Langenfeld High-Tech-Müllauto macht sich bezahlt

Moderne Kameras und Sensoren : High-Tech-Müllauto macht sich bezahlt

Langenfeld hat in die Sicherheit der Müllabfuhr investiert – und wurde seither von schweren Unfällen verschont.

Ein tödlicher Unfall mit einem Müllfahrzeug – ein Alptraum nicht nur für die Hinterbliebenen des Verunglückten, sondern auch für Müllwerker. Langenfelds Betriebshofschef Bastian Steinbacher und sein Team wissen um die Risiken ihres Arbeitsalltags – nicht erst seit dem jüngsten Todesfall im Kreis Mettmann, im Dezember in Ratingen. Um so wichtiger ist ihnen eine Investition in die Sicherheit: die Anschaffung eines hochmodernen Kamerasystems 2017. So zieht Steinbacher erleichtert Bilanz für 2018: „Es gab bei uns in Langenfeld keinen schweren Unfall mit einem städtischen Müllfahrzeug.“

Die Stadt rüstete für rund 20.000 Euro sechs der sieben Müllfahrzeuge mit 360-Grad-Kamera- und Warnsystemen aus – mit der Firma Bosch, die ein Pilotprojekt startete. Der Fahrer sieht auf einem Bildschirm das Fahrzeug von oben und sein Umfeld. Die „Live-Übertragung“ mutet an, als würden die Bilder von einer fliegenden Drohne geliefert. Gerade für den „Lader“ – den Mitarbeiter, der das Auto nach den Tonnen greifen lässt – bietet die Heckkamera zusätzliche Sicherheit: „Von Kleinigkeiten abgesehen sind die Erfahrungen durchweg positiv“, berichtet Steinbacher.

Dank mehrerer Kameras hat der Fahrer einen Blick „von oben“ auf das Fahrzeug und dessen Umfeld. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Anfänglich wurden einige der zwölf Ultraschall-Sensoren (sechs am Heck, je drei rechts und links) im täglichen Betrieb zu leicht beschädigt. Ihre Platzierung am Fahrzeug wurde dann verbessert. Jetzt muss ein neuer Wagen für die Sperrgutsammlung beschafft werden. Der Markt hat sich weiterentwickelt. Fast alle Fahrzeug-Hersteller bieten inzwischen eigene Sensoren und Systeme an „Es muss nichts umgebaut oder nachträglich eingebaut werden“, verweist der Fachmann auf den Vorteil eines einzigen Ansprechpartners. Mercedes etwa wirbt mit einem völlig neuen Abbiege-Assistenten, dessen „Systemfunktion und das Warnkonzept aus der Analyse von Abbiegeunfällen mit Fußgängern und Radfahrern hergeleitet wurden“. Er enthält einen Notbremsassistent serienmäßig. Ein 360-Grad-Kamera-System wird trotzdem zusätzlich eingebaut, da die Rundumsicht einen zusätzlichen Sicherheitsaspekt bietet.

In Monheim hat man technisch noch nicht aufgerüstet. „Es gibt noch kein von der Berufsgenossenschaft ausdrücklich empfohlenes System“, erklärt Rainer Trabandt, Geschäftsführer der mit der Müllentsorgung beauftragten Awista Logistik. Bei Ersatzbeschaffungen „werden aber Fahrzeuge mit den inzwischen standardmäßigen Sicherheits- und Assistenzsystemen ausgeschrieben“. Das Personal werde regelmäßig geschult. Bei Rückwärtsfahrten steige der Beifahrer aus, um den Gefahrenbereich zu sichern. Zur Ausbildung gehörten entsprechende Module beim ADAC-Fahrsicherheitstraining.

Unabhängig von den technischen Weiterentwicklungen an den Fahrzeugen kümmert sich die Stadt Langenfeld weiter darum, Gefahrenstellen zu minimieren. Rückwärtsfahrten werden, wo immer es geht, vermieden. In Reusrath wurde eine städtische Grünfläche verkleinert, um Wendemöglichkeiten zu schaffen, und vereinzelt werden Sammelplätze für die Tonnen genutzt. „Auch wenn dies unangenehm für die betroffenen Bürger ist: Die meisten zeigten sich einsichtig, nachdem auf die enormen Gefahren der Rückwärtsfahrt hingewiesen wurde“, sagt Steinbacher.

Die Awista Logistik, die in Langenfeld die Gelben Säcke abholt, beachtet bei ihren Touren ebenfalls die Wendepunkte-Vorgaben und das Rückwärtsfahrverbot.

Mehr von RP ONLINE