Stadtteil-Porträt (Folge 7): Langenfeld-Mitte: Ursprung der Entwicklung

Stadtteil-Porträt (Folge 7) : Langenfeld-Mitte: Ursprung der Entwicklung

Die Kreuzung Haupt-/Düsseldorfer Straße war schon vor Jahrhunderten ein wichtiger Knotenpunkt. 1774 wurde eine Posthalterei errichtet.

Der Ortsteil hat weder Rathaus noch Marktplatz vorzuweisen. Dennoch heißt er protzig "Langenfeld-Mitte". Seit den 1970er-Jahren und vor allem mit dem Umbau der City ab der Jahrtausendwende hat sich das eigentliche Stadtzentrum nordwärts auf Immigrather Gemarkung verschoben.

Bei seinen Verzällchentouren zeigt Manfred Stuckmann den Teilnehmern mit Bildern, wie Langenfeld-Mitte früher aussah. Freude macht ihm dieses in der Nähe des Gerichts an der Hauptstraße gelegene und im historischen Zustand erhaltene Haus, in dem einst eine Zigarrenwickelei und Kaffeerösterei war. Foto: Matzerath

So scheint die Namensbezeichnung dieses Ortsteils aufgrund seiner heutigen City-Randlage danebenzuliegen. Begründet ist sie indes aus historischer Sicht: "Hier ist der Ursprung von Langenfelds Stadtentwicklung", sagt Ehrenbürger Manfred Stuckmann (74), als er mit der RP über Hauptstraße und Berliner Platz bummelt.

Nur der nördliche und somit citynahe Abschnitt der Hauptstraße wurde verkehrsberuhigt und gestalterisch aufgewertet. Foto: rm-

"An dieser Stelle kreuzten sich bereits um das Jahr 1000 bedeutende Verkehrswege." Und 1774 setzten die Fürsten von Thurn und Taxis an diesen wichtigen Knotenpunkt der Köln-Arnheimer und der Elberfeld-Hitdorfer Chaussee eine Posthalterei, die in ihrer Blütezeit Mitte des 19. Jahrhunderts über 24 Postillione, 90 Pferde und 22 Kutschen verfügte.

Der seit Jahrzehnten als Multifunktionär im Vereinswesen aktive Ex-Stadtrat Stuckmann hat über sein Viertel viel zu erzählen. Regelmäßig gibt er sein heimatgeschichtliches Wissen nebst unterhaltsamen Anekdötchen bei seinen über den Museumsverein angebotenen Verzällchen-Touren an Neubürger oder auch alteingesessene Langenfelder weiter. Dabei zeigt er in einer Bildermappe, wie schmuck der südliche Abschnitt der Hauptstraße um das heutige Amtsgericht zu Beginn des vorigen Jahrhunderts aussah.

"Leider wurde hier manches verschlimmschönert", bedauert Stuckmann. Anklagend deutet er auf eines der um 1900 erbauten Stadthäuser, das irgendwann eine hässliche Fassadenverkleidung verpasst bekommen hatte. Ein Lichtblick mit schmuckvollen Stuckarbeiten steht indes gleich schräg gegenüber. "Ich freue mich über jedes dieser im Originalzustand erhaltenen alten Häuser", sagt der 74-Jährige und weiß zu berichten: "Hier drin war früher die Zigarrenwickelei und Kaffeerösterei von Ewald Paas."

In dem alten Gebäude direkt daneben befand sich seinerzeit die Gastwirtschaft Hülstrunk mit Saal. Und auf dem benachbarten Eckgrundstück an der einmündenden Galkhausener Straße, auf dem in Kürze eine Stadtvilla mit elf luxuriösen Eigentumswohnungen errichtet wird, stand das Capitol-Kino. Auch das ist Geschichte: "Fast jeder, der in diesem Viertel wohnte, war bei der Weberei ,Becker und Bernhard' beschäftigt." Deren Backstein-Fabrikhallen sind noch erhalten und werden von verschiedenen Firmen oder als Veranstaltungssaal genutzt.

Mit der stadtgeschichtlichen Brille auf der Nase wird der Name Langenfeld-Mitte auch anderweitig untermauert: Im 1790 errichteten Gebäude des gerade geschlossenen Edelrestaurants Krügers war ab 1806 das erste Rathaus der in Napoleonischer Zeit zusammengelegten Munizipalverwaltung Richrath-Monheim. Gleich um die Ecke wurde 1887 ein neues Rathaus errichtet; auf dem heutigen Gerichtsgrundstück an der Hauptstraße. Bis zur Eröffnung des jetzigen Rathauses am Immigrather Dreieck 1977 war darin die Stadtverwaltung untergebracht. Es ist ebenso Geschichte wie das 1912 an der Hauptstraße erbaute und 1968 abgerissene Hallenbad.

Klar ist: Die mit Fußgängerzone und Einkaufsgalerien nach Immigrath verlagerte City hat die Läden entlang der Hauptstraße vor allem in deren südlichem Abschnitt in den Schatten gestellt. Gleichwohl hält der am Christ-König-Weg wohnende Stuckmann die Fahne von Langenfeld-Mitte und dessen Status hoch: "Das ist kein Wohngebiet zweiter Klasse, sondern ein voll funktionsfähiger Stadtteil. Neben den Läden und Banken an der Hauptstraße gehören dazu Real, die großen Discounter und Fachmärkte. Mit vielen gebührenfreien Parkplätzen." Wichtig sei es, auch den südlichen Abschnitt der Hauptstraße gestalterisch aufzuwerten.

Auch vier Schulen, Kulturzentrum, Freiherr-vom-Stein-Haus, Rex-Kino und Jugendzentrum gehören zu Langenfeld-Mitte — ganz zu schweigen von S-Bahnhof und Golfplatz, Gericht und städtischem Betriebshof sowie vielen schmucken Wohnhäusern nahe der Bahnstrecke oder im weiten Gebiet östlich der Hauptstraße. Stuckmann: "Wegen seiner schönen Gärten hieß die Gegend um die Talstraße früher im Volksmund ,Rosenstädtchen'." Zudem bedeutet die Einwohnerzahl von 10 850 immerhin Rang drei unter den sechs Stadtteilen.

Einer dieser 10 850 Mitte-Bewohner ist Andreas Voss (40). Der Rathaus-Pressesprecher ist am Berliner Platz aufgewachsen, hat an seine Kinder- und Jugendzeit dort beste Erinnerungen. "Mit meinen Freunden war ich immer gerne draußen. Der Volksgarten war damals viel dichter und uns allen nicht ganz geheuer. Da haben wir lieber auf dem Berliner Platz gekickt. Der Sockel mit dem Bär war dann das Tor." Wo heute Matratzen feilgeboten werden, war damals ein kleiner Spar-Supermarkt. "Das war ein richtiger Tante-Emma-Laden, in dem ich mein Taschengeld für Süßigkeiten und Fußball-Bildchen ausgegeben habe."

Nicht nur dieser Laden ist weg, sondern auch der Brunnen mit den Platten, an dem die Kinder so gerne plantschten und sich gegenseitig mit Wasser bespritzten. Für den zweifachen Familienvater Voss gibt es dennoch genügend Gründe, sich in Langenfeld-Mitte mit dem urbanen Umfeld wohlzufühlen. "Ich hatte in Langenfeld schon sechs verschiedene Wohnsitze. Der vom Berliner Platz am weitesten entfernte war an der Metzmacherstraße."

(RP)