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Langenfeld endlich wieder Capuccino ohne Maske

Tag 1 Gastronomie-Öffnung : Endlich: Wieder Cappuccino ohne Maske

Große Freude bei Besuchern der Cafés und Restaurants. Doch nicht alle Gaststätten haben Montag schon geöffnet. Für viele war die Vorbereitungszeit zu knapp. Langenfelds Ordnungsamts-Chef Christian Benzrath ist mit vier Teams im Stadtgebiet unterwegs und prüft, ob gastronomische Betriebe, Nagelstudios oder Massageinstitute coronakonform öffnen oder Beratungsbedarf besteht.

Hedwig und Walter Hildebrand sitzen entspannt vor einem Capuccino. „Nach acht Wochen Corona-Pause können wir endlich wieder hier sein“, sagt Hedwig Hildebrand. Hier, das ist das Eiscafé Florenz am Langenfelder Marktplatz von Giuseppe Catania. Das Ehepaar kommt regelmäßig. „Wir haben schon immer geguckt, wann es denn endlich wieder losgeht“, sagt die Richratherin. Seit 15 Jahren leben sie und ihr Mann in diesem Langenfelder Stadtteil. Zugezogene aus Düsseldorf. „In der City ist immer was los“, sagen sie. Über die Jahre hätten sich viele Freundschaften entwickelt vor dem Eiscafé. Aus ihrer alten Heimat Düsseldorf kämen regelmäßig Freunde, um einen Plausch zu halten.

Auch ein alter Herr im Rollstuhl stoppt im Vorbeifahren vor dem Tisch der beiden. „Das ist wichtig für alte Menschen“, sagt er. „Meine Frau ist gerade verstorben. Und ich brauche etwas zu essen“, bekräftigt er und rollt weiter. Seinen Namen will er nicht nennen. Doch die Hildebrands kennen ihn. „Traurig.“ Dennoch: Das Eiscafé bietet den Raum, Schicksale aufzufangen, zu besprechen. „Hier wird man immer gefragt, wie es einem geht“, streicht Hedwig Hildebrand heraus. Währenddessen werden auf der Terrasse die Tische geschrubbt. Der Wind hat die ganze Arbeit vom Vortag zunichte gemacht.

Walter und Hedwig Hildebrand vor dem Eiscafé Florenz am Marktplatz. Foto: RP/Heike Schoog

Noch nicht geöffnet hat das Café Mahlwerk gegenüber der St.-Josef-Kirche. „Wenn wir es schaffen, alle Vorgaben zu erfüllen, dann öffnen wir Dienstag“, sagt Judith Klappach, die mit ihrem Mann Frank das Café betreibt. „Von Samstag bis heute war die Vorbereitungszeit einfach zu knapp“, findet sie und ist dennoch froh, endlich wieder Gäste zu empfangen. Fünf Tische bleiben im Innenraum, draußen werden die Abstände vergrößert. „Gut ist, dass die Leute jetzt Kuchen und Kaffee direkt vor der Tür verzehren dürfen. Ohne Mundschutz.“

Doch der ist noch nicht ganz out. Auf dem Weg in den Gastraum ist er gefragt. Das weiß auch Florian Nordheim, Inhaber des Bijou in der Schoppengasse, und erinnert Stammgast Lutz Herbert daran, der mit seinem Rollator kommt und an der Theke ein Kölsch ordert. „Ein richtiges Bier tut gut“, sagt der betagte Herr. Und: „Wir haben extra eine Packung Mundschutze bestellt“, sagt Nordheim. „Für alle, die ihn vergessen haben.“ Er ist freudig überrascht, wie viele Gäste gleich am ersten Tag kommen, im Gastraum Burger oder Flammkuchen bestellen oder draußen etwas trinken. So wie Alena Walther mit Paul (9 Monate) und Klaus Münch. „Wir genießen den Kaffee draußen“, sagen sie. „Das ist eine kleine Normalität.“ Keiner von Beiden ist genervt, das er einen Zettel mit Namen und Telefonnummer ausfüllen muss. „Solange es noch keine App gibt, ist das in Ordnung“, so Münch. Auch Andreas und Petra Karalus sehen das so. „Wir wollten eigentlich in der Türkei sein“, sagen sie bedauernd. Doch ein frischer Minztee und das erste Pils unter freiem Himmel heben die Stimmung.

Miriam Winzer, die gemeinsam mit Simone Windges das „Café mit Liebe“ und das „bloomgold“ in der Monheimer Altstadt führt, ist noch zurückhaltend. „Unser Café und unser Restaurant leben davon, dass die Atmosphäre angenehm und gemütlich ist“, sagt sie. Und das solle eigentlich so bleiben. Vor einer Öffnung mit den vielen Sicherheitsvorgaben gebe es daher einiges zu bedenken. Sie will sich deshalb nicht festlegen. „Vielleicht können wir Ende der Woche öffnen“, sagt sie. Der Außerhaus-Verkauf laufe aber auf jeden Fall weiter. Ähnlich ist es bei Tina Gethmann, Inhaberin der Monheimer Biermanufaktur. „Es ist nicht einfach, die vielen Vorgaben umzusetzen“, sagt sie. Deshalb würden die meisten Wirte in der Altstadt gerade „eine kreative Lösung“ suchen. Auch sie peilt eine Öffnung zum Wochenende hin an.

Jan Lohrum, Inhaber des Restaurants zum Vater Rhein, hat alle Vorgaben umgesetzt. 40 statt der üblichen 120 Gäste können innen sitzen, 80 statt etwa 200 draußen. „Die Nachfrage ist verhalten“, sagt er an Tag 1 der Öffnungsoption. „Die Unsicherheit ist noch groß“, vermutet er. Deshalb macht er „keine halben Sachen“ und öffnet zu den gewohnten Zeiten mit gewohnter Speisekarte.

Nicht nur die Gastronomen haben alle Hände voll zu tun, um den Auflagen gerecht zu werden. Langenfelds Ordnungsamts-Chef Christian Benzrath ist mit vier Teams im Stadtgebiet unterwegs und prüft, ob gastronomische Betriebe, Nagelstudios oder Massageinstitute coronakonform öffnen oder Beratungsbedarf besteht. „Das werden wir mindestens die gesamte Woche über tun“, sagt er. Immerhin gebe es in Langenfeld 129 konzessionierte Gaststätten. Die meisten seien aber gut gerüstet. „Wir haben die Sicherheitsanforderungen am Samstag per Mail verschickt“, sagt Benzrath.

Ob die Markthalle in dieser Woche mit all ihren Angeboten öffnen wird, ließ er offen. „Gerade wird umgebaut und geputzt“, so Benzrath. Reza Kameneh vom Peperoni hofft auf eine Öffnung am Dienstag. „Das hat der Vermieter versprochen.“ Kerkini-Inhaberin Anke Porpatonelis serviert schon jetzt. „Wir haben geöffnet, innen und außen“, sagt sie. Das nicht kühle Wetter nutzt sie, um Restarbeiten zu erledigen.