Langenfeld: Lkw-Fahrtraining und Lärm entnervt Anwohner 

Langenfeld: Lkw-Fahrtraining entnervt Anwohner 

Nachbarn des Gewerbegebiets nahe der LVR-Klinik beklagen Lärm. Auch viele auswärtige Fahrschulen üben dort.

Christine und Joachim H. wohnen seit 35 Jahren im Erdgeschoss eines Hauses an der Kölner Straße. Beide arbeiten in der Krankenpflege der nahen LVR-Klinik. Nach stressigem Arbeitstag fanden sie oft Entspannung im Garten. Jedenfalls so lange, bis die Straßen im unmittelbar angrenzenden Gewerbegebiet Reusrath Nord-West fertig waren. Seither ist es mit der Ruhe vorbei. Fahrschulen von Hilden bis Leverkusen haben das Gelände als Verkehrsübungsplatz entdeckt.

Die ersten Firmengebäude auf dem rund acht Hektar großen Gelände entstanden seit Anfang 2016. Weil die städtischen Wirtschaftsförderer aber auf in Bezug auf Arbeitsplätze und Steuerzahlungen „lohnende“ Ansiedlungen warten, gibt es viele freie Grundstücke. Und dazwischen ungenutzte Straßen, größtenteils mit Parkstreifen.

„Dass hier ein Gewerbegebiet gebaut wird, damit mussten wir rechnen“, sagt Christine H. Aber die Nebenwirkungen verleiden ihr den Aufenthalt im Freien „Stundenlanger Lärm durch übende Lastwagen- und Motorradfahrschüler. Dazu kommen übernachtende Lkw-Fahrer und deren nachts unregelmäßig anspringende Kühlaggregate.“

Tagsüber empfinden die Anwohner den Lärm oft als unerträglich. „Die Motorräder oder die Sensoren der rückwärts-mit-Anhänger-um-die-Kurve-Fahren übenden Lkw-Fahrschüler hören wir manchmal stundenlang“, betont Ehemann Joachim. Oft übten gleichzeitig sogar mehrere Lkw oder Busse.

Seit 2016 bittet Familie H. nach eigenen Angaben die Langenfelder Stadtverwaltung um Abhilfe. Mit mäßigem Erfolg. Es gibt Hinweisschilder, dass die Parkstreifen an der Robert-Koch-Straße teilweise nur von Pkw genutzt werden dürfen. Das städtische Ordnungsamt kontrolliert nach eigenen Angaben und habe zudem die Fahrschulen schriftlich sowie mündlich um Verständnis für die Belange der Anwohner gebeten.

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Martin Mainczyk von der Fahrschule Westermann aus Leverkusen bemüht sich nach Gesprächen mit Christine H., dass seine Schüler auf den entfernteren Straßenteilen üben und die Mittagsruhe einhalten. Zudem klebt er die piepsenden Sensoren ab.

Bürgermeister Frank Schneider hat freilich den Anwohnern schriftlich mitgeteilt, dass „dort Fahrübungen wie im gesamten öffentlichen Verkehrsraum im Rahmen des regulären Fahrunterrichts zulässig sind“. Verboten sei nur eine Sondernutzung, wie etwa das Slalomfahren um die 15 Zentimeter hohen Hütchen, das Motorradfahrer dort stundenlang üben.

Stephan Kogelbauer, ein Langenfelder Fahrlehrer, räumt ein, dass er dort sogar die amtlichen Prüfungen (mit Hütchen-Slalom) abhält. Kogelbauer stört vor allem, dass auswärtige Kollegen den Platz nutzen und beklagt die Zerstörung der Bordsteinkanten durch die Lkw.

Der Schlusssatz im amtlichen Schreiben lässt Christine H. wenig Hoffnung: „Eine Lösung des Problems wird sich erst ergeben, wenn dort alle Flächen besiedelt und damit für die Fahrschulen uninteressant sind.“

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