Langenfeld Monheim So kommt Europa in den Schulen vor

Umgehört : So kommt Europa in den Schulen vor

Die EU ist für Jugendliche ein eher abstraktes Gebilde. Lebensnäher sind Schüleraustausch und Simulationsspiele.

Ausgerechnet eine europäische Scheidungs-Premiere beherrscht derzeit die Schlagzeilen: der bevorstehende Austritt des EU-Mitgliedes Großbritannien. „Im Englischunterricht der Oberstufe ist das traurige Kapitel des Brexits natürlich auch gerade ein Thema – in Zusammenhang mit der obligatorischen Landeskunde“, berichtet Stephan Wippermann-Janda, Leiter des Konrad-Adenauer-Gymnasiums.

Unterricht: Überhaupt  hat Europa in den Klassenräumen einen festen Platz. Der Lehrplan des Landes NRW schreibt vor, dass die Europäische Union sowohl in der Sekundarstufe I (Klasse 9) als auch in der Qualifikationsphase im Grund- und Leistungskurs behandelt werden muss. „Im Unterricht des Faches Gesellschaftslehre in der Sekundarstufe I wird Europa unter den Aspekten ,Europa – Heimat vieler verschiedener Menschen’ (Jhg. 8) und ,Geteilt und vereint – Europa entwickelt sich’ (Jhg. 10) betrachtet“, berichtet Ralf Sänger, Leiter der Peter-Ustinov-Gesamtschule.  In den Kursen der Qualifikationsphase 1 der gymnasialen Oberstufe werde Europa unter folgenden Aspekten aufgegriffen: Wie kann die Europäische Zentralbank  Inflation und Deflation vermeiden? Ist der Friedensnobelpreis für die EU berechtigt? Die EU-Institutionen – wie wird Europa „regiert“? Was überwiegt bezüglich der Wirtschafts- und Währungsunion: Vorteile oder Risiken? Und es geht auch um Zukunftsperspektiven der EU: neue Integrationsmodelle und aktuelle   Probleme wie das Wohlstandsgefälle und die Migration. Auf bedingungslose Schönfärberei seien diese Themen offenkundig nicht angelegt. „Sie sind eher recht  kontrovers aufgebaut, und wir als Lehrer sind angehalten, den Finger in die Wunde zu legen“, sagen die SoWi-Lehrer Romina Bauer und Tobias Halbach vom KAG.

Schulbücher, Materialien:  Auch viele Schulbücher bereiteten diese Themen mit der gebotenen Kritik auf und ermöglichten so eine kontroverse Diskussion, sagen Bauer und Halbach. Die Beobachtung des Bildungsforschers Prof. Eckhardt Fuchs, die „Kritik an der EU als bürgerfern, nicht-transparent und langsam spiele in den Büchern keine Rolle“, können sie also nicht teilen. Ein Problem sei allerdings, dass die Lehrbücher in Sozialwissenschaften wegen der hohen Aktualität der Thematik schnell „veraltet“ sind, sagt Wippermann-Janda. „Daher arbeiten wir mit einer Kombination aus Lehrbuch, aktuellen Artikeln und eigenständiger Recherche der Schüler. Dabei spielt vor allem der Einsatz neuer Medien eine elementare Rolle“, sagt Wippermann. Das hält auch das Kollegium der Monheimer Gesamtschule so.

Europäische Wettbewerbe: Punktuell haben Lehrer des Konrad-Adenauer-Gymnasiums immer wieder an Wettbewerben teilgenommen. Darüber hinaus fahren Oberstufenkurse regelmäßig für einige Tage nach Brüssel, um die europäische Bühne live zu erleben. Dabei nehmen die Schüler auch an einem vom Europäischen Parlament organisierten Rollenspiel teil, mit denen die recht komplexen Gesetzgebungsprozesse veranschaulicht werden sollen. In der Vergangenheit waren zudem Vertreter der Europäischen Akademie Bayern an der Schule, um mit den Schülern ein Planspiel zum Thema „Migration in Europa“ zu spielen.

Schüleraustausch: Das Konrad-Adenauer-Gymnasium legt großen Wert auf seinen Schüleraustausch mit dem irischen Ennis und dem französischen Senlis im Rahmen der Städtepartnerschaften der Stadt Langenfeld.  „Abhängig von der Jahrgangsgröße fahren immer zwischen 15 und 20 Schüler nach Irland“, berichten Bauer und Halbach. Die Schüler nehmen dann für vier bis sechs Wochen am Unterricht in einer der vier Partnerschulen  teil und wohnen in Gastfamilien.

Die Peter-Ustinov-Gesamtschule unterhält momentan keinen Schüleraustausch mit einem geförderten europäischen Projekt, berichtet Ralf Sänger. Da die Stadt Monheim ein Interesse daran habe, dass ihre Städtepartnerschaften auch durch Schüleraustausche belebt werden, pflegt die Schule seit geraumer Zeit eine Kooperation mit einer Schule im polnischen  Malbork. In den letzten zwei Jahren wurde zudem ein Austausch mit einer Schule in Wiener Neustadt aufgebaut. „Außerdem haben wir Kontakt mit zwei Schulen in Atasehir (Türkei) aufgenommen, um zu erproben, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte“, sagt Sänger.

Einstellung zur EU: Die EU sei im ersten Moment für Schüler ein abstraktes Gebilde, sagt Wippermann-Janda. „Die EU ist in den Köpfen der Schüler weit weg“, bestätigen auch Bauer und Halbach. Auf sie wirkten die Versuche in den Büchern, die EU in die Lebenswirklichkeit der Schüler zu überführen, oft peinlich. Im Leben der Schüler spiele sie nämlich so gut wie gar keine Rolle.  „Aber da die EU nun einmal uns alle betrifft, ist es unsere Aufgabe, die Schüler für diese Thematik zu interessieren“, betont Wippermann-Janda. Diesem Zweck dienten vor allem die  Simulationsspiele.

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