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Langenfeld Künstler schauen in die Schatten einer Zeit

Neue Schau im Stadtmuseum Langenfeld : Künstler schauen in die Schatten einer Zeit

Im Langenfelder Stadtmuseum ist Teil 2 der Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ zu sehen, erneut unterstützt vom Kunstsammler Frank Brabant.

Wer die aktuelle Ausstellung im Stadtmuseum Langenfeld durchwandert, wird von überzeichneten, bis zur Karikatur reichenden Portraits, von schonungsloser Darstellung von Gewalt, wie beispielsweise einem Lustmord, bis hin zu verstörenden Werken, wie den drei Soldaten von George Grosz, einem Bild das er unglaublicherweise für ein Kinderbuch gemalt hat, konfrontiert.

„Es sind keine schönen Bilder“, sagt der Wiesbadener Kunstsammler Frank Brabant, der die 60 Bilder für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt hat. Unter dem treffenden Titel „Mit kritischem Blick – Die Neue Sachlichkeit der 20er Jahre – Verismus“ ist diese Ausstellung der zweite Teil, der erste Teil – die romantische Seite der 20er Jahre – wurde bereits gezeigt. „Diese Ausstellung liegt mir besonders am Herzen, weil sie die 20er Jahre kritisch beleuchtet“, sagt Brabant während der feierlichen Eröffnung am Freitagabend.

Freilich sind die 1920er Jahre gemeint, doch wie Brabant feststellt: „So viel hat sich nicht geändert.“ Das sagt auch Bürgermeister Frank Schneiderin seinem Grußwort. „Zwischen den 1920er Jahren und heute gibt es viele Parallelen.“ Doch man müsse auch die Unterschiede hervorheben. Die Herausforderungen für die Gesellschaft hätten sich geändert. „Heute geht es um Globalisierung, Umwelt, Klimaerwärmung, islamischer Fundamentalismus und Rechtsextremismus und natürlich um die Pandemie.“

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Dr. Hella-Sabrina Lange, Leiterin des Kunstmuseums, zeichnet ein lebendiges Bild der Vergangenheit. „Wenn man zurück schaut auf die 20er Jahre, so war es ein Leben nach der Kriegserfahrung. Das Leben ist Ausdruck purer Freude, aber auch ein Tanz auf dem Vulkan, der vermeintlich golden war.“ Die Zeit sei geprägt gewesen von den Schrecken des Weltkrieges, aber auch von wissenschaftlicher Forschung und technischem Fortschritt. Eine Zeit des Umbruchs, in der Jazz und Swing Einzug hielten und der Bauhaus-Stil mehr als nur die Architektur prägte. Die neue moderne Frau ist geschminkt und raucht, die Röcke und Frisuren werden kürzer. „Da wo die Sonne am hellsten scheint, sind die Schatten besonders dunkel“, sagt Lange. Die Künstler haben in diese Schatten geblickt. „Sie zeigen die Missstände der Gesellschaft auf und geben ihrem Unmut über die dekadente Oberschicht Ausdruck.“

Zu sehen sind die Werke bekannter Künstler, wie Otto Dix, aber auch die jener, die ein tragisches Schicksal ereilte, wie Elfriede Lohse-Wächtler, die 1940 im Rahmen der Euthanasie vergast wurde. Die Motivation der Künstler lässt sich treffend mit einem Zitat von George Grosz auf den Punkt bringen: „Ich versuche durch meine Arbeiten, diese Welt davon zu überzeugen, dass sie hässlich, krank und verlogen ist.“

Umrahmt wird die Ausstellungseröffnung von Sängerin Annette Bialonski und Andreas Lobisch mit Liedern aus den 20er Jahren.