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Langenfeld Monheim Corona Schule Lob für Lehrer, aber auch Probleme

Corona-Krise : Langenfeld/Monheim: Lob für die Lehrer, aber auch Probleme und Sorgen

Die Corona-Krise zwingt Lehrer, Schüler und Eltern zu Heimunterricht oder Home-Office. Hier sind weitere Stimmen zur Lage.

„Unterricht zu Hause läuft ,erstaunlich’ gut“ – unter dieser Überschrift haben wir einen Lagebricht gegeben. Hier sind weitere Stimmen zum Thema:

Anja G. Mutter, Otto-Hahn-Gymnasium/Winrich-von-Kniprode-Grundschule Monheim: „Die Umstellung war eine echte Herausforderung für die ganze Familie. Wir sind beide im Home-Office für eine Versicherung tätig und mein Mann hat sich ins Spielzimmer verzogen, weil er die ganze Zeit Videokonferenzen abhält und seine Ruhe braucht. Ich sitze am Esstisch und versuche mich auch auf meine Arbeit zu konzentrieren, was echt nicht einfach ist, denn meine Kinder kommen ständig an, um mich schulisch etwas zu fragen, wenn es online nicht richtig klappt oder sie Aufgaben wie Rechnen mit Primzahlen nicht verstehen. Aber ganz grundsätzlich läuft es gut, und ich kann das OHG und die Winrich-von-Kniprode-Schule nur loben. Die Lehrerschaft hat insgesamt sehr schnell eine immense Leistung für die Kinder digital hingelegt.

Für Paulina (8), die in die zweite Klasse geht, musste ich ein geschnürtes Lernpaket abholen. Das funktioniert toll und ich musste nicht mal etwas ausdrucken. Für Jarla wurde in der fünften Klasse auch alles drangesetzt, dass die Kinder Online-Unterricht haben und ansonsten alle Aufgaben per E-Mail erhalten. Das war für die Fünftklässler eine echte Herausforderung, aber sie schaffen es sehr gut bisher.“

Jarla (11), Schülerin aus Monheim: „Wir bekommen Mathematikunterricht per Videokonferenz, und die Masse an Matheaufgaben war echt viel. Außerdem musste ich online einen Vokabeltest schreiben und ein Kunstbild malen und es abfotografieren, um es per E-Mail zu verschicken, damit die Lehrerin es benoten kann. Das war komisch, aber so langsam habe ich mich dran gewöhnt, und es geht ganz gut.“ Nicht gewöhnen will sich Jarla jedoch daran, dass sie zurzeit keine Freundinnen sehen darf: „Jetzt muss ich die ganze Zeit mit meiner kleinen Schwester spielen.“

Sonja Patten, stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende des Konrad-Adenauer-Gymnasiums (KAG) Langenfeld: „Bei uns persönlich läuft alles super, da meine Töchter gut organisiert sind. Sie arbeiten rund drei Stunden täglich gezielt. Ich helfe mit, weil ich auch nicht arbeite. Ich habe aber gehört, dass es bei einigen zu wenige Aufgaben sind, die aufgegeben werden. Andere Klassen sagen wieder, dass es viel zu viel ist. Außerdem gab es Beschwerden aus einem Biologiekurs, weil online gestellte Aufgaben zwei Wochen lang allgemein unentdeckt blieben und entsprechend nicht gemacht wurden. Die Eltern und Schüler hatten nicht gewusst, wie und wo sie suchen sollten. Zum Glück konnte das Problem gelöst werden. Einige Eltern waren darüber wirklich sauer. Ein weiteres Problem ist, dass man viele Arbeitsblätter in der fünften Klasse ausdrucken muss. In den höheren Klassen muss man es am Handy, Tablet oder PC schreiben und hochladen. Das funktioniert ganz gut. Außerdem lobe ich die Musikschule, denn unser Musikschullehrer schickt uns regelmäßig Youtube-Videos, so dass wir damit Cello üben können.“

Thomas Jagieniak, Vorsitzender der Langenfelder Stadtschulpflegschaft weist darauf hin, dass manche Familien schlichtweg benachteiligt sind, was IT-Ausstattung, Homeoffice-Möglichkeit und Platz angeht: „Wir haben Grund zu der Annahme, dass es zunehmend Familien gibt, bei denen hinter verschlossenen Türen die Nerven langsam blank liegen, weil sie Konferenzen, Arbeiten und Kinderbetreuung und Versorgung gleichzeitig unter einen Hut bringen müssen und zudem mit Jobverlustangst und Geldknappheit zurechtkommen müssen. Besonders Alleinerziehende, die nicht gut ausgestattet sind und nicht in systemrelevanten Berufen arbeiten und auch kein Homeoffice machen können und auch keine Auszeit haben, weil ein Partner oder eine Partnerin fehlt.“ Aber Jagieniak vergisst auch nicht, sich im Namen der Elternvertreter bei „den Schulen und Lehrkräften zu bedanken, die sich unter diesen ungewohnten und schwierigen Bedingungen mit viel Einsatz bemühen, den Kontakt zu den Schülern zu halten, Geduld mit  den Kindern haben, denen Online-Lernen schwerfällt, und die die Fern-Aufgaben kreativ und mit Augenmaß stellen“.

Martina P., Mutter aus Langenfeld: „Ich bin seit kurzem in Kurzarbeit, und mein Mann ist jetzt der Grundversorger. Wir haben alle große Angst, was beruflich und wirtschaftlich noch passieren wird. Mit der Schule unserer drei Kinder, zwei davon besuchen die Prismaschule, läuft es ganz gut. Aber sie haben ganz schön viele Aufgaben und sitzen mindestens vier bis fünf Stunden pro Tag vor dem Computer.“

Oliver Zander, stellvertretender Pflegschaftsvorsitzender einer fünften Klasse in Langenfeld:

Zum Home-Office: „Ich stricke schon länger an einem Tag in der Woche die Arbeit um die Familie herum und nicht die Familie um die Arbeit. Was ich an einem Tag im Home-Office weggeschafft bekomme, das ist nicht selten mehr als im Büro, da es einfach ganz andere Möglichkeiten des ungestörten und konzentrierten Arbeitens offenbart. Das geht allerdings nur bei schulpflichtigen Kindern. Das Home-Office in Corona-Zeiten ist ein neues Thema und wird für viele Familien zu einer großen Bewährungsprobe. Es gibt vermutlich nur wenige Familien, die normalerweise so lange so viel Zeit auf engem Raum miteinander verbringen. Ich finde es aber auch schön zu sehen, dass man die Chance hat, als Familie zusammenzuwachsen, sich besser kennenzulernen, sich neue Dinge auszudenken und nicht von Termin zu Termin zu hetzen. Die jetzige Zeit offenbart ganz viele Möglichkeiten im beruflichen wie im privaten Bereich, es ist auch schön zu sehen, dass sie die Möglichkeit mal zusammen haben.“

Zum Heim-Unterricht: „Das Lernen zu Hause hat uns alle überrascht. Unsere Schule war meiner Meinung nach leider insgesamt nicht so gut vorbereitet. Es gibt zwar eine Internetplattform namens Moodle, auf die Schüler für ihre jeweiligen Kurse zugreifen können, aber eine Anzahl Kinder und Eltern insbesondere aus den fünften Klassen konnten das erst gar nicht. Ich habe den Eindruck, dass auch die Lehrer einen ganz unterschiedlichen Stand haben, was den Umgang mit digitalen Medien betrifft. Es gibt einige, die sind superfit, andere gar nicht. Viele sind sehr engagiert und dynamisch, andere fotografieren die Materialien ab und laden sie als Grafiken hoch. Ich glaube, dass keine einheitliche Vorgehensweise vorgegeben ist. Deswegen wissen die Lehrer manchmal vielleicht nicht, wie sie es machen sollen. Die Kinder erhalten auch unterschiedliche Dokumentarten, die sie dann entsprechend ausdrucken, online ausfüllen oder einscannen müssen, um sie zurückzusenden. Damit kennen sich nicht alle aus. Ich kann es nur aus der fünften Klasse unseres Jüngsten sagen: Da sind es wenige Familien, die damit Probleme haben. Wenn die Ausrüstung aber nicht da ist, dann ist es nicht fair von der Verteilung her. Wenn es Familien gibt, die unvorbereitet getroffen sind ohne Internetzugang, das geht nicht, da sollte es Beratungsteams und Hilfe geben, die man anrufen darf, was an unserer Schule auch der Fall ist. Auch viele Lehrer haben sich immer wieder bereiterklärt, Hilfe zu leisten. Corona ist auch eine Chance, mal in die Puschen zu kommen, was den Ausbau der IT-Technik an Schulen angeht.“

Zur Ausstattung: „Wir haben Gott sei Dank einen zweiten Laptop und PC aus der Firma. Das ist aber nicht bei allen so. Viele teilen sich einen PC im Home-Office, wie ich hörte. Da müssen dann die Eltern und zwei oder mehr Kinder online gehen und die Arbeiten koordinieren. Das Internet ist oft langsam, da es überlastet ist. Wir haben gesagt, wir helfen als Elternvertreter den Eltern weiter, die nicht weiterkommen oder keinen PC oder Internet-Zugang haben.“