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Langenfeld/Monheim: Coronavirus bringt Hotels in Nöte

Vier Verdachtsfälle in Langenfeld : Coronavirus bringt Hotels in Nöte

Bislang sechs Erkrankte im Kreis Mettmann. Vier neue Verdachtsfälle in Langenfeld sind noch nicht bestätigt. Umfrage zur aktuellen Lage.

Insgesamt sechs Menschen im Kreis Mettmann sind bislang mit dem Coronavirus infiziert. Sie alle wohnen in Erkrath, teilte eine Kreissprecherin mit. Zu 17 weiteren Corona-Verdachtsfällen im Kreisgebiet, die indes noch nicht bestätigt seien, gehören auch vier aus Langenfeld. Unter anderem habe eine Langenfelderin an ihrem Arbeitsplatz in Düsseldorf Kontakt zu einer erkrankten Person gehabt und zeige Symptome. Nach einem Abstrich sei die Langenfelderin nun in häuslicher Quarantäne. Auch ohne bestätigten Corona-Fall sind im südlichen Kreisgebiet Auswirkungen in Wirtschaft und öffentlichem Leben spürbar.

Veranstaltungen In Langenfeld stehen in den nächsten Wochen und Monaten ein Frühlingsmarkt (28./29. März), der Ostermarkt in der Stadthalle (4./5. April)  und das Stadtfest der Vereine mit Kirmes (17. bis 20. April) an; in Monheim das Frühlingsfest am 26. April. Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn empfohlene Absage von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern war nach Angaben von Langenfelds Rathaussprecher Andreas Voss am Montag Thema in der städtischen Lenkungsgruppe  für außergewöhnliche Ereignisse. „Bislang ist keine Absage geplant.“ Die Lenkungsgruppe berate sich mit der Kreisverwaltung. „Sollten Veranstaltungen abgesagt werden, würde dies auch immer in Abstimmung mit den Veranstaltern geschehen.“

Hotels Dass in Düsseldorf und Köln wichtige Messen wegen des Coronavirus verschoben oder gar abgesagt wurden, trifft viele Hotels in der Region schwer. „Wir leben auf halber Strecke  von diesen großen Messen“, sagt Geschäftsführer Erol Birol vom Langenfelder Hotel Mondial. „Und 2020 sollte das Jahr der Messen sein.“ Das am Immigrather Platz gelegene Mondial habe schon etliche Stornierungen hinnehmen müssen. Mit Blick auf Terminverschiebungen gebe es Gutschriften. Aber auch unabhängig vom Messegeschäft verzeichnet das Mondial laut Birol erhebliche Einbußen, „weil Firmen Meetings und Geschäftsreisen absagen“. Auch mit großen Familienfeiern hielten sich die Leute aktuell zurück. „Wir sind wirklich ganz unten angelangt.“

Wirtschaftsunternehmen Das Monheimer Unternehmen Schukat electronic Vertriebs GmbH ist unmittelbar von der Corona-Krise in China betroffen. Elektronische Erzeugnisse und Ausrüstungen gehören zu den Hauptexportprodukten des Landes. „Die aktuelle Corona-Krise hat nicht nur Auswirkungen auf die Unternehmen, die Waren produzieren, sondern auch auf die Transportnetzwerke“, sagt Bert Schukat. Waren werden teilweise nicht versandt, die Ladung von Schiffen nicht gelöscht. Viele Flugverbindungen von und nach China sind gestrichen. „Immerhin werden auch 50 Prozent der Luftfracht über Linienflüge abgewickelt.“ Da das Monheimer Unternehmen schon seit 25 bis 30 Jahren Waren aus China beziehe und die alljährlichen Störungen im Warenverkehr durch das Neujahrsfest kenne, habe man sich angewöhnt, schon im September die Vorratshaltung für elektronische Bauteile und Komponenten aus China stark hochzufahren. „Zur Zeit haben wir daher genügend Vorräte“, so Schukat. „Aber für einzelne Kunden, die in der Regel große Mengen bestellen, könnte es ab  Juni enger werden“, erklärt Schukat.  Hier liefen aber bereits teils kostenintensive Maßnahmen zur Entspannung der Liefersituation. Gerade habe er auch die Teilnahme seines Unternehmens an der „embedded world“ in Nürnberg abgesagt, nachdem sich die Messehalle infolge der Ausstellerabsagen immer mehr leerte und auch seine Kunden sich zurückhaltend zeigten. „Kein Unternehmen in unserer Größe möchte riskieren, einen Corona-Fall in der Belegschaft zu haben und geschlossen zu werden“, sagt Schukat.

Auch beim Langenfelder Schuhhersteller Ara Shoes AG steht nach Angaben von Sprecherin Bettina Axning der Schutz vor dem Coronavirus an oberster Stelle.  Bereits seit einigen Wochen seien sämtliche Reisen von und nach China verboten. Da Ara dort keine eigene Produktionsstätte habe, sei das Langenfelder Unternehmen in seiner Lieferfähigkeit aktuell nicht nennenswert eingeschränkt. Neben Deutschland produziert Ara noch in Portugal und Rumänien. Die teils aus China bezogenen Einzelteile und Vorprodukte ließen sich auch in anderen Regionen beschaffen. Indes könnte laut Axning eine Entleerung vieler Innenstädte wegen Corona zu Umsatzeinbußen in Läden und somit auch für Ara führen.

Ecolab in Monheim stellt die Produkte her, die derzeit nicht nur in Krankenhäusern und Arztpraxen sondern auch in Privathaushalten sehr begehrt sind: Mittel für die Hand- , Flächen- und Instrumentendesinfektion. „Wir können bestätigen, dass die Nachfrage nach unseren Hygiene- und Infektionspräventionsprodukten zugenommen hat“, meint Sprecherin  Patricia d’Ham. Das Unternehmen nutze  alle Möglichkeiten, um auf die Nachfrage der Bestandskunden zu reagieren und deren Bedarf zu erfüllen.

Auf die Produktion der Bayer CropScience Deutschland GmbH in Monheim habe die Corona-Krise bisher keine Auswirkungen gehabt, teilt Sprecher Holger Elfes mit. Bisher habe man auch keine Messen abgesagt. Jedoch habe man überregionale interne oder externe Veranstaltungen  abgesagt oder verschoben, berichtet Elfes. Auch würden  anstehende Pressekonferenzen von CropScience Deutschland als Webcast durchgeführt. Für Mitte Juni 2020 seien die DLG-Feldtage anberaumt, die wichtigste Messe für das Unternehmen - hier gebe es bisher noch kein Absage.

Öffentlicher Nahverkehr Die Fahrt in zur Rushhour dicht besetzten Bussen haben viele Langenfelder und Monheimer bisher noch nicht als Gesundheitsrisiko ausgemacht. „Bisher merken wir keine Rückgänge bei den Fahrgastzahlen“, sagt Detlef Hövermann, Geschäftsführer der BSM (Bahnen der Stadt Monheim). Man habe die Mitarbeiter auf die hygienischen Verhaltensregeln aufmerksam gemacht, die Reinigung der Busse erfolge aber im ganz normalen Rhythmus. „Wir machen nicht jeden Tage eine Grundreinigung.“ Obwohl die Fahrer viele Kundenkontakte hätten, werden man sie nicht mit Mundschutz ausstatten. „Das wäre wohl das falsche Signal,“ sagt er.