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Langenfeld/Monheim Homeoffice wird vielfach „normal“

Homeoffice- Verschärfungen in vielen Firmen kein Problem : Homeoffice wird vielfach „normal“

Mehr Homeoffice in Corona-Zeiten, verschärfte Regeln durch aktuelle Sars-CoV-Arbeitsschutzverordnung: Trotz Digitalisierung kann nicht alles im Homeoffice erledigt werden. Besonders Mittelständler sehen die jüngsten Vorgaben kritisch.

Mit der Verlängerung des Lockdowns bis Mitte Februar werden  – um Kontakte weiter zu reduzieren  –  auch die Vorgaben zum Homeoffice verschärft. Unternehmen werden verpflichtet, ihren Beschäftigten Arbeit im Homeoffice anzubieten, wann immer es geht. Nur wenn „zwingende betriebliche Gründe entgegensprechen“, darf davon abgewichen werden.

„Schon im ersten Lockdown arbeiteten die meisten der Mitarbeiter von zu Hause aus“, erinnert Christiane Schärfke, zuständige Fachbereichsleiterin im Langenfelder Rathaus, an das Frühjahr 2020. „Im Sommer konnten wir das Rathaus wieder für Besucher öffnen und vermehrt kamen auch die Mitarbeiter zurück ins Büro.“ Allerdings seien seitdem durch Schichtbetrieb, Spuckschutz, Hygienekonzept und anderes  die Ansteckung-Risiken minimiert worden. Es gab zum Beispiel keine doppelt besetzten Büros mehr. „Mit Blick auf die seit Oktober wieder steigenden Fallzahlen, schränkten wir schon vor Wochen den Publikumsverkehr ein, und verstärkten neuerlich die ,Heimarbeit“, erläutert Schärfke.“

Unabhängig von Corona hatte die Stadt Langenfeld das Home-Office-Angebot für die Mitarbeiter ausgeweitet. Wer über das notwendige häusliche Umfeld verfügte, konnte sich entsprechend organisieren, heißt es dort. Details wurden in einer Dienstvereinbarung mit dem Personalrat geregelt. Aktuell arbeiten 120 Mitarbeiter von zu Hause. Kontrolle und Information der Mitarbeiter liegen in der Verantwortung der Referatsleiter, die mit E-Mails, Videokonferenzen usw. individuell dieser Aufgabe nachkommen. „Weil – besonders in Notfällen – nicht alle Anliegen der Bürger digital zu erledigen sind – ist von jedem Referat mindestens ein Mitarbeiter vor Ort, der mit FFP2-Maske und Abstand agieren kann, umreißt Schärfke die Rahmendbedingungen.

Die Bayer AG lässt wissen, dass der Konzern mit seinen internen Regelungen, etwa hinsichtlich der ergriffenen Hygiene-Maßnahmen oder beim Homeoffice, schon in früheren Phasen der Pandemie über die vom Gesetzgeber vorgegebenen oder vorgeschlagenen Maßnahmen hinaus ging, „so dass sich wegen der  jüngst beschlossenen Maßnahmen für Bayer kein zusätzlicher Handlungsbedarf ergibt“, so Markus Siebenmorgen aus der Firmenzentrale. Aktuell sind alle Bayer-Beschäftigten, die nicht zwingend zu ihrem Arbeitsplatz kommen müssen, aufgefordert, von zuhause aus zu arbeiten. Die Homeoffice-Quote bewegt sich damit für den Bayer-Konzern in Deutschland wieder auf dem Niveau des Frühjahrs 2020, als rund 12.000 Beschäftigte ins Homeoffice gewechselt waren. Das entspricht etwa 40 Prozent der Belegschaft. Allerdings: „Produktionsbetriebe und Forschungseinrichtungen sind unter erhöhten hygienischen Sicherheitsvorkehrungen weiterhin besetzt, denn dort werden teilweise lebenswichtige Medikamente hergestellt.“

Nicht ganz so entspannt wie öffentliche Verwaltungen oder Großkonzerne sehen Mittelständler die  Vorgaben. Der Verband der Familienunternehmer sieht in „den neuen Homeoffice-Auflagen, die eigentlich mobiles Arbeiten betreffen, eine weitere, sachlich nicht fundierte Maßnahme“. Fakt sei, dass dreiviertel der Familienunternehmen längst mobiles Arbeiten anbieten, und eine verbandsinterne Umfrage belege, dass 93 Prozent der Mitarbeiter, die sich mit „Corona“ krank gemeldet haben,  sich außerhalb ihres Betriebes infiziert haben, so Verbandspräsident Reinhold von Eben-Worlée.

Auch für Peter Backes, einen der Chefs der Langenfelder Druckerei Backes, ergeben sich aus der neuen Verordnung viele ungelöste Fragen. Wer entscheidet darüber, ob eine Tätigkeit für das Homeoffice geeignet ist? Kann eine solche Pflicht überhaupt administrativ durchgesetzt werden – flächendeckend? Greift die Pflicht auch, wenn der Mitarbeiter das nicht möchte? In der Praxis kann Backes zwar in der so genannten Druckvorstufe am PC von zu Hause aus arbeiten lassen, spätestens beim Aussuchen der Farbfächer, Papiersorten und Muster sei „händische Arbeit“ und ständige Abstimmung auch mit den Kunden unverzichtbar.

Bei Control Expert (CE), dem Unternehmen, dass sich weltweit mit der digitalen Erfassung von Fahrzeugschäden beschäftigt, arbeiten von 450 Arbeitnehmern bundesweit ohnehin 250 ständig im Homeoffice. Für sie  sei der häusliche Arbeitsplatz inzwischen fast „normal“, so Beatrix Paeßens, die Kommunikations-Verantwortliche. In der CE-Zentrale an der Marie-Curie-Straße in Langenfeld halten sich seit Beginn der Pandemie nur noch wenige Mitarbeiter in ihren Büroräumen auf.

Für ein Unternehmen wie Control Expert, das Digitalisierung geradezu als Geschäftsgrundlage nutzt, war diese neue Situation vergleichsweise gut zu bewältigen. „Die geschlossene Kantine war das größte Ärgernis“, sagt ein Betroffener. Schon seit Monaten geben die Geschäftsführer Dr. Andreas oder Nicolas Witte wöchentlich allen Mitarbeitern per Video einen „Corona-Report“, um den  Informationsfluss hoch zu halten. Mindestens einmal im Quartal ist eine ausführliche Video-Konferenz verbindlich, bei der im Dialog grundsätzliche Fragen vertieft werden können.