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Langenfeld: Industrieverein spricht beim Stammtisch über Minuszinsen

Stammtisch in Langenfeld : Industrieverein spricht über Minuszinsen

Zum Stammtisch des Langenfelder Vereins sind am Dienstagabend rund 60 Mitglieder und Gäste zusammengekommen. Diplom-Sparkassenwirt Stefan Bettges referierte zum Thema.

Der Industrieverein Langenfeld hat sich am Dienstag zu einem Stammtisch getroffen. 60 Mitglieder und Gäste versammelten sich in der Stadtsparkasse, um über Minuszinsen zu sprechen.

Stefan Bettges (38), Diplom-Sparkassenbetriebswirt, als Abteilungsleiter für die Firmenkunden zuständig und Verhinderungsvertreter des Vorstandes, erklärte, warum Minuszinsen bei den Banken und Sparkassen seit einiger Zeit unvermeidlich seien. Er verglich das Geld mit Rohstoffpreisen, deren Preiswachstum für die Wirtschaft ein ähnliches Problem sei. Bei Guthaben von seinen Firmenkunden von über 250.000 Euro zahle der Kunde aktuell 0,5% an die Sparkasse, die die Sparkasse an die Bundesbank zahle. Bei Privatkunden der Stadtsparkasse Langenfeld liege die Freigrenze bei 100.000 Euro. „Diese Kosten wurden einige Jahre von den Banken und Sparkassen getragen, ohne die Kunden zu belasten“, sagte Bettges.

Mit Blick auf die Gesamteinlagen des Instituts, die nach dem letzten Geschäftsbericht rund 1,42 Milliarden Euro betragen, und die insgesamt gesunkenen Zinsen, sei das keine dauerhafte Lösung. Verschärft wurde die Situation durch die wachsenden Einlagen in der Corona-Zeit, in der viele Investitionen oder geplante Privatausgaben zunächst verschoben oder sogar ersatzlos gestrichen worden seien. „Das Verwahrentgelt, andere nennen es Minuszinsen, sind kein neues Ertragsfeld“, betonte Bettges, vielmehr die „verursachungsgerechte Weitergabe einer Belastung“. Auch die nur geringen Aussichten, dass sich die Zinsen insgesamt in näherer Zukunft wieder erhöhten und die Ertragslage der Institute nachhaltig verbesserten, machten diese Kostenverschiebung unvermeidbar. In allen Fällen werde das Gespräch mit den Kunden gesucht, hieß es, um gemeinsam Alternativen zu prüfen. Das könnte zum Beispiel die Anlage eines Sockelbetrages in kapitalmarktorientierten Wertpapieren sein.

In einer abschließenden Fragerunde wurde deutlich, dass die Unternehmer viele volkswirtschaftliche Themen beschäftigen – unter anderem Inflation, Rohstoffpreise und Zinsentwicklung.