Langenfeld Handarbeiten sind wieder in

Einkaufen : Handarbeiten sind wieder in

Wenn die Tage kurz sind und es draußen ungemütlich ist, greift so mancher gern zum Strickzeug. Jetzt mal eben einen dicken Pullover stricken oder eine Babydecke fürs Enkelkind. Oder vielleicht Schmuck herstellen, den man zu Weihnachten verschenken kann.

Bei Pollok in Langenfeld sind Kreative richtig. Im Kreativhaus an der Hauptstraße gibt es auf 260 Quadratmetern nicht nur Wolle und Perlen samt Zubehör, sondern auch Farben und Pinsel, Leinwände und Staffeleien, Bastelmaterial, Anleitungen und Unterricht.

„Angefangen haben meine Frau und ich mit Künstlermaterial, Perlen, Homeart und Garden“, erinnert sich Andreas Pollok. Das war vor 15 Jahren. Seitdem hat er sein Sortiment immer wieder den Kundenwünschen angepasst, und die schätzen das: Kunde Uwe Weinhold etwa holt sich hier beim Stöbern Anregungen und Material für seine vielfältigen kreativen Arbeiten. Seine Frau Angelika kauft „Wolle, Glasperlen und Knöpfe“. An diesem Tag hat sie noch etwas anderes entdeckt: Weihnachtskarten von Paula Skene aus Amerika. Sie nimmt fünf Stück samt Umschlägen und schwärmt: „Hier kann man immer wieder Ungewöhnliches entdecken. Das macht den Laden aus.“

An einem Montagnachmittag im Dezember sitzen drei Frauen zusammen und machen Handarbeiten. Geredet wird über die Qualität der Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt und allerlei andere Dinge. Währenddessen häkelt die eine Frau einen XXL-Nikolausstrumpf zum Befüllen, die andere eine bunte Babydecke. Doch, um die Handarbeiten geht es auch, aber nur am Rande. Die beiden Damen, die am Workshop teilnehmen, sind erfahrene Strickerinnen. Trotzdem kommen sie gerne montags nachmittags zu Petra Vorraths Workshop: „Ich habe mir hier eine Anregung geholt, wie ich den Rand der Decke gestalten soll“, sagt Beate. „Ich war mir nicht sicher, ob ich den Strumpf stricken oder häkeln soll. Jetzt mache ich eine Kombination aus beidem“, sagt ihre Nachbarin. Beide kommen regelmäßig – teils zum Plaudern, teils zum gemeinsamen Stricken oder Häkeln.

Der Workshop wird ab drei Personen angeboten. Die Teilnahme kostet zehn Euro. Manche Frauen sind seit Jahren dabei. Beates Beweggründe sind typisch: „Ich habe vor über 30 Jahren in der Schule stricken gelernt und es dann nie wieder gemacht. Stricken war out. Als ich dann Nichten und Neffen bekam, wollte ich denen Pullover stricken und habe mir erst einmal Wolle gekauft und es mit Anleitungen aus dem Internet versucht“, erzählt Beate. „Das habe ich aber nicht alles verstanden. Petras Erklärungen dagegen versteht man sofort. Ich war jetzt schon mehrmals da, wenn ich nicht weiter weiß oder einfach Anregungen suche.“ Petra Vorrath bietet seit über fünf Jahren Handarbeits-Workshops an. „Irgendwann waren Häkeln und Stricken wieder in, auch bei jungen Leuten, die sich Mützen und Schals gehäkelt oder gestrickt haben. Da habe ich mit den Workshops angefangen. Mir ist wichtig, dass das eine ganz offene Veranstaltung ist. Jeder kann mit seiner Handarbeit vorbeikommen, egal, was es ist.“

Zum „freien Stricken“, wie sie es nennt, kommen alle, „vom Kind bis zur Oma, auch junge Frauen, nur Männer trauen sich bisher noch nicht“, berichtet Vorrath. Oft werden bei den Treffen auch heiße Getränke und Kekse genossen. Dann ist es fast so wie bei einem Kaffeeklatsch.

Gibt es überhaupt strickende Männer? Aber ja: „Ich kenne zwei, die sehr gut stricken und mit denen ich mich regelmäßig austausche“, sagt Petra Vorrath. Die arbeiten aber offenbar lieber allein daheim im stillen Kämmerchen.