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Langenfeld Händler hoffen auf Zeit nach Corona

Langenfeld/Monheim : Mit schicken Schaufenstern gegen leere Kassen

Die Innenstädte sind verwaist. Händler fürchten um ihre Zukunft. Der Handelsverband NRW schließt Leerstände nicht aus.

Marion Herriger hat vor etwa anderthalb Jahren ihre Boutique „Marie Louise“ an der Solinger Straße eröffnet. Kurz darauf kamen die Bagger für den Straßenumbau. Jetzt Corona. Das Geschäft ist – wie alle anderen auch – geschlossen. „Ich weiß nicht, ob ich mich davon noch einmal erholen werde“, sagt die Geschäftsfrau. Sie hat für die Ladeneinrichtung ein Darlehen aufgenommen. Die Frühjahrskollektion ist eingetroffen und muss bezahlt werden. „Im Juli kommt schon die Herbst- und Winterware. Wie soll das gehen?“, fragt sie. 9000 Euro Bundeshilfe hat sie beantragt. „Das hilft weiter“, sagt sie. Doch angesichts der hohen Einkaufspreise sei damit die Kollektion noch nicht bezahlt. Und vielen Großhändlern gehe es jetzt ja ähnlich. „Wir kämpfen ums Überleben“, sagt sie und ist froh, dass ihr Vermieter Lothar Ziska ihr die Miete für April erlassen hat. Denn Rücklagen habe sie noch keine bilden können. „Man sagt, dass es drei bis fünf Jahre dauert, bis ein Laden richtig läuft“, erläutert sie. Einen weiteren Kredit, der dann auch zurückgezahlt werden müsse, will sie nicht aufnehmen. „Keiner weiß, wie es weitergeht. Viele Menschen verlieren ihren Job, erleben Kurzarbeit. Wer kann sich dann noch hochwertige Mode leisten“, umreißt sie das Problem der Branche.

Anders die Hildener Geschäftsfrau Evelyn Flüchter. „Gott sei Dank haben wir Reserven, aber es darf nicht zu lange dauern. Durch diese Krise dürfen die kleinen Einzelhändler nicht einfach weg radiert werden. Ich hoffe, dass viele Kunden weniger online kaufen und wieder zu uns kommen, wenn alles vorbei ist. Unser Kostenfaktor ist sehr hoch, das unterschätzen viele Kunden“, schreibt Flüchter, Inhaberin der Boutique „Alice“. Sie habe mit viel Liebe ihr Geschäft in 29 Jahren aufgebaut. „Wir haben viele Stammkunden, die sich freuen, wieder bei uns einzukaufen.“

Der Handelsverband NRW beobachtet die Entwicklung. „Es gibt einige Angebote, die jetzt helfen können“, sagt Sprecherin Carina Peretzke. „Die Online-Antragsstellung auf Unterstützung läuft seit Freitag gut“, berichtet sie. „Das geht ruckzuck. Ich kann jedem nur empfehlen, einen Antrag zu stellen und herauszufinden, ob er für eine Förderung infrage kommt.“ Darüber hinaus rät sie auch zu Social-Media-Aktionen zwecks Kundenbindung. „Aber auch ein besonders schön gestaltetes Schaufenster kann signalisieren: Schaut her, wir sind noch da.“ Auch könnten Händler überlegen, ihre Waren online anzubieten. „Bei direkter Bezahlung über Paypal etwa könne dann die Tüte kontaktlos vor dem Laden ausgehändigt werden.

Maria Chrzanowski, Inhaberin der Boutique „Maria Vikuna“ an der Langenfelder Hauptstraße, bleibt optimistisch. Sie setzt die Empfehlungen des Handelsverbands bereits um. „Ich dekoriere mein Schaufenster“ , sagt sie, „um zu zeigen, dass ich da bin.“ Sie denkt nicht darüber nach, aufzugeben. „Ich setze auf klassische Angebote und Nachhaltigkeit“, beschreibt sie ihr Angebot. Da sei sie nicht so abhängig von modischen Trends. Sie geht auch jetzt regelmäßig in ihr Geschäft und ist telefonisch für ihre Kundinnen da. Wie es nach der Krise aussieht, müsse sich zeigen. Sie setzt auch auf die Geduld der Lieferanten. Einen Antrag auf Förderung in Höhe von 9000 Euro hat sie gestellt. Die Herbst- und Winterware hat sie jedoch erst für August/September geordert. „Andere Zeitfenster finde ich ohnehin verfrüht.“ Dietmar Reckmann von der Boutique Shoes&More in der Stadtgalerie wirbt mit Rabatten, will sich zu den Bedingungen jedoch nicht öffentlich äußern.

Trotz aller Unterstützungs- und Kreativmaßnahmen kann auch der Handelsverband nicht ausschließen, dass die Innenstädte nach Corona anders aussehen werden. „Es steht zu befürchten, dass es Leerstände gibt“, sagt Carina Peretzke. Wichtig sei, dass die Händler zusammenhalten und sich in Plattformen zusammentun, wie etwa die „Lokalhelden“ in Monheim.