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Langenfeld Einige Hilfsangebote aus der Zeit des Lockdowns existieren fort.

Langenfeld Handelsplattform L’felder : Hilfen überdauern den Lockdown

Der eine gründete aus Verzweiflung eine lokale Plattform für Einzelhändler, andere schmiedeten spontan Hilfsbündnisse. Einige der Mitglieder sind weiterhin ehrenamtlich tätig - in Pflegeheimen oder beim SKFM.

Als der Lockdown ihm im März das Auftragsbuch leerte, nahm der Webdesigner Michael Töller die Rolle des Auftraggebers selber in die Hand und schuf ein Handelsportal für Existenzgründer und Unternehmer, denen die Pandemie die Geschäftsgrundlage entzogen hatte. Auf der Homepage „L’felder“ können Einzelhändler, Dienstleister, Handwerker und Gastronomiebetriebe auf ihre Angebote hinweisen oder schlicht ihre Geschichte erzählen, um, so die Idee, „weiter in Kontakt mit ihren Kunden zu bleiben“.

Jetzt, ein halbes Jahr später, hat Töller sogar eine Studentin und einen Minijobber einstellen müssen, um die Seite ausbauen zu können, die inzwischen deutlich mehr Abonnenten, also Kunden, aus allen Branchen verzeichnet. „Der Bedarf wird wieder größer“, sagt er angesichts der nun nicht mehr zu leugnenden zweiten Infektions-Welle. Töller schildert die Lage als dramatisch: „Viele, die den ersten Lockdown überlebt haben, sind am Ende ihrer Kräfte und finanziellen Mittel“. Da müsse man gegensteuern. Einige seiner Kunden versuchten an die knappen Fördermittel des Landes für die Digitalisierung des Einzelhandels zu gelangen. Die eigene Facebook-Seite erreiche oft nicht genügend Aufmerksamkeit, deshalb böte sich als Zugpferd das L’felder-Portal mit seinen mehr als 1500 Followern an, wirbt er. Allerdings sei die Marke selber auch noch nicht bekannt genug, räumt Töller ein.

Von ihm produzierte Filme über die Neueröffnung der Stadtbibliothek, ein Lego Event und den Zirkus Altano dienen auch ihm als eine Art Leistungsschau. Sein neuestes Projekt sind filmische Porträts Langenfelder Unternehmer, die dazu beitragen können, eine emotionale Bindung des Kunden aufzubauen, um das übergeordnete Ziel „support your local“ zu erreichen. Mit einem Gruselgeschichten-Wettbewerb zu Halloween will er nun auch die Langenfelder Jugend bewegen, das Städteportal L‘felder für sich zu entdecken und bestimmte Orte aufzusuchen, weil sie dort ihre Wettbewerbsbeiträge abgeben müssen, wie etwa die Taverna Kolossos oder die Stadtbücherei. Es sind auch viele soziale Projekte mit dem Kinderschutzbund oder Sag‘s geplant. „Wir geben nicht auf und bringen Unternehmer und Einwohner zusammen“, so Töller. 

Seit März bietet sich auch die Stadt Langenfeld als Vermittlerin für Corona-Hilfsdienste an. „Das Angebot bestand die gesamte Zeit und wird auch weitergeführt“, sagt Marion Prell, Fachbereichsleiterin für Soziales und Ordnung. Menschen in Quarantäne können unter 02173 794 2222 anrufen und je nach Wohnort werden die Hilfesuchenden dann an gemeinnützige Einrichtungen, Vereine und Ehrenamtliche verwiesen, die beispielsweise einen freiwilligen Einkaufsservice anbieten. „Die Nachfrage hielt sich allerdings stark in Grenzen, die Anfragen seit März lassen sich an zwei Händen abzählen“, sagt Prell. Offensichtlich gebe es in Langenfeld noch intakte Nachbarschaften, die das regelten.

Eine Privatinitiative, die unter corona.einkauf.langenfeld.de Hilfe anbot, hat diesen Service eingestellt. „Er wird auch nicht wieder aufgenommen werden“, erklärt Paulina Jipps. Dies sei nur am Anfang der Pandemie möglich gewesen, weil die Helfer durch den Lockdown ihre Zeit flexibel einsetzen konnten. Das sei nun nicht mehr der Fall. 

Mitte März gründete Patrick Reschke mit einigen Mitstreitern die Quarantänehilfe Monheim, um älteren Menschen mit Vorerkrankungen in Quarantäne bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten zu helfen. Auf dem Facebook-Forum der Gruppe wurden alle möglichen Dienstleistungen, aber auch knappe Waren, wie Klopapier, gehandelt. Am Ende hatte die Gruppe 750 Mitglieder. Inzwischen existiert die Quarantänehilfe nicht mehr. „Wir haben im Sommer jegliche Arbeit eingestellt und die Gruppe aufgelöst“, so Reschke. Es gebe auch keine Pläne für eine Wiederaufnahme der Arbeit. „Wir haben auch erkannt, dass sich die Lage nicht so dramatisch entwickelt hat wie befürchtet“, ergänzt Mitbegründerin Hannah Zentgraf. Man habe erkannt, dass die Nachbarschaften und Wohlfahrtsverbände vieles auffingen. Einige Mitglieder seien aber weiterhin ehrenamtlich aktiv. Auch das Pflegeheim des kplus-Verbandes in Monheim profitierte damals von der überwältigenden Hilfsbereitschaft der Initiative. Trotz deren Ende halte das Marienheim weiterhin Kontakt zu einzelnen Mitgliedern, die sich engagiert hatten, berichtet kplus-Sprecherin Cerstin Tschirner. Diese erledigten Einkäufe für Senioren, die keine Verwandten haben. „Für uns ist das eine hohe Entlastung.“ Auf jeden Fall hat diese Initiative nachhaltiger gewirkt als gedacht. „Vom damaligen Enthusiasmus ist noch etwas übrig geblieben.“

Während des ersten Lockdowns machte Stephanie Riemenschneider, Kulturvermittlerin bei den Monheimer Kulturwerken, vor allem die Vereinsamung der isolierten alten Menschen zu schaffen. Gemeinsam mit Achim Tang, dem Künstler in Residence, und dem Pianisten Thomas Möller organisierte sie Konzerte in den fünf Pflegeheimen der Stadt. Angepasst an den Musikgeschmack des Publikums wurden Stücke der Comedian Harmonists, von Brigitte Mira und Schlager der 50er Jahre gespielt.

Diese Reihe sollte fortgesetzt werden, sie wurde aber gerade von der zweiten Welle ausgebremst. „In einem der Heime durften wir kürzlich nur noch draußen spielen bei geöffneten Fenstern“, berichtet sie. Aber angekommen ist die Musik trotzdem und die Senioren bedankten sich ihrerseits mit einem Ständchen.