Langenfeld Wirtschaftsförderung „Frühschicht“ informiert über Einsatzmöglichkeiten von KI

Langenfeld · Beim Unternehmerfrühstück referierte Tanja Bettermann vom Mittelstand-Digital Zentrum Rheinland, wie kleine und mittlere Unternehmen von dessen Info- und Fortbildungsangeboten zu den Themen Digitalisierung und KI profitieren können.

 Die dritte Ausgabe der „Frühschicht“ fand in der Wasserburg Haus Graven statt, Tanja Bettermann vom Mittelstand-Digital Zentrum Rheinland referierte.

Die dritte Ausgabe der „Frühschicht“ fand in der Wasserburg Haus Graven statt, Tanja Bettermann vom Mittelstand-Digital Zentrum Rheinland referierte.

Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

„Frühschicht“ heißt das noch junge Format eines Netzwerktreffens, das die Wirtschaftsförderung der Stadt Langenfeld im vergangenen Herbst ins Leben gerufen hat. Es ist so früh morgens angesetzt, damit es nicht mit Terminen kollidieren kann, sagt Thomas Zacharias. Bei „Brötchen und Bohnenkaffee“ sollen die Unternehmer und Unternehmerinnen miteinander ins Gespräch kommen. Am Dienstagmorgen informierte Tanja Bettermann in einem Impuls-Vortrag über das Mittelstand-Digital Zentrum Rheinland, eines von 27 Zentren in Deutschland, die kleine und mittlere Unternehmen bei der Digitalisierung und der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) unterstützen – kostenfrei und anbieterneutral.

Viele kleinere Unternehmer hätten das Problem, keine zeitlichen Ressourcen zu haben, um sich mit dem Thema zu befassen, so Bettermann. „Wir geben einen Überblick: Welche neuen Technologien und digitalen Anwendungen gibt es? Wir erstellen Roadmaps (visuelle Darstellung einer Strategie) als Entscheidungshilfe, bevor Zeit und Geld investiert wird.“ Deshalb biete das Zentrum auch Lern- und Demonstrationsorte, meist in Kooperation mit Universitäten, wie etwa der RWTH Aachen, wo Unternehmer Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR), KI-Modelle oder Robotik selbst ausprobieren können. Man verfüge über spezielle Trainer für IT-Sicherheit und KI.

Die Einsatzmöglichkeiten von KI entlang der Wertschöpfungskette seien immens, wirbt Bettermann, als Beispiel nennt sie Kommissionierung, Tourenplanung und Flottenmanagement in der Logistik, und Inventur und Bestandsmanagement sowie Bedarfsprognosen im Einkauf. Unternehmer erwarteten von KI schnellere und präzisere Problemanalysen, beschleunigte Prozesse und Vorteile im Personalbereich, weil menschliche Fehler vermieden würden. Abschließend wies Bettermann auf etwaige staatliche Zuschüsse (dies würden allerdings ausgelost) und Kredite zur Finanzierung der Digitalisierung des eigenen Unternehmens hin.

„Wir werden um KI nicht mehr herumkommen. Aber viele denken immer noch, das Thema betrifft sie nicht“, sagt Johannes Brüls, Geschäftsführer von Latteyer Veranstaltungstechnik. In Deutschland hinke man der Entwicklung in Teilen sehr hinterher, man schreie hier sofort nach Reglementierung, weil man nur die negativen Aspekte betrachte.

Unternehmensberaterin Julia Pipke, die sich mit einer Hausverwaltungsfirma selbstständig gemacht hat, wünscht sich beispielsweise ein Ticketsystem, das aus dem Inhalt einer Mieter-Email den Sachverhalt herauslesen kann und etwa bei einem nicht funktionierenden Wasserhahn selbstständig die Sanitärfirma mit der Beseitigung des Problems beauftragt.

„Wir erhalten oft Leistungsverzeichnisse von Handwerkern und Bauunternehmen, für die wir die Preise der verschiedenen Materialien ermitteln sollen, damit sie ein Angebot machen können“, berichtet Markus Hammermann, Niederlassungsleiter Langenfeld der Baustoff Schuy GmbH. Vor 15 Jahren wurde so ein 150-Seiten-Werk noch ausgedruckt, Irrelevantes aussortiert, die maßgeblichen Seiten an die Hersteller gesandt, die wiederum Angebotspreise zurückschickten, die dann händisch eingepflegt wurden. „Heute erstelle ich mir eine PDF-Datei, die ich dann digital bearbeiten kann, bei der Zusammenstellung der benötigten Materialmengen helfen auch die von den Herstellern bereitgestellten Tools – da wird nichts mehr gedruckt“, sagt Hammermann. Es gebe aber viele Handwerksbetriebe, die alles noch auf Papier und händisch machten. Zu der Niederlassung kämen auch viele Handwerker, die morgens erst wissen, was sie tagsüber auf der Baustelle brauchen. Dabei bietet auch hier die Digitalisierung Möglichkeiten, Arbeitsprozesse wie die Materialbeschaffung zu automatisieren.

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