Langenfeld Dürre Landwirtschaft Hühner Rüben Mais

Langenfeld : Die Rüben vertilgen ihren Zucker selber

Landwirte fahren wegen der Hitze Verluste ein: Mais und Zuckerüben haben ihr Wachstum eingestellt. Auch die Futterproduktion für Kühe ist gefährdet, weil kein Gras wächst.

Wenn Josef Aschenbroich seine Hühner füttert, gerät der ganze Stall „in Aufruhr“. Dann wird notfalls mit massivem Körpereinsatz auf die Einhaltung der Hackordnung gedrungen. Das ist aber bei der aktuellen Tropenhitze schlecht für die Tiere. Deshalb hat Aschenbroich die Fütterung inzwischen in den frühen Morgen verlegt. „In der Mittagsglut würden sie sonst einen Herzschlag erleiden“, sagt der Landwirt.

Weil das Federvieh wegen der Hitze weniger frisst und mehr säuft, leidet laut Aschenbroich auch die Qualität der Eier: Sie sind kleiner, ihre Schale dünner. „Und gerade meine leistungsstarken Hühner kippen jetzt eher um.“ Da zusätzlicher, etwa umzugbedingter Stress zu sehr an den Kräften zehren würde, leistet er den neuen Jungtieren psychologischen Beistand: „Ich gehe in den Stall und erzähle denen ein bisschen Quatsch“, damit sie sich an seine Stimme gewöhnen. Abends guckt er nach, ob sie sich auch brav auf die Schlafstangen zurückgezogen haben, wo das Futter nicht weit ist.

Julia Klöckner lässt Bundeshilfen für dürregeplagte Bauern prüfen

Seine größten Sorgenkinder unter den Feldfrüchten jetzt sind die Rüben. Gerade auf den sandigen Böden welken die Blättern, dann muss sich die Frucht von ihrem schon eingelagerten Zucker am Leben erhalten. „Der geht dann für die Raffinerie verloren“, so der Landwirt. Seine Hoffnung richtet sich auf die Rüben mit noch grünem Blattwerk. „Sie können die derzeitige Dürre kompensieren, aber nur, wenn es in den nächsten Wochen regnen sollte.“ Über etwaige Ernteausfälle kann er jetzt nur spekulieren.

Mit dem Anbau von Sojabohnen als Futterpflanze hatte sich Aschenbroich schon auf den Klimawandel eingerichtet, die Pflanze wurde früher nur in wärmeren Breiten kultiviert. „Sie lässt sich auch gut in die Fruchtfolge integrieren.“ Ungelöst ist indes das Problem, das ihm im Frühjahr die Tauben die Keimlinge wegschnappen. „Die fressen mir die Felder leer oder schlagen mit solche Lücken in die Saat, dass dort jetzt massenweise Unkraut hochkommt“, klagt er. Das stelle das gesamte Anbauexperiment in Frage.

Auf fast 20 Prozent schätzt der Monheimer Bauer Robert Bossmann den Ausfall, den er wegen der warmen Witterung bei der Erdbeerernte hinnehmen musste. „Die Früchte wurden fast zeitgleich reif, so dass die Pflücker nicht hinterherkamen. Wir konnten in der kurzen Zeit gar nicht so viel absetzten“, so Bossmann. Im Moment bereiteten ihm Rüben (25 Hektar) und Mais (55 Hektar) Sorgen. Auf den leichten Böden in der Kämpe hätten die Früchte das Wachstum eingestellt.

„Wenn das so weitergeht, sterben sie ganz ab“, so Bossmann. Auch beim Mais bewege sich nichts. „Die Pflanzen hätten ab Ende Juni Wasser gebraucht.“ Die Beregnungsanlage für seine Sonderkulturen habe nicht genügend Pumpkapazität, um seine Äcker zu bewässern. Er setzt die Anlage gerade ein, um die obere Erdschicht eines Feldes pflügen zu können, auf dem er neue Erdbeerpflanzen setzen will. „Der Boden ist so hart, das der Pflug davon regelrecht abrutscht.“

Dem Landwirt Gisbert Münster, der 95 Milchkühe in Langenfeld-Reusrath hält, durchkreuzt das Wetter seine gesamte Futterbevorratung. Normalerweise kann er das ganze Jahr über sein Vieh mit selbst produzierter Grassilage aus dem Silo füttern. Aber auf seinen Futterwiesen konnte er bisher nur einmal Gras schneiden, jetzt sind die verdorrt. Nullwachstum. Normalerweise kann er sie drei- bis viermal im Jahr abernten. „Wenn ich ganz auf Weidewirtschaft setzen würde, hätte ich jetzt ein noch größeres Problem“, sagt er.

Auch beim Mais rechnet Münster mit einer Einbuße von 50 Prozent. Wenn er im September erntet, reicht der Futtermais normalerweise ein Jahr. Jetzt wird er schon im Winter Silage und im Frühjahr Mais hinzukaufen müssen. Da allerdings viele Bauern dasselbe Problem haben, ist der Futtermarkt „abgegrast“, sagt er. Eine Bestandsverkleinerung sei auch keine Option, weil viele kleinere Betriebe aufgeben, so verfielen die Fleischpreise.

Mehr von RP ONLINE