Langenfeld EC-Karten-Betrug: Mildes Urteil für Ersttäte

Langenfeld : EC-Karten-Betrug: Mildes Urteil für Ersttäter

Kaufsüchtiger hat mehrfach Geld vom Konto seiner Schwiegermutter abgehoben, bereut und den Schaden wieder gut gemacht.

Der junge Mann, der vor Gericht steht, macht einen sympathischen Eindruck: Ohne zu zögern, beantwortet der gelernte Elektriker die Fragen des Richters: Arbeitssuchend sei er, habe bis vor ein paar Monaten als Haustechniker gearbeitet. Ihm sei ohne Angabe von Gründen gekündigt worden, er lebe aktuell von Hartz IV. Dann verliest die Staatsanwältin die Anklageschrift: Insgesamt 14 Mal habe der Angeklagte Geld vom Konto der Mutter seiner Freundin abgehoben. Alle drei leben offenbar unter einem Dach.

In einem Zeitraum von zwei Monaten habe er der Frau bei 14 illegalen Abhebungen über 12.000 Euro entwendet. Diese erstattete schließlich Anzeige gegen Unbekannt. Ihren Schwiegersohn in spe schloss sie dabei als Täter ausdrücklich aus. Mit dieser Einschätzung lag sie falsch, wie sich schnell herausstellte. Was er denn mit dem vielen Geld gemacht habe, wollte der Richter wissen. „Es kamen damals so viele Mahnungen“, erklärt der junge Mann. Er sei den Verlockungen des Online-Shoppens erlegen und konnte all seine Einkäufe gar nicht bezahlen. Er bereue sein Verhalten zutiefst, habe sich bei der Mutter seiner Freundin entschuldigt und auch schon alles wieder zurückgezahlt. Sie habe ihm verziehen, und auch die Freundin halte zu ihm.

Mehr noch: Er mache jetzt eine Therapie gegen seine Kaufsucht und habe schon einen Termin bei der Schuldnerberatung vereinbart. Zu dem Termin im Langenfelder Amtsgericht hat er sich sein „Opfer“ gleich mitgebracht, das tatsächlich zu seinen Gunsten aussagt. „Der Lebensgefährte meiner Tochter schuldet mir nichts mehr. Er hat sogar sein Auto verkauft, um seine Schulden bei mir zu begleichen. Ich habe keine Ansprüche mehr an ihn. Nur das Vertrauen muss er sich erst wieder erarbeiten.“

Der Angeklagte steht zum ersten Mal vor Gericht, betont, dass der EC-Kartenbetrug ein Ausrutscher sei. Er habe die Gelegenheit ergriffen, werde das nie wieder machen. Die Staatsanwältin bestätigt dem Richter, dass der junge Mann keine Vorstrafen habe und noch nie polizeilich in Erscheinung getreten sei.

Für Richter und Staatsanwaltschaft ist der Fall klar. Die 14 Fälle von Computerbetrug sind bewiesen, der Angeklagte hat seine Taten zugegeben und sich entschuldigt, er mache eine Therapie und werde hoffentlich nicht wieder straffällig.

Nun geht es nur noch um das Strafmaß. Die Staatsanwaltschaft fordert neun Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung. Das sei die unterste Grenze. Würde man alle Einzeltaten zusammenrechnen, kämen mehrere Jahre zusammen. Das Höchststrafmaß bei Computerbetrug läge bei zehn Jahren. Im Endeffekt verurteilt der Richter den Langenfelder zu zehn Monaten zur Bewährung. „Zwei Jahre dürfen Sie sich jetzt nichts zu Schulden kommen lassen“, sagt der Richter. Der Angeklagte nickt. Zusammen mit seiner Quasi-Schwiegermutter verlässt er das Gericht.

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