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Langenfeld: Interview Thomas Antkowiak Synodaler Weg

Interview Thomas Antkowiak : „Wollen Schlüssel zum Glauben zeigen“

Der Langenfelder Thomas Antkowiak engagiert sich beim „Synodalen Weg“ für die Reform der katholischen Kirche.

Im Dezember 2019 begannen die deutschen Katholiken den „Synodalen Weg“ (siehe Infobox). Der jüngsten Auftaktveranstaltung in Frankfurt folgen bis Herbst 2021 drei weitere Treffen. Zu den 227 namentlich benannten Mitgliedern, die die Gesamtheit der Kirchenmitglieder repräsentieren sollen, gehört Thomas Antkowiak (64) aus Langenfeld. Mit ihm sprachen wir über die Synode und lokale Bezüge.

In Deutschland leben rund 23 Millionen Katholiken, wer hat über ihre Teilnahme entschieden?

Antkowiak Ich wurde vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gewählt, dem ich seit Jahren als Geschäftsführer des Bischöflichen Hilfswerks Misereor in Aachen angehöre. So kann ich in der Synode sowohl meine „weltkirchliche Sicht“ einbringen, als auch meine Arbeit an der Basis. Seit 2013 bin ich Vorsitzender des Pfarrgemeinderats der Gemeinde St. Josef und Martin.

Wie ist Ihr Eindruck vom ersten Treffen?

Antkowiak Der äußere Rahmen war ein gutes Zeichen für die offene, ehrliche Gesprächsatmosphäre. Die Bischöfe und Laien waren gleichberechtigt platziert, die Sitzordnung zufällig, weil streng alphabetisch, keine formelle Kleidung usw. Alle Beteiligten betraten mit dieser Form Neuland, und allen scheint klar, dass es – trotz vieler hoher Erwartungen - am Ende keine finalen Beschlüsse zu allen offenen Fragen gibt. Deutlich wurden die drei verschiedenen Ansätze: Erstens Fragen, die Bischöfe in ihren Diözesen umsetzen können. Zweitens Fragen, die nicht in Deutschland (allein) entschieden werden können, Stichwort Amazonien-Synode bzw. „bewährte Männer als Priester“. Diese werden dem Papst vorgelegt werden müssen. Und drittens Fragen, die nur ein Konzil entscheiden kann, zum Beispiel die Zulassung von Frauen als Priester und andere die Weltkirche betreffende Fragen.

Auch Tim Kurzbach, OB in Solingen, und Vorsitzender des Diözesanrates Köln, gehört zu den Delegierten. Kurzbach sah Kardinal Woelkis Auftritt in Frankfurt sehr kritisch. Zitat: „Ich fürchte, er zerstört die Autorität seines bischöflichen Amtes, indem er nicht mit guten Argumenten in der Versammlung zu überzeugen versucht, sondern sich anschließend darüber empört, dass er nicht von Amts wegen mehr Macht hat.“ Wie haben Sie die Diskussion erlebt?

Antkowiak Die Mitglieder der Versammlung kommen aus allen Bereichen des kirchlichen Lebens, der Anteil der Geweihten und Laien hält sich ungefähr die Waage. Gerade Wortmeldungen von Geistlichen, die seit Jahrzehnten die Praxis erleben, waren für mich beeindruckend. Zurück zu Kardinal Woelki: Er gehörte zu den nur zwei Teilnehmern, die vorgefertigte Statements verlasen. Dennoch: Auch Kardinal Woelki hat nur eine Stimme.

Wie geht es weiter?

Antkowiak Die Foren zu den Themenbereichen werden jetzt ihre Arbeit aufnehmen. Sicher wird es während dieser Phase immer wieder Informationen, Rückkopplungen oder inhaltlichen Abstimmungen mit Beteiligten auch außerhalb der Synodalversammlung geben. Auch werden alle Interessierten per Internet teilnehmen können zu neuen Fragen, die sich aus der Arbeit in den Foren entwickeln werden. Schon vor der ersten Versammlung gab es über www.synodalerweg.de mehr als 5000 Rückmeldungen zu den Themen, die in die Arbeit der Synodalforen einfließen werden. Auch wir Synodalmitglieder werden in den Gemeinden über die Entwicklungen berichten Und darüber diskutieren. Bleibt zu hoffen, dass auch das Erzbistum Köln seine Informationen zum Synodalen Weg verstärkt.

Sehen Sie Bezüge zur kirchlichen Arbeit vor Ort?

Antkowiak In allen Bereichen. Beginnen wir mit dem Projekt Kirchen-Schlüssel - bedauerlicherweise vielfach auf „Keine Hochzeitsmessen im Mai“ verkürzt. Die von Pfarrgemeinderat und Pastoralteam gemeinsam beschlossene Idee hat überregional Aufmerksamkeit erregt. Fakt ist, es wird im Mai sogar vor Ort mehr Kirche geben als sonst, drei große Open-air-Gottesdienste, einer davon am Wasserski-Gelände, und bisher über 100 weitere Aktionen, die zu einem Austausch über alle wichtigen Themen beitragen. Wir wollen rausgehen und den Menschen bewusst machen, „Du bist der Schlüssel“. Dazu gehört auch – mit Blick auf den Rücktritt unseres bisherigen Pfarrers Stephan Weißkopf – die Frage, welchen (übertriebenen) Erwartungen und Belastungen die Priester ausgesetzt sind. Dabei tragen wir als Gemeindemitglieder selbst auch Verantwortung. Wenn jemand wie Pfarrer Weißkopf mit einer solchen Entscheidung „sein Leben völlig auf den Kopf stellt“, werden dafür in der Summe viele Gründe ursächlich sein und darüber müssen wir auch vor Ort reden. Schließlich erwarten nicht nur die engagierten jungen Menschen den Austausch und das offene Gespräch zu Fragen von Sexualität und Formen von Partnerschaft. Und zum Thema Maria 2.0 und der Rolle der Frauen in der Kirche kann ich sehr gut nachvollziehen, dass gerade die Frauen „die Nase echt voll haben“.