Langenfeld Monheim Europawahl

Europawahl lokal : Grüne euphorisch – SPD und CDU erschrocken

Der Langenfelder Moritz Körner (28) zieht ins EU-Parlament ein. Der NRW-Spitzenkandidat der FDP hat Platz vier auf der Bundesliste.

Moritz Körner (28) ist überglücklich. Der NRW-Spitzenkandidat der FDP ist der erste Langenfelder (nach dem dort geborenen, aber in Leichlingen aufgewachsenen Herbert Reul), der als Abgeordneter ins Europa-Parlament einzieht. „Am Montag packe ich meine Koffer. Am Dienstag werde ich schon in Brüssel sein“, sagt Körner. Erst im Mai 2017 war er als jüngster Landtagsabgeordneter in sein Düsseldorfer Büro eingezogen. Das Ergebnis der Europawahl am Sonntag feiert er  gemeinsam mit Parteifreunden in Berlin. Am Dienstag stehe die erste Delegationssitzung auf der Tagesordnung. Die Liberalen hätten jetzt insgesamt fast 100 Abgeordnete in Brüssel, man sei die drittstärkste Fraktion im EU-Parlament, sieht der Aufsteiger gute Chancen, wichtige Themen wie den Klimawandel, die Digitalisierung, die Sicherheit  oder Bürgerrechte voranzubringen. „Das sind Themen, die in Europa entschieden werden.“

Der Langenfelder FDP-Ratsherr Frank Noack strahlt über das ganze Gesicht. Er verfolgt die Stimmenauszählung im Rathaus am Konrad-Adenauer-Platz und freut sich unbändig mit Körner und über rund 8,3 Prozent für die Liberalen in Langenfeld.  Und Stephan Wiese (FDP Monheim) bekundet voller Optimismus, man wolle die Herausforderungen,  vor denen Europa stehe, im liberalen Bündnis in Brüssel gemeinsam mit dem frisch gewählten EU-Abgeordneten angehen.

Die eigentlichen Gewinner der Europawahl 2019 sind sowohl im Bund als auch in Langenfeld und Monheim die Grünen. Ratsfrau Beate Barabasch und ihr Kollege Franz Janssen (Langenfeld) sind „total geflasht“ und müssen dieses „ungewohnte Gefühl“ erst einmal verarbeiten. 24 Prozent und damit 14 Prozent Stimmenzuwäche gegenüber der EU-Wahl 2014 können sie verbuchen. „Unsere Ziele haben allgemein Wirkung entfacht“, sagen die Kommunal-Politiker der Grünen.

„Extrem erfreulich ist der Wahlausgang für uns“, kommentiert Manfred Poell (Grüne). „Wir haben in Monheim über 13 Prozentpunkte zugelegt.“ Davon erhofft er sich Aufwind für die Kommunalwahlen. „Die Wähler fühlen sich bei den Themen Klima und Umweltschutz bei uns einfach am besten aufgehoben.“

Wunden lecken bei den Volksparteien: Der Langenfelder Bürgermeister Frank Schneider (CDU) guckt auf die Ergebnisse der Auszählung und spricht Klartext, redet nichts schön. Er spricht für die CDU insgesamt von einem „katastrophalen Ergebnis“. Die Themen Klimaschutz und Umwelt seien „im Bund verschlafen worden“. Auch der Langenfelder CDU-Fraktionsvorsitzende Jürgen Brüne findet deutliche Worte. Die stärkste politische Kraft in der Stadt hat Verluste von rund zwölf Prozentpunkten eingefahren. Die Bürger unterschieden sehr genau zwischen Kommunal- und Europawahl. Glücklicherweise lägen die Ergebnisse der AfD in Langenfeld mit 7,5 Prozent  unter dem Bundestrend.

Alexander Schumacher (SPD, Monheim) spricht ebenfalls von einem „katastrophalen Ergebnis“ für seine Partei.  Der Trend sei deutlich. Trotz hoher Wahlbeteiligung hätten beide Volksparteien große Verluste zu verzeichnen. „Das lag auch an den Themen.“ Umwelt, Naturschutz und Klima hätten sich die Grünen auf ihre Fahnen geschrieben. Mit den sozialdemokratischen Anliegen wie beispielsweise Mindestlohn oder einem sozial gerechtes Europa habe man nicht punkten können. „Das kam auch in den Gesprächen an unseren Infoständen nicht so gut an“, räumte Schumacher ein. Dass die pro-europäischen Parteien weiter die Mehrheit haben und die rechten Vertreter unter ihren Zielen geblieben sind, versöhnt ihn dann doch ein wenig. Heike Lützenkirchen, SPD-Vize und Ratsfrau in Langenfeld, hat zwar „nicht damit gerechnet, dass wir große Zuwächse haben werden“, ist dann aber doch erschrocken, als sie auf der Leinwand die Hochrechnungen im Bund sieht. Und auch in Langenfeld büßt die SPD gegenüber 2014 rund zwölf Prozentpunkte ein (auf rund 15 Prozent).

Mehr von RP ONLINE