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Langenfeld/Monheim „Wir brauchen mehr Unterstützung“

Langenfeld/Monheim : „Wir brauchen mehr Unterstützung“

Der Geschäftsführer der Alloheim-Senioren-Residenzen wünscht sich mehr Kooperation mit Behörden vor Ort sowie mehr Corona-Tests – bei der Rückkehr aus einem Krankenhaus sowie in den Alten- und Pflegeheimen.

Wie viele Altenheime gehören zur Alloheim-Gruppe?

Gilberg 223 stationäre Pflegeeinrichtungen, 77 Standorte mit Betreutem Wohnen und 25 Ambulante Pflegedienste  gehören zu Alloheim – darunter die Senioren-Residenz in Monheim sowie seit Mai 2019 auch das Pro-Talis-Seniorenzentrum am Berghausener Blumentopf. Wir sind bundesweit tätig. Rund 27.000 Menschen werden in unseren Einrichtungen betreut.

Sie fordern einen klareren Handlungsrahmen für die Mitarbeiter Ihrer Häuser. Warum?

Gilberg Weil der Alltag in Corona-Zeiten es fordert. Wenn etwa ein Bewohner die Einrichtung verlässt, weil er es immer tut und er sich gesund fühlt, dann später wiederkommt, weiß keiner, mit wem er Kontakt hatte. Das stellt Mitarbeiter und Einrichtungsleitungen vor Entscheidungsschwierigkeiten. Rein juristisch betrachtet, können wir es dem Bewohner nicht verbieten die Einrichtung zu verlassen. Und andersrum können wir ihm, nachdem er sich außerhalb der Einrichtung aufgehalten hat, nicht den Zutritt verwehren. Was also tun, wenn die anderen Bewohner nicht gefährdet werden sollen? Bei der Beantwortung dieser Frage wünschen wir uns mehr Unterstützung seitens der Behörden, des jeweiligen Ordnungsamtes, des Gesundheitsamtes oder der Heimaufsicht.

Gibt es die nicht?

Gilberg Bislang haben wir in vielen Fällen sehr gute Erfahrungen gemacht. Doch leider nicht überall. Häufig ist es so, dass die eine Behörde gern an die andere verweist und wir am Schluss wieder am Anfang stehen. Manchmal könnte ein direktes Gespräch mit Unterstützung der jeweiligen Behörde die Einsicht bei uneinsichtigen Bewohnern positiv beeinflussen. Denn das Freiheitsrecht jedes einzelnen wird in Deutschland – zurecht – groß geschrieben. Aber in Einzelfällen fehlt uns dann einfach eine klare Handhabe.

Wie bringen Sie denn einem demenziell erkrankten Menschen bei, dass er nicht raus darf, dass er Abstand halten muss?

Gilberg Das geht häufig nur mit viel Geduld und gutem Zureden. Darauf sind die Pflegekräfte geschult. Aktuell nimmt dies natürlich viel Zeit in Anspruch, aber es ist notwendig und essentiell um Bewohner und Mitarbeiter zu schützen.

Sie würden gern auch eine bessere Regelung für alte Menschen haben, die aus dem Krankenhaus ins Heim zurückkehren. Wo hakt es da?

Gilberg Es gehört bundesweit leider noch nicht zum Standard, dass Menschen, die aus dem Krankenhaus in eine Pflegeeinrichtung zurückkehren, auf Corona getestet werden. Und das heißt, wir wissen nicht, ob dieser Mensch andere anstecken könnte. Wir müssten ihn in Quarantäne bringen, damit im schlimmsten Fall keine Kettenreaktion erfolgt. Doch da fängt es an. Wie ist Quarantäne definiert? Ein eigener Bereich? Das eigene Zimmer des Bewohners? Auch deshalb sollten Tests nach einem Krankenhausaufenthalt Pflicht werden. Außerdem wäre es prinzipiell sehr gut, wenn in Pflegeeinrichtungen deutlich mehr getestet würde.

Aktuell ist ein Gesetzesentwurf in Arbeit, der mehr Tests ermöglichen soll. Kommt Ihnen das entgegen?

Gilberg Wir begrüßen diesen Ansatz, denn er entspricht unseren Erfahrungen aus der Praxis. Generell wünschen wir uns, dass auch die Bundesregierung in einen engeren Austausch mit Betreibern von Pflegeeinrichtungen treten würde, denn hier gibt es ja sehr lebensnahe Erfahrungen. Im kommunalen Bereich haben wir damit ganz hervorragende Erfahrungen gemacht. Der stetige Austausch mit den Behörden, bei denen es natürlich auch diverse Fragestellungen rund um spezielle Pflegebereiche gibt, hat beide Seiten sehr nach vorne gebracht und vieles schon lösen können.

In Monheim hat es einen Corona-Fall gegeben. Was ist darauf geworden?

Gilberg Der Bewohner ist inzwischen wieder gesund und das freut uns sehr.

Wenn in einem Heim Coronafälle auftreten, wird die Ursache häufig bei den Pflegepersonen verortet.

Gilberg Ja, leider. Und das ist absolut nicht gerechtfertigt. Denn das Personal leistet ohnehin enorm viel und  achtet gerade in diesen Zeiten noch stärker als ohnehin auf Hygiene. Die meisten sind auch privat sehr, sehr vorsichtig, weil sie wissen, wie gefährdet ältere Menschen sind. Die Infektion kann auch auf anderem Wege in die Einrichtung gekommen sein, darüber machen sich viele gar keine Gedanken. Am Ende wird dann leichtfertig behauptet oder aus Unwissenheit heraus gemutmaßt, dass nur die Mitarbeiter dafür verantwortlich sein können. Das ist nicht nur traurig und belastend, sondern schlichtweg falsch. Die Leute vergessen oft, dass wir gerade eine weltweite Pandemie haben. Am Ende sollte es nicht darum gehen wer schuldig ist, sondern darum, wer wem hilft.

Sie sind als Alloheim bundesweit tätig?  Wie halten Sie die unterschiedlichen Gesetzeslagen im Blick?

Gilberg Der Krisenstab tagt täglich. Wir haben schon zum Jahresbeginn ein eigenes Pandemie-Handbuch entwickelt, dass nicht nur die unterschiedlichen, länderspezifischen Unterschiedlichkeiten berücksichtigt, sondern auch stetig aktualisiert wird. Dieses Handbuch hat auch für viele Behörden Modellcharakter, worauf wir sehr stolz sind.