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Langenfeld Kinderärzte beklagen den Aufwand für „Gesundschreibungen“ - sie wollen mehr Zeit für ihre kranken Patienten haben.

Langenfeld Corona und andere Virusinfektionen : Auf unnötige Gesundschreibung verzichten

Das Kinderarztpaar redet über die Flut an Infektionen und Corona und seine Nebenwirkungen in der Praxis. Diese ist so überfüllt, dass das Wartezimmer auf die Straße verlängert werden musste.

Seit 27 Jahren führen die Eheleute Drs. Holger und Sabine Muscheid eine Kinderarztpraxis in Langenfeld. Eine solche Welle von Infekten bei Kindern wie in diesen Wochen haben sie noch nie erlebt. Die RP sprach mit ihnen über die Ursachen und Auswirkungen dieser Welle auf den Arbeitsalltag, über die mögliche Coronaschutzimpfung von Kindern und übertriebene Vorsicht.

Wie erklären Sie die saisonal frühen und intensiven Infekte bei Ihren jungen Patienten?

Dres Muscheid Die normale Infektwelle der oberen und unteren Luftwege (Husten, Schnupfen, Halsweh, Bronchitis, Virusinfektionen) begann sonst im November/Dezember und das RS-Virus typischerweise im Februar, März. In diesem Jahr stiegen schon im Herbst die Patientenzahlen deutlich an, auch mit schweren Erkrankungen. Aktuell sind Kinderkrankenhäuser überfüllt, die Kinderärzte an ihren Grenzen. Ursache sind die durch die Pandemie mit langen Kontakteinschränkungen „untrainierten“ Immunsysteme der Kinder. Sie hatten keine Chance, kontinuierlich Antikörper zu bilden. Insbesondere Kita-Kinder waren den Erregern, die zu Atemwegs- oder Magen-Darm-Erkrankungen führen, nicht ausgesetzt und sind jetzt besonders gefährdet. Häufig kommt das RS-Virus (Respiratorisches Synzytial-Virus) vor, diese Kinder bleiben häufig anfällig für weitere Atemwegserkrankungen.

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Welche Folgen hat die Welle für den Praxisbetrieb?

Dres Muscheid Wartezeiten, auch bei Terminvergaben. Wir versuchen, alle erkrankten Kinder am gleichen Tag zu behandeln. Leider können nicht alle Kinder, meist mit Eltern, im Wartezimmer Platz finden. Mit einem Vorzelt auf dem Bürgersteig versuchen wir, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Dazu kommen seit Beginn der Pandemie wesentlich mehr Jugendliche zu uns. Physische Erkrankungen, Depressionen, Essstörungen, Schulverweigerung sind als Folge der die jungen Menschen besonders belastenden Situation angestiegen. Die Fachärzte sind überlastet, lange Wartezeiten sind die Regel.

Aktuell werden alle Kontakte wieder kritisch gesehen. Sollen Mütter mit ihren Babys trotzdem zu Pekip-Kursen, Babymassagen oder ähnlichen Mütter-Kind-Kursen?

Dres Muscheid Ja, die Säuglinge unterliegen keinem größeren Risiko, allerdings sind die Hygieneregeln ernst zu nehmen. Ich empfehle solche Treffen sogar, denn auch die sozialen Kontakte der Mütter sind unbedingt notwendig, um deren eigene Situation nicht weiter zu erschweren.

Was wünschen Sie sich, um den Praxis-Alltag zu entzerren und zu normalisieren?

Dres Muscheid Der Verzicht auf unnötige „Gesundschreibungen“ wäre ein Anfang. Öffentliche Einrichtungen möchten eine Corona-Infektion ausschließen und schicken gesunde Kinder oder solche mit banalen Erkrankungen zu uns, damit wir diese als gesund attestieren. Wirklich Kranke und Gesunde sitzen dann in einem Wartezimmer – keine gute Situation. Was uns auch helfen würde, dass jetzt wieder ein Impfzentrum von der Stadt betrieben wird. Wir impfen im Moment sehr viel und zu zusätzlichen Zeiten. Viele Jugendliche und junge Erwachsene kommen zur Impfung zu uns, weil sie noch keinen Hausarzt haben. Ein zusätzlicher Schub bei den Jugendlichen hat die angekündigte 2G -Regel verursacht.

Apropos Impfen, ab welchem Alter sollen Kinder geimpft werden?

Dres Muscheid Wie von der STiKo empfohlen ab 12 Jahren. Für junge Menschen sind soziale Kontakte wichtig, um diese relativ entspannt möglich zu machen, ist vorerst die Impfung der richtige Weg. Bei jüngeren Kindern verläuft eine Coronaerkrankung in der Regel problemlos. Eine Infizierung bliebe daher im Rahmen der normalen Immunisierung.