Langenfeld Luther-Kirche feiert Jubiläum und Reformation

Langenfeld Kirchenjubiläum : Luther-Kirche feiert Jubiläum und Reformation

Seit 225 Jahren gibt es die Martin-Luther-Kirche. Das wird am Reformationstag, also am Donnerstag, 31.Oktober, ab 16 Uhr gefeiert.

Im Jahr 1791 hat das Presbyterium der lutherischen Gemeinde Reusrath beschlossen, eine Kirche zu bauen. „Von 1792 bis 1794 haben die Arbeiten gedauert“, berichtet Pfarrer Christof Bleckmann aus der Geschichte seiner Gemeinde. Für das Mauerwerk etwa seien 120.000 Lehmziegel vor Ort gebrannt worden. Gemeindemitglieder hätten das Fundament mit Feldsteinen selbst gelegt. Örtliche Baumeister und Ziegler, Schmiede und Schreiner vollendeten das Werk. „Pfarrer war damals Johann Bertram Hundhausen. Er hat mit Kollektenreisen einen Teil der Geldmittel beschafft“, so Bleckmann. Der Landadlige Freiherr von Bottlenberg-Kessel, der an der Kirche eine Familiengruft hatte, habe ebenfalls bei der Finanzierung geholfen. So entstand eine schlichte klassizistische Kirche, aus damaliger Sicht ganz modern mit Säulen und Verzierungen, die an die Antike erinnern.

Die Gemeinde verschuldete sich damit schwer, obwohl die Ausstattung keinen Prunk enthielt. Der erste Gottesdienst fand am Erntedanksonntag 1794 statt. Das Einzugsgebiet reichte damals von Wiescheid bis Monheim.

Die markante Orgel der Kirche wurde erst 1803 eingebaut. Sie stammt aus dem aufgelösten Zisterzienserinnen-Kloster Mariengarten in Köln und musste für die kleine Reusrather Kirche mit der Säge drastisch verkleinert werden. Für ihre Finanzierung spendeten auch Katholiken aus Reusrath Geld.

Ihren charakteristischen Zwiebelturm erhielt die Kirche vor 150 Jahren: 1869 hatte ein heftiger Sturm den Dachreiter herabstürzen lassen. Die Gemeindechronik berichtet weiter, dass Pfarrer Hundhausens Nachfolger sein Sohn Carl Ludwig war. Es wird erzählt, dass dessen Hund einmal verdächtigt wurde, ein Huhn vom katholischen Pfarrer gestohlen zu haben. Darüber stritten sich zuerst die Pfarrer, dann auch die Gemeindemitglieder, bis sie sich eine richtige Schlägerei geliefert hatten – mit Holzknüppeln bewaffnet. Die Apotheke in Opladen – so heißt es – habe am nächsten Tag ungewöhnlich viel Pflaster und Verbandszeug verkauft.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche mehrmals renoviert. Ihren Namen trägt die Martin-Luther-Kirche seit 1983, dem 500. Geburtstag Luthers. Das heutige Kircheninnere wurde 1994 gestaltet. Seit wenigen Wochen gibt es ein neues Altarparament – sozusagen ein Jubiläumsgeschenk aus der Kaiserswerther Werkstatt für die 225 Jahre alte Kirche. Die Glocken sind übrigens die ältesten auf Langenfelder Gebiet, heißt es auf der Homepage der Gemeinde. Grabsteine an der Außenmauer der Kirche erinnern an historische Persönlichkeiten aus der Gemeindegeschichte.

Die evangelische Kirchengemeinde Langenfeld feiert das Jubiläum am Reformationstag, 31. Oktober. Um 16 Uhr gibt es im Gemeindehaus vier Theaterszenen zu sehen, in denen Kinder historische Personen der Bauzeit darstellen: Pastor Johannes Löh, Handwerker, Pfarrer Hundhausen, den Freiherrn, Napoleon und weitere Menschen der damaligen Zeit.

Im Reformationsgottesdienst um 18 Uhr in der Martin-Luther-Kirche werden zwei Szenen wiederholt und bei dem öffentlichen Empfang ab 19 Uhr im Gemeindehaus die anderen beiden Szenen. Es gibt Getränke und Kleinigkeiten zu essen.

 Zum Jubiläum werden auch besondere Souvenirs angeboten: Christbaumkugeln mit einer feinen Zeichnung der Martin-Luther-Kirche und ein süßes Gebäck, das aussieht wie das florale Schnitzwerk aus dem Inneren der Kirche.

 An der Martin-Luther-Kirche tut heute das Pfarrerehepaar Annegret Duffe und Christof Bleckmann seinen Dienst. Im Team mit Vikar Dominik Pioch, Kantorin Ute Grapentin und vielen Ehrenamtlichen ist ein Gemeindeleben gewachsen, das für Kinder, Jugendliche, Menschen mit Behinderung und Erwachsene viele Angebote bereithält. Es gibt Pfadfinder, eine Zwar-Gruppe und den I-Punkt-Senioren. Kirchen-, Gospel- und Männerchor gestalten Gottesdienste, die sonntags um 11 Uhr gefeiert werden. Besondere Gottesdienste gibt es für die Virneburg- und die Peter-Härtling-Sschule, für Familien, Brautleute und Trauernde.

Das neue Parament ist ein Geschenk an die Kirche. Foto: RP/Kirchengemeinde
Diese Ansicht zeigt die Martin-Luther-Kirche mit dem alten  Pfarrhaus an der Trompeter Straße in Reusrath. Foto: RP/Kirchengemeinde
Die Christbaumkugeln können als Andenken erworben werden. Foto: RP/Kirchengemeinde

Martin-Luther-Kirche und Evangelisches Gemeindehaus Reusrath, Trompeter Straße 36-42

Mehr von RP ONLINE