Langenfeld Kräuter Reusratherin gibt Tipps

Lecker und gesund : Reusratherin gibt Tipps für die Kräuterküche

Bei den Kräuter-Exkursionen mit Marianne Radtke lernt man die Vorzüge vieler Wildpflanzen kennen – und ihren Geschmack.

Limonade mit Gundermann, Zitronenmelisse, Giersch und Apfelsaft; kalt gerührter Brennnessel-Aufstrich mit Zitrone, Frischkäseaufstrich mit Wildkräutern und sogar Schoko-Vanille-Rührkuchen mit Giersch, Frischkäsetopping und Fichtenspitzen in Zartbitterschokolade – solcherlei Leckereien kredenzt Marianne Radtke, wenn man an einem ihrer Kräuter-Rundgänge teilnimmt. Kaum zu glauben, dass diese eher ungewöhnlichen Kreationen wirklich schmecken. Das bestätigte ohne Ausnahme ein gutes dutzend Teilnehmer der zweistündigen Wanderung durch den Wildgarten der Kräuterpädagogin an der Trompeter Straße in Reusrath.

Saftig: die grünen Knospen des Löwenzahns. Foto: RP/Isabel Klaas

Eines sei vorweg gesagt: 80 Prozent der wilden Gewächse in unseren Gärten, die wir mit Füßen treten, auszupfen oder gar nicht wahrnehmen, sind zum Verzehr oder für Heilbehandlungen geeignet und sehr gesund. Wer schaut, der staunt, was alles in der Küche Verwendung finden würde, wenn man denn nur einen Blick dafür hätte. Marianne Radtke versteht es, die Augen der  Interessierten zu öffnen.  Denn allzu bescheiden machen sich die kleinen Wilden unter all den Kulturpflanzen aus. Blutsauerampfer, Weinraute, Zitronenmelisse, Gänseblümchen, wilder Feldsalat, Wasserdorst, junge Birkenblätter, Möhrenkraut, Löwenzahn, Kamille, Lungenkraut und Beinwell, Wiesenlabkraut, Knoblauchrauke und mehr – sie alle waren für unsere Vorfahren wichtige Nährstoffspender oder Heilpflanzen. Das sind sie auch heute noch. „Nur so viel Gesundes sind wir gar nicht mehr gewöhnt, und deshalb dürfen wir als Faustregel nur zehn Prozent Wildkräuter unserem gewohnten Essen beifügen. Sonst würde man wahrscheinlich Tage nicht mehr von der Toilette kommen“, sagt Radtke.

Gundermann: Mit Zitronenmelisse und Apfelsaft wird eine Limo draus. Foto: RP/Isabel Klaas
Wilder Feldsalat spricht für sich, was daraus werden kann. Foto: RP/Isabel Klaas

Sie liebt und schätzt jedes noch so mickrige Pflänzchen, das da zwischen Bäumen und Steinen seinen Fortbestand erkämpft hat. Denn jedes hat seinen Sinn. Der Beinwell mit seinen meist violetten Doldenblüten hilft gegen Beschwerden an den Knochen.  Spitzwegerich-Blätter können unterwegs als Notfall-Blasenpflaster eingesetzt werden. Gänseblümchen beruhigen die Nerven und hellen die Stimmung auf. Birkensaft gilt als Jungbrunnen und Heilsaft, Birkenblättertee als Mittel gegen Rheuma, Gicht und Hautkrankheiten.  Das gelb blühende Schöllkraut ist ein probates Mittel  gegen Warzen. Die jungen Triebe der Brennnessel sind nahrhaft und blutbildend, sie können als Gemüse, Tee oder Saft verarbeitet werden. Sie werden darüber hinaus von Schmetterlingsraupen geliebt, aus denen beispielsweise das hübsche Tagpfauenauge schlüpft. Wie übrigens fast alle Blüten von Wildkräutern für Insekten eine Delikatesse sind.

Blutampfer hat seinen Namen von den roten „Adern“ in den Blättern. Foto: RP/Isabel Klaas

Der Fundus von Marianne Radtke  über die Verwendung von Wildpflanzen ist unerschöpflich. Dass man geschlossene Löwenzahnblüten wie Kapern einlegen kann und der Blütenstand des Spitzwegerichs nach frischem Champignon schmeckt – all das nehmen die Teilnehmer der Wanderung mit nach Hause. Wer seinen Garten zurück zur Natur führen will, findet eine Menge Anregungen und Wildkräuter in Bio-Qualität auf dem Natursteinhof Radtke. Ein kleines Buch der Kräuterpädagogin mit „Porträts von 55 Wildpflanzen“ hilft bei der Entscheidung. Die Rezepte, oft von der Hausherrin selbst kreiert, mailt sie den Kursteilnehmern gerne zu.

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