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Langenfeld Musik verbindet Menschen aus aller Welt

Langenfeld Mensch und Stadt : Musik verbindet Menschen aus aller Welt

Die Langenfelder Band 5000 Miles besteht aus neun Musikern aus sieben Ländern – gegründet als offener Chor.

  Die Mitglieder der Band 5000 Miles spielen Baglama, E-Gitarre oder  Akkordeon. Die Musik ist ein Crossover aus arabischer, persischer und kurdischer Musik in westlicher Spielweise.  Es sind neun aus sieben Ländern. „Musik verstehen alle. Deshalb hatte ich mir 2016, als so viele Geflüchtete nach Langenfeld kamen, darüber Gedanken gemacht, was wir machen könnten, um den Menschen dabei zu helfen, sich schneller einzuleben. Da kamen wir darauf, einen Chor zu gründen“, sagt die ehrenamtliche Bandleaderin Susanne Wagner, die  mit dem Syrer Mohamad Mostafa seit 2016 den Chor und heute die Band leitet.

Der Bandname „5000 Miles“ steht symbolisch für die Wegstrecke, die viele Geflüchtete zurücklegen mussten. 5000 Meilen hat hier fast jeder hinter sich. Mehrere Auftritte und Konzerte kann die Band verzeichnen. Im Januar waren die Musiker bei WDRforyou eingeladen, wo sie eine Stunde Konzert-Livestream präsentierten. Außerdem hat die Band ein Imagevideo für ihren Face-Book-Kanal erstellt und zwei Musikvideos produziert. „Wir sind sehr dankbar, dass uns der Langenfelder Gesellschaftsfonds großzügig unterstützt hat. Es geht uns um die Sache. Geld verdienen wir damit nicht“, so Wagner.

Ein weiterer Höhepunkt war die Verleihung des Menschenrechtspreises der Gerhard und Renate Baum-Stiftung an Ahmad Mansour im Schauspiel Köln, bei der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet die Laudatio hielt und 5000 Miles das musikalische Programm gestalteten. „Das war eine große Ehre“, sagt die Bandleaderin.

„Bei unseren Auftritten ist Lebensfreude auf der Bühne. Mir war es wichtig, nahöstliche Musik durch europäische Arrangements für deutsche Ohren zugänglich zu machen. Sobald wir aufhören, in Grenzen zu denken, sind wir uns viel ähnlicher als manche glauben“, sagt Wagner. Einige Mitglieder sind seit vier Jahren dabei und haben hier nicht nur das Singen und Musizieren gelernt, sondern auch Freundschaften für das Leben geschlossen. „Die Band ist wie eine Familie. Sie hat mir so viel gegeben. Ich habe auch durch Susanne eine Lehrstelle als Optikerin in Hilden bekommen“, sagt Niloofar.

Anfang 2016 kam die mittlerweile 21-Jährige mit ihrem Bruder und ihren Eltern aus dem Iran nach Deutschland. Aufgrund ihres christlichen Glaubens musste sie den Iran drei Monate vor dem Abitur verlassen. Da es Frauen im Iran verboten ist zu singen, hat sie erst in Deutschland damit begonnen und singt mittlerweile Soli. „In Deutschland ist alles anders, aber hier sind wir in einer Gruppe und können uns austauschen und gegenseitig auffangen“, so Niloofar. Mohamad Mostafa ist Bauingenieur und hat mittlerweile einen festen Arbeitsvertrag bei einem großen Langenfelder Bauunternehmen. Er bringt sich stark in die Band ein.

„Mohamad stellt kurdische und arabische Lieder vor, singt viele Soli und erweist sich immer wieder als wertvoller Vermittler zwischen den Kulturen“, so Wagner.

Hamid Yousefi stammt auch aus dem Iran, wo er Englisch studierte. Er will Sprachvermittler werden und hat gute Chancen dazu. Als Solist singt er persische Lieder. Mohammad Noorzai kam mit 15 Jahren zusammen mit seinem Cousin aus Afghanistan und beginnt im Sommer eine Lehre als Maurer. In Afghanistan durfte er durch Drohungen der Taliban nie eine Schule besuchen. In der Band bringt er sich als Rapper ein. „Ich erzähle davon, dass der Krieg und die Gewalt in Afghanistan endlich aufhören sollen und Frieden her muss“, sagt Mohammad. Anna Tovarchi stammt aus der Ukraine und absolviert eine Ausbildung zur Steuerfachgehilfin in Köln. Der Chor hat sie aufgefangen, als sie sich anfänglich total alleine fühlte. „Ich komme sehr gerne hierher. Wir sind wie eine Familie“, sagt Anna.

Ismail Khudida floh 2015 aus dem Irak nach Deutschland. „Er ist ein sehr versierter Künstler, spielt neben der Saz auch hervorragend Keyboard und programmiert Musik“, sagt Wagner. Mittlerweile macht Ismail eine Ausbildung zum Mediengestalter in einer Filmproduktionsfirma. „Ich bin froh über diese berufliche Chance und glücklich, durch den Chor nicht nur musikalisch etwas zu lernen, sondern auch über andere Kulturen“, sagt Ismail.

Das Schlagzeug bedient Marcel Broekman. Der niederländische Drummer ist außerdem Produzent und Sänger und unterstützt die Band auch mit seinem Knowhow. „Dafür fahre ich auch gerne weit“, sagt der Schlagzeuger, der in der Nähe von Arnheim wohnt. Paul Wagner unterstützt die Band durch seine E-Gitarre und sein Bassspiel. Als Gitarrist einer Leichlinger Rockband hat er viel Bühnenerfahrung und hilft der Band mit Tipps. „Wir suchen immer neue Bandmitglieder. Eine Geige, Klarinette oder eine weitere Gitarre wären schön“, so der Gitarrist.

www.5000miles.de