er. Das könne jeder aus der Familie gewesen sein. Der Jurist aus Düsseldorf hat deshalb gegen das Urteil der Langenfelder Richter Berufung eingelegt. Er sagt, „der eigentliche Skandal ist die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft die Mutter angeklagt hat und das Verfahren gegen den Verfolger einstellte“. Die Verantwortlichen der LVR-Klinik seien „nicht zur Rechenschaft gezogen worden“. Die Klinik bittet auf Anfrage um Verständnis, dass „wir uns aus Gründen des Datenschutzes und der Schweigepflicht nicht zu potentiellen Patientinnen und Patienten äußern dürfen“, sagt Sprecherin Martina Schramm. Anliegen sei es, Stigmata von Menschen mit psychischen Erkrankungen entgegenzuwirken.“ Auch Menschen die auf geschützten Stationen behandelt würden, hätten in Absprache mit den Ärzten die Möglichkeit, die Station zu verlassen.

Die Mutter sagt, sie sei „entsetzt, dass gegen mich ermittelt wurde“. Derzeit befinde sie sich mit ihrem Sohn in psychologischer Behandlung und könne nur noch halbtags arbeiten, weil sie den verängstigten Jungen (bis zum Lockdown) jeden Tag zur Schule begleiten musste. Wegen seiner Autismus-Störung, habe er sehr lange üben müssen, um die Strecke von der Wohnung bis zur Schule alleine zu laufen. Diana Schmitz merkt an, sie hätte sich zudem gewünscht, dass die LVR-Klinik Kontakt zu ihr aufnimmt.

Der Fall wird demnächst am Landgericht in Düsseldorf verhandelt. Ein Termin steht noch nicht fest.