Langenfeld Keine Geldstrafe für Ex-Bordell-Chef

Langenfeld : Ex-Bordell-Chef entgeht Geldstrafe

Der Richterin am Langenfelder Amtsgericht fehlte die Grundlage, den 8000-Euro-Strafbefehl durchzusetzen.

Am Ende war alles wieder gut. Die eine Hand am Cadillac, die andere irgendwo bei seiner Ginger (32) – und für die gab’s dann auch noch ein Küsschen. Es ist schließlich Valentinstag, und drinnen im Gerichtssaal war’s gerade richtig gut gelaufen für Bert Wollersheim (68).

Dorthin hatte man ihn zitiert wegen dieser Plakette hinten auf dem Nummernschild seines Cadillac Fleetwood, die sich der Ex-Bordellchef eigentlich nie so genau angeguckt hatte. Gefälschter TÜV-Stempel? Urkundenfälschung? Um Himmelswillen, wie kann dass sein? Um so was habe er sich nicht gekümmert, das hätten Andere für ihn gemacht. Vom Amtsgericht gab’s dafür einen Strafbefehl und 8000 Euro Geldstrafe, das wollte Wollersheim nicht hinnehmen. Er habe schließlich nichts gemacht und auch nichts gewusst. Dass man jetzt auch schon für Dinge bestraft wird, von denen man nichts weiß? Geht gar nicht. Dass fand offenbar auch die Amtsrichterin, die das Verfahren einstellte und Wollersheim nach fünf Minuten wieder nach Hause schickte.

Zuvor hatte sie den Angeklagten noch die Brille abnehmen lassen, um dann zu sagen: „Wir haben hier ein Problem mit dem Vorsatz.“ Das hatte die Staatsanwaltschaft vorher anders gesehen: Dort hatte man dem Ex-Bordellchef unterstellt, von der TÜV-Stempel-Schummelei gewusst zu haben. Auf den Drucker gelegt, ausgeschnitten und aufgeklebt: Das Ganze war offenbar eine Bastelarbeit. Im Fahrzeugbrief unterschrieben von einem TÜV-Prüfer, der schon seit Jahren nicht mehr bei der Prüfstelle seinen Dienst tut.

Aufgefallen war die kriminelle Entgleisung bei einer Fahrzeugkontrolle in Langenfeld – und dort hatte sie auch begonnen, diese leidige Geschichte, die den Ehefrieden bei den Wollersheims für einen kurzen Augenblick getrübt hatte. Ginger hatte sich in Langenfeld die Wimpern bei ihrer „Wimpern-Tante“ machen lassen und war gerade ins Auto ihres Göttergatten eingestiegen, der sie noch in ein Düsseldorfer Nagelstudio chauffieren sollte. „Es war ein sonniger Tag. Wir haben im Auto herumgealbert“, erinnert sich Bert Wollersheim an den folgenreichen Ausflug in die Langenfelder Provinz.

Denn dort war einer Polizeistreife aufgefallen, dass Ginger keinen Gurt über ihrem Dekolleté trug. Abgefahrene Reifen, ein in die Jahre gekommener Verbandskasten und dann noch die Sache mit dem TÜV-Siegel: Am Ende hatten die Beamten auf einer langen Liste alles genau notiert. „Damit waren acht Leute zwei Stunden beschäftigt“ schüttelt Wollersheim ungläubig den Kopf. Auf der Wache habe er dazu auch noch einen Drogentest abliefern müssen. Die Schilder wurden abgeschraubt, der Wagen aus dem Verkehr gezogen.

Und Ginger? Die musste doch zum Nagelstudio nach Düsseldorf! Das erledigte ein Boulevard-Reporter, der „zufällig“ zum Zeugen des Geschehens geworden war. Ob sie denn nicht mal selbst den TÜV-Stempel auf dem Auto ihres Angetrauten in Augenschein genommen habe, musste sich Ginger vor dem Prozess beim Amtsgericht dann auch noch fragen lassen. Nö, sie sei schließlich kein Kfz-Mechaniker und dazu auch noch blond. „Es gibt wichtigere Dinge – beispielsweise Wimpern und Nägel“, war dazu vom Anwalt ihres Mannes zu hören.

Ach ja, der Haussegen ist längst wieder gerade gerückt. „Wir haben uns heute morgen schon liebgehabt und uns viele nette Dinge gesagt“, kommentierte der Ex-Bordellchef. Und der Cadillac fährt auch wieder – mit neuen Reifen, entstaubtem Verbandskasten und was am wichtigsten ist: Mit TÜV-Plakette!