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Langenfeld/Monheim: Erste Lokale sind bereit für die Öffnung

Nach der corona-bedingten Zwangspause : Erste Lokale sind bereit für die Öffnung ab Montag

Nach dem Bund-Länder-Beschluss vom vergangenen Mittwoch dürfen in beiden Städten Restaurants und Cafés ab Montag, 11. Mai, wieder öffnen. Seit Wochen hatten die zur Zwangspause verdammten Gastwirte sehnsüchtig auf die erlösende Nachricht zum Ende des Lockdowns für ihre Branche gewartet.

Dass es jetzt so schnell geht, kommt indes überraschend: Ab Montag dürfen Restaurants und Cafés wieder öffnen – natürlich unter strengen Sicherheitsbestimmungen, Hygiene- und Abstandsregeln.

„Die erste Woche wird für uns alle eine Testphase“, sagt Anja Häuer. Den Lockdown hat die Betriebsleiterin des Café New York an der Hauptstraße in Langenfeld mit ihrem Team für eine Rundumerneuerung des Lokals genutzt. Nun musste es wieder umgebaut werden. „Jeder zweite, dritte Tisch muss raus, damit wir die Abstandsregel von zwei Metern einhalten können“, erklärt Häuer. „Das sieht optisch zwar nicht schön aus, aber immerhin können wir so wieder öffnen.“

 Bis er seinen „Spielmann“ in  Monheim öffnen darf, muss  Markus Preikschat  noch warten. Das Lokal ist ein reiner Schankbetrieb. 
Bis er seinen „Spielmann“ in  Monheim öffnen darf, muss  Markus Preikschat  noch warten. Das Lokal ist ein reiner Schankbetrieb.  Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

 Das erweiterte Hygienekonzept bedeutet  fürs Café New York, dass Gäste und Personal mit Mund-Nasen-Schutz im Restaurant zu sehen sein werden. Gäste dürfen natürlich am Tisch zum Essen und Trinken die Maske abziehen, müssen sie aber beim Gang zur Toilette aufsetzen, merkt Häuer an. Das beliebte Frühstücksbuffet falle weg, da Selbstbedienungsangebote derzeit nicht zulässig sind. „Wir werden zwar weiter Frühstück von der Karte anbieten, aber wenn das nicht angenommen wird, würden wir auch unsere Öffnungszeiten anpassen“, meint die Betriebsleiterin. Statt um 8 Uhr würde das Café dann eben erst zum Mittagsgeschäft öffnen.

Die sonst im Café New York übliche freie Platzwahl fällt Häuer zufolge ebenfalls weg, Gäste werden zu ihren Tischen begleitet. Ebenso werden Salz- und Pfeffermühlen von den Tischen verbannt: „Die hätten wir sonst, wie auch alle Tische und Karten, nach jedem Gast desinfizieren müssen, also haben wir uns jetzt Salz- und Pfefferpäckchen gekauft.“ Durch die Masken, bedauert Häuer, gehe ein Stück Persönlichkeit verloren. „Man sieht kein Lächeln mehr.“ Zur Sicherheit aller sind Spontanbesuche nicht möglich. „Gäste müssen vorher telefonisch bei uns reservieren. Sie werden dann einem Tisch zugeordnet.“ Kontaktdaten und Aufenthaltsdauer würden erfasst, die bei Bedarf, etwa bei einer später erkannten Infektion, dem zuständigen Ordnungsamt übermittelt werden könnten. „Es ist für alle eine Zerreißprobe, aber unser Team ist sehr motiviert. Alle freuen sich, wieder arbeiten zu können und für unsere Gäste da zu sein.“ Trotz des Abholservice seien die Einnahmeausfälle der vergangenen sieben Wochen durch die jetzige Öffnung unter keinen Umständen wieder gut zu machen. Sie könne aber vielleicht den tiefen Fall etwas abfedern. Keiner der 32 Mitarbeiter wurde entlassen, „das Jahr ist aber für uns gelaufen.“ Bei schönem Wetter boome gewöhnlich die Außengastronomie. Durch die Verringerung der Terrassenplätze von 150 auf nunmehr 40 werde der Umsatz überschaubar sein.

In Monheim empfindet Gastwirt Jan Lohrum vom Hotel-Restaurant „Zum Vater Rhein“ die Tage seit der Ankündigung als sehr chaotisch. „Wir bereiten uns zwar jetzt auf die Öffnung vor, aber was genau von uns erwartet wird, weiß ich tatsächlich nicht.“ Natürlich stelle auch er sein Restaurant um, nehme von jedem zweiten Tisch die Stühle weg und habe ein erweitertes Hygienekonzept vorliegen, dass unter anderem vorsieht, keine Garderobe mehr von Gästen anzunehmen, Getränke nur noch über ein Tablett dem Kunden zu reichen oder jede Stunde eine Desinfektion von Türgriffen und Treppenläufe zu dokumentieren. „Ob das allerdings reicht, weiß ich nicht. Wenn die Politik nächste Woche vorschreiben würde, zwischen den Tischen eine Acrylglaswand aufzustellen, dann müsste ich wohl wieder schließen.“

Gerne öffnen würde hingegen auch Markus Preikschat. Doch weil sei Monheimer Altstadtlokal „Spielmann“ ein reiner Schankbetrieb ist, bleibe ihm die Öffnung bislang noch verwehrt. „Natürlich hätte auch ich gerne aufgemacht, aber ich freue mich für die anderen.“ Ihm sei klar gewesen, dass Kneipen, Bars und Discos als letzte wieder geöffnet würden. „Ich denke, das wird jetzt im Zwei-Wochen-Rhythmus passieren. Es wäre schön, wenn wir dann im Juni dran wären.“ Vorbereitungen werde er derweil noch nicht treffen und erst mal die Kollegen beobachten.

Preikschat macht aber deutlich, dass die Öffnung unter den aktuellen Bedingungen nicht dabei helfe, das Kneipensterben zu verhindern. Es würde womöglich nur hinausgezögert. „Allen ist klar, dass es nicht so losgehen kann, wie es vor Corona war. Allerdings können wir von einer 20- bis 30-Prozent-Auslastung auch nicht leben, wenn Stromkosten, Miete und Versicherungen bei 100 Prozent bleiben.“ Auch deswegen hat Preikschat die Bewirtung der Drive-In-Konzerte in Monheim übernommen und mit einer netten Idee ein zweites Standbein geschaffen: Seit dem Lockdown bietet der Spielmann-Wirt nämlich Online-Tastings an. Mit seinen Industriepartnern stellt er Whisky, Bier oder Rumsets zusammen, die Interessierte in örtlichen Supermärkten kaufen können. Verkostet werden diese dann von zuhause aus, Preikschat schaltet sich jeden Freitag um 20.30 Uhr über den Facebook-Kanal der Spielmann-Seite live dazu und erklärt Wissenswertes zu den edlen Tropfen oder Gerstensäften. Rund 100 Sets habe er in den vergangenen Wochen verkauft, 300 bis 400 Leute schauten sich die Freitagsschalte an, hinzu kämen zahlreiche Clicks von jenen, die sich die Videos hinterher anschauen. „Das hat sich nett entwickelt und das werde ich auch nach Corona auf jeden Fall beibehalten.“