Langenfeld: Franco Vicari hat seinen Friseursalon um ein Café erweitert.

Langenfeld : Spitzen-Cappuccino vom Coiffeur

Franco Vicari hat seinen Salon verkleinert und ein Café mit sizilianischen Leckereien aufgemacht.

Unsere Nachbarn in Holland und Frankreich machen es uns schon lange vor: das Café im Möbelladen, im Antiquitäten- oder im Blumengeschäft oder in der Boutique. Jetzt hat sich auch Franco Vicari, seit 19 Jahren Friseur in Langenfelds Stadtmitte, zu einem ähnlichen Schritt entschlossen. Er hat seinen Friseur-Salon an der Kurt-Schumacher-Straße verkleinert und nebenan ein schickes sizilianisches Café eröffnet. „Ein Träumchen, das ich schon lange hege“, sagt er. „Nur es fehlte bisher immer die entsprechende Lokalität.“

Nun habe ihn die vergebliche Suche nach einem Nachfolger, Lehrlingen und Friseuren für seinen Salon zu diesem Schritt bewogen. „Ich musste mich kleiner setzen. Von früher elf Angestellten ist meine Belegschaft auf heute sieben geschrumpft“, sagt er. „Da habe ich ein bisschen mit der Familie überlegt, diskutiert und gezeichnet. Rausgekommen ist mein Salon-Café.“

Das ist in der Tat gelungen. Ein bisschen Vintage-Holzlook, ein paar Blechstühle im Industrie-Design, ein paar nette Accessoires wie das Riesen-Ciabatta oben auf dem Kaffee-Regal – und man fühlt sich wohl. Der sizilianische Cappuccino ist Spitzenklasse. Das bestätigen auch Kunden, die schon früher im Friseursalon in den Genuss  kamen.

Bei Getränken wollte es Franco aber nicht belassen. In der Vitrine lässt er seine sizilianische Vergangenheit lukullisch aufleben: Arancis, knusprige Reisbällchen mit einer Füllung aus Hack, Tomaten und Erbsen oder Salsiccia, pikant gewürzte Bratwurst, Spinat, Mozzarella und Schinken, sind ein typischer Snack für den kleinen Hunger.

Alles Gebäck kommt aus einer italienischen Backstube in Solingen: Cannoli mit Ricotta oder Vanillecreme sind knusprige Röllchen mit Inhalt. Es gibt Cornettos (Croissants) mit Pistazienfüllung und softes Mandelgebäck in verschiedenen  fruchtigen Varianten, Pizzettas, kleine Pizzen aus fluffigem Teig mit unterschiedlichem Belag oder belegtes Ciabatta.

„Ich hole das alles morgens früh frisch in Solingen ab“, sagt Vicari. „Und natürlich ist das Café für jeden da und nicht nur für die, die zum Haareschneiden kommen.“  Es gibt auch noch einen köstlichen geeisten Espresso oder Kaffee, und zwar mit Milch, Sahne und Zucker, der eine willkommene Alternative zum Heißgetränk ist. „All diese Leckereien kann man auch mit nach Hause nehmen“, betont der Friseur und Café-Besitzer.

Dass Franco Vicari bald die Friseurschere an den Haken hängen könnte und nur noch Cappuccino und Espresso macht, weist er heute weit von sich. „Ich bin Friseur und bleibe Friseur“, sagt er. Das Café sei nur ein Hobby. Und als stolzer Besitzer springt er aus dem Salon nebenan immer mal wieder ’rüber, um sich das Lob der Gäste abzuholen. Hauptsächlich ist Silvia Profita, eine Freundin der Familie, für Espresso und Snacks zuständig. Natürlich stammt auch sie aus Sizilien.

Vicaris ungewöhnliches Projekt  scheint auf viel Gegenliebe zu stoßen. Schon jetzt ist es ein quirliger Anlaufpunkt in der Kurt-Schumacher-Straße. „Wenn jetzt auch noch die Erlaubnis kommt, dass ich neue Fenster einbauen kann, die man im Sommer komplett aufschiebt, bin ich begeistert“, sagt Vicari.

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