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Langenfeld: Malerin Jiny Lan spielt mit Kontrasten

Langenfeld : Malerin Jiny Lan spielt mit Kontrasten

50-jährige Deutsch-Chinesin stellt in der Langenfelder Wasserburg Haus Graven 39 Werke aus. Die Ausstellung mit dem Titel „Prospektiv“ läuft bis zum 13. September.

Zwei Monate später als vorgesehen ist in der Wasserburg Haus Graven die Ausstellung „Prospektiv“ eröffnet worden. Die deutsch-chinesische Künstlerin Jiny Lang zeigt bis zum 13. September 39 Gemälde, die ein Stück ihrer Lebensgeschichte und Weltansichten vermitteln.

Grüne Farbkleckse, aus denen Leben entsteht und aus denen sich Szenen entwickeln; Schrauben, an denen die Weltgeschichte und Evolution der Menschheit weitergedreht wird und gelbe Stiefel, das Erkennungszeichen der in Düsseldorf schaffenden Künstlerin Jiny Lan. Eines oder gleich mehrere dieser drei Elemente finden sich immer wieder in Lans Ölgemälden.

Ihre Art und Weise, Vergangenheit und Zukunft ineinander verschmelzen zu lassen, ist typisch für die Schaffensweise der 50-Jährigen. Und die Ergebnisse wecken, aufgrund der außergewöhnlichen Komposition und Technik, die Neugier des Betrachters.

So findet sich im roten Saal von Haus Graven unter dem Titel „Miami Goodness“ eine schillernde Diva auf einer großformatigen Leinwand. Ähnlich einer Lady Gaga stolziert sie daher, mit einer dunklen Sonnenbrille auf der Nase. Unter ihrem Mantel verstecken sich ein Äffchen und ein Schwein. Kritik an der oberflächlichen Gesellschaft? Das Werk „Votre Dame“ zeigt im Kontrast dazu eine dunkle Szenerie: Es erinnert an die vom Brand zerfressene und mit Ruß bedeckte Pariser Kathedrale, unter deren Kuppel sich eine Frau, wie im Strandurlaub im Bikini räkelt. Eine zerfallene Notre Dame als billige Touristen-Attraktion?

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Im Obergeschoss der Wasserburg wird es persönlicher und ein wenig futuristischer, „prospektiv“ halt. Der Betrachter segelt mit auf der Welle der Gedanken, die Lan umtreiben. Eine auf den ersten Blick hügelige Landschaft entpuppt sich als Zusammensetzung hunderter erhobener Daumen. Der Titel des Werkes: „Like“. Das einzige, worauf unsere Gesellschaft noch zu achten scheint – die Anerkennung über die sozialen Netzwerke?

Dabei gibt es viel zu entdecken, scheint uns die Künstlerin etwa mit ihrer „Jinology“ sagen zu wollen. Hierbei handelt es sich um eine Reihe von grünen Porträts auf schwarzen Grund von weiblichen Vorreiterinnen. Zu sehen sind darauf etwa die japanische Künstlerin, Friedens- und Menschenrechtsaktivistin Yoko Ono, die US-amerikanischen Malerinnen Georgia O’Keeffe und Mary Cassatt, sowie die beiden deutschen Künstlerinnen Käthe Kollwitz und Paula Modersohn-Becker. Gemeinsam haben diese Frauen, dass sie die Rolle der Frau in der Kunst in ihrer jeweiligen Schaffensphase geprägt haben. Frühe Feministinnen und Künstlerinnen, in deren Werke ihre persönliche Entwicklung festgehalten ist. Auch Jiny Lan, die im Mai 50 Jahre alt geworden ist, hält sich und ihre Evolution in ihren Werken fest, malt sich selbst, unbekleidet, nur mit ihren gelben Stiefeln an den Füßen, und an Schrauben drehend, etwa vor der Kulisse des  des Centre Pompidou in Paris. Sie ist nicht nur Analystin der Vergangenheit und Beobachterin der Gegenwart, sondern auch Gestalterin der Zukunft. Das zeigt sie mitunter auch in einem rotierenden Werk, in dem sie sich gemeinsam mit Georg Baselitz abgebildet hat, und in dem sie – wieder an einer Schraube drehend – dessen Kunst und Ansichten, vor allem die Äußerung „Frauen könnten nicht malen“, buchstäblich und zurecht auf den Kopf stellt. Denn Jiny Lan kann‘s.