Langenfeld Lange Wartelisten beim Bauverein

Gute Kennziffern : Zum 100-Jährigen: Lange Wartelisten beim Bauverein

Genossenschaftschef Dedeck zieht bei der Mitgliederversammlung eine positive Bilanz – und hängt noch mal zwei Jahre dran.

Die 105. Mitgliederversammlung des Bauvereins Langenfeld (BVL) am Mittwochabend war eine besondere: Es ist die zum 100-jährigen Bestehen der Genossenschaft. Am Ziel hat sich seit der Gründung nichts geändert: Bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Mehr als 2000 Menschen wohnen in den 944 Wohnungen des Bauvereins. Sie sind auf 170 Häuser verteilt. Je nach Ausstattung und Lage bezahlen sie zwischen 4,50 und 7,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Vorstandschef Hubertus Dedeck, der eigentlich seinen Abschied nehmen wollte, bleibt nun weitere zwei Jahre im Amt. Das beschloss der Aufsichtsrat einstimmig, ebenso wie er Rolf Gassen als Aufsichtsratsvorsitzenden im Amt bestätigte.

Dedeck erläuterte zur Mitgliederversammlung die Kennziffern. Die Bilanzsumme beträgt  42,9 Millionen Euro, der Jahresüberschuss 229.000 Euro. Der Bilanzgewinn liegt bei 427 000 Euro. Der Vorsitzende sowie der gesamte Vorstand sind zufrieden mit diesem Ergebnis. Leider ist die Liste der Wohnungssuchenden lang. „Besonders jene mit geringer Rente suchen kostengünstige, barrierefreie Zwei- bis Drei-Raum-Wohnungen mit Aufzug und zentrumsnah“, sagt Alina Stoll von der Wohnungsverwaltung. Auch Dedeck weiß: „Wer einmal günstigen Wohnraum hat, der zieht so schnell nicht wieder aus.“ Die Zahl der Kündigungen sinkt stetig und liegt derzeit bei etwas über fünf Prozent. Leerstand gibt es beim Bauverein nicht.

Dennoch empfiehlt Alina Stoll dringend, sich möglichst früh auf die Warteliste setzten zu lassen, wenn man auf der Suche ist. „Wenn Bewohner sterben, kann das manchmal ganz schnell gehen“, sagt sie. Zuerst muss man allerdings Mitglied im Verein werden und Anteile kaufen. Das Stück kostet 410 Euro. Wer das Geld dafür nicht aufbringen kann, kann ein Darlehen von der Stadt bekommen.

Ein kleinerer Teil der Bauvereinshäuser, wie an der Richrather Straße, stammt aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts und steht unter Denkmalschutz. Der größte Teil wurde 1950 bis 1960 gebaut. Allein im vergangenen Jahr ließ sich der Bauverein die Instandhaltung seiner Gebäude 980.000 Euro kosten. In den vergangenen elf Jahren flossen über 16 Millionen in die Restaurierung der in die Jahre gekommenen Mietwohnungsbauten. So wurden 2018 erstmals Dachgeschosse nach modernen Grundrissen ausgebaut. An der Königsberger Straße entstehen ab 2020 im ersten Bauabschnitt 40 Wohnungen inklusive Raum für eine Demenzwohngruppe, erläutert Dedeck.

Einziger Wermutstropfen zum 100. Geburtstag ist die Entwicklung eines  Neubaugebiets an der Martinstraße/Steinrausch. Vier Häuser mit 36 Wohnungen seien dort ursprünglich geplant gewesen, alle öffentlich gefördert, sagt Dedeck. Seit 2016 seien die Pläne von der Stadt Langenfeld kontinuierlich auf zwei Häuser mit zwölf öffentlich geförderten Wohnungen abgespeckt worden. „Wir haben unsere Planungskosten in den Sand gesetzt. Für uns ist dieses Projekt nicht mehr rentabel“, seufzt Dedeck.

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