Langenfeld: „Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Handel“ des Bundeswirtschaftsministeriums.

Langenfeld : Langenfeld wird Vorzeigestadt im Handel

Als eine Modellstadt für zukunftsfähigen Einzelhandel hat das Bundeswirtschaftsministerium Langenfeld auserkoren.

Was Bürgermeister Frank Schneider in seiner Neujahrsansprache schon zart angedeutet hatte, ist laut Citymanager Jan Christoph Zimmermann seit diesem Monat unter Dach und Fach. Gemeinsam mit vier Projektpartnern (siehe Infobox) gehört Langenfeld dem vom Ministerium initiierten „Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Handel“ (MKH) an. „Das ist gut für das Image der Stadt und bringt auch dem Langenfelder Einzelhandel und dessen Kunden viel“, sagt Citymanager Zimmermann. 250.000 Euro stecke der Bund in dieses vorerst auf drei Jahre befristete MKH.

Dessen Geschäftsführer ist Frank Rehme, der in Langenfeld in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam mit Stadtverwaltung und ansässigen Geschäftsleuten die Initiative „Future City“ angestoßen hatte. Zwei bislang greifbare Ergebnisse dieser Initiative: Erstens der so genannte Stadtschlüssel, mit dem laut Zimmermann bislang etwa 4000 Langenfelder Geld sparen, wenn sie den Chip bei bislang rund 35 angeschlossenen Läden, Gaststätten und Dienstleistern einsetzen. Und zweitens der „White Box“ genannte Schauraum im Marktkarree, in dem Händler neue Technologien und Ladenkonzepte testen können.

Nach Rehmes Worten haben diese und andere Future-City-Aktivitäten Langenfelds solche Strahlkraft, dass das Bundeswirtschaftsministerium die Stadt nun in das MKH einbezieht. Aus lokaler Sicht seien damit vier Vorhaben zur Stärkung der örtlichen Läden und des Wirtschaftsstandorts Langenfeld verbunden:

White Box Die Fördermittel des Landes NRW hierfür laufen laut Zimmermann im September aus. Dank des MKH werde dieser gerade innerhalb des Marktkarrees umgezogene Schauraum mit Geld aus Berlin weitergeführt. „Dorthin gibt es dann deutschlandweit immer wieder Live-Schaltungen“, kündigt Rehme an. Über ein hierzu eingesetztes Fahrzeug könnten dann beispielsweise Teilnehmer eines IHK-Treffens in Hamburg einen virtuellen Rundgang durch die White Box und die dort präsentierten Ladenkonzepte unternehmen, sich außerdem direkt Fragen hierzu beantworten lassen. Bei der Premiere am 7. Oktober werde Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier an dieser Live-Schalte teilnehmen.

Digitalisierung Langenfelder Läden „Wir wollen vor allem den inhabergeführten kleinen Läden moderne Technologien zeigen, die sie für sich anwenden können“, sagt Rehme. Warenwirtschafts- und Kassensysteme, Vernetzung und Werbung auf Onlineplattformen, Kundenansprache, moderne Warenpräsentation und Beleuchtung...– Digitalisierung bringe auch und gerade die kleinen Läden voran. „Das ist alles keine Raketentechnologie, sondern leicht anwendbar.“ Laut Zimmermann werden hierfür Pilotläden ausgesucht.

Augmented Reality (AR; wörtlich übersetzt: erweiterte Realität) Die virtuelle Darstellung mit 360-Grad-Rundblicken wird laut Rehme im Handel in den kommenden Jahren rapide zunehmen. Die Langenfelder Firma „7th Space“ ist auf diese Technik spezialisiert und treibt die Entwicklung mit Partnern in der White Box voran. Über das MKH können Neuerungen laut Zimmermann in Langenfeld positioniert und ausprobiert werden. So ermögliche ein hiesiges Bauunternehmen virtuelle Rundgänge durch geplante Wohnhäuser, bei denen potenzielle Kunden etwa verschiedene Bodenbeläge oder Tapeten eines örtlichen Baumarkts für die Räume virtuell auswählen und bei Gefallen später dort auch kaufen können.

 In der „White Box“ können Händler moderne Technik anschauen und testen. Foto: Rheinische Post/Stephan Meisel (mei)

Einkaufserlebnis Über das MKH sollen Experten als Berater von Langenfelder Ladeninhabern deren Geschäftsmodelle ganz konkret so weiterentwickeln, dass diese Läden für Kunden attraktiver werden. „Es geht um Aufmerksamkeit, Sortimente, Warenpräsentation und vieles mehr“, sagt Rehme. Noch in diesem Jahr solle dieser vierte Baustein des MKH in drei Läden starten, die gerade ausgesucht würden. „Wir denken an einen kleinen Lebensmittelmarkt, ein Bekleidungsgeschäft und einen Baumarkt.“ Letzterer könne etwa Deko-Elemente und Wohnaccessoires aus seinem Sortiment am Stadtrand zusätzlich in einem kleineren Laden in der City anbieten. Die großen Filialisten seien zwar die Kundenmagneten, doch die Attraktivität der Shopping-Mitte machen nach Zimmermanns Worten „die inhabergeführten Läden mit ihren besonderen Angeboten aus“.

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