Langenfeld Jugendtheater zeigt seine Requisiten

Lokale Kultur : Jugendtheater zeigt seine Requisiten

Zum 40-Jährigen der Langenfelder „Blinklichter“ ist im Rathaus eine Auswahl aus dem Fundus der Gruppe zu sehen.

Wer die Blinklichter nicht kennt, ist eigentlich kein richtiger Langenfelder. Seit 40 Jahren gibt es das Amateur-Kinder- und Jugendtheater nun. Das ist zwar kein rundes Jubiläum aber ein halbes Menschenalter, weswegen es jetzt im Rathaus-Foyer eine kleine Auswahl an Fotos und Requisiten aus einer reichen Theater-Geschichte zu sehen gibt.

Ob Einhorn oder andere Requisiten – die selbstgefertigten Bühnenstücke führen durch die Geschichte der „Blinklichter“. Foto: RP/Isabel Klaas

Gleich am Eingang empfängt den Besucher ein imposantes Brathähnchen aus neueren Zeiten. Es durfte gleich zweimal mitspielen: 2006 in der „Suche nach dem verwunschenen Prinz“ und 2017 in „Ein Königreich für Gaukler“. Auch das rosa Autochen, das zum ersten Mal 1989 zum Zehnjährigen der Blinklichter und zur Wiedereröffnung der Stadthalle seinen Auftritt in dem Stück „Ein traumhafter Tag“ hatte, ist zu sehen. 2009 war es noch einmal im Einsatz. Damals wechselte es seine Farbe von Gelb zu Rosa.

Das trug ein Papagei. Foto: RP/Isabel Klaas

Die von den Eltern der Darsteller in liebevoller Heimarbeit gefertigten Requisiten wecken viele Erinnerungen – bei ehemaligen Darstellern, ihren Eltern und Verwandten und beim Publikum. Ingrid Bembennek, langjährige Chefin der Blinklichter, hat fast jedes ihrer Stücke noch parat. Das bunte Papageienkostüm, das von der Decke baumelt, war für „Unsere kleine Nachtmusik“ frei nach Mozart gefertigt worden. Die gut erhaltene Lok spielte im Traumland-Express ihre Rolle und musste von den kleinen Insassen selbst mit Muskelkraft bewegt werden.

Das Auto war erst gelb, dann rosa. Foto: RP/Isabel Klaas

Elisabeth Schafheutle, seit 2005 die Leiterin des Kinder- und Jugendensembles und der Studiobühne, bedauert es, dass von den wunderbaren poetischen und mit viel Liebe gefertigten Kostümen und Bühnen-Requisiten nur wenige über die Jahrzehnte hinweg gerettet werden konnten. „Das Gebäudemanagement der Stadt steht uns immer auf den Füßen. Wir müssen unseren Fundus im KAG-Keller so klein wie möglich halten“, sagt sie. „Dabei bemühen wir uns, die Dinge immer wieder zu recyceln.“

Zum Reinbeißen schön: Riesentorte. Foto: RP/Isabel Klaas

Ob Mausespeck-Torte, Vogelmaske oder Pappmaché-Einhorn, das 2007 in der „Geistervilla“ eingesetzt wurde – die Welt der Bühne wird beim Anblick der märchenhaften Figuren und Kostüme lebendig. Ein Blick auf die ausgestellten Fotos zeigt, wie die Zeit verfliegt. Das allererste Stück „Halbe Halbe“ wurde 1979 aufgeführt. Eine Szene wurde als Schwarz-Weiß-Foto festgehalten. Ingrid Bembennek, die Welt der Kinder immer im Blick, erinnert sich noch an den Inhalt: große und kleine Kinder, die sich über die Spielplatznutzung nicht einigen können, sich ständig streiten, bis sie die Lösung finden: ihn teilen, halbe-halbe-machen eben.

Eines der beeindruckendsten Stücke der Vergangenheit war wohl „Prinzessin Farbenfroh und die Graugeister“ allein wegen der wundervollen Ausstattung. Die als Farben verkleideten Kinder entsteigen einem riesigen Malkasten. Mit dem Blick auf ein Foto von 1987 wird Prinzessin Farbenfroh noch einmal in ihrer ganzen Kostüm-Pracht lebendig. Es ist kaum zu glauben, dass alle diese wunderbaren Requisiten von Laien gebastelt, geschweißt, geklebt, geschnitten und genäht wurden. Das hat sich übrigens bis heute nicht geändert. Außer dass Elisabeth Schafheutle, Regisseurin der Blinklichter- und Studiobühne und Nachfolgerin von Ingrid Bembennek, bei ihrem Amtsantritt das Glück hatte, eine erfahrene Gewandmeisterin mit ins Boot nehmen zu können. „Susanne Halbach macht die Schnitte für die Kostüme. Die Mütter nähen sie dann nach“, sagt sie. Nach wie vor lebt das wunderbare Theater von vielen Ehrenamtlern, die ihr Herz an die Blinklichter verloren haben. Nach wie vor begeistern die Aufführungen mit Fantasie, Witz, Ironie und liebevollen Details sowie den hingebungsvollen Darstellern, die tanzen, sprechen und agieren – mit der gleichen Leidenschaft wie die Profis an den Großstadt-Häusern.