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Langenfeld: Die Reitbetriebe leiden unter den Corona-Restriktionen

Reitbetriebe in der Corona-Krise : Ross und Reiter leiden unter Stallpflicht

Die Corona-Krise macht den heimischen Reitbetrieben zu schaffen. Bekommen die Pferde noch genug Bewegung?

Zur Eindämmung des Coronavirus musste seit dem 17. März in Sportvereinen der reguläre Betrieb eingestellt werden. Das betrifft natürlich auch Reitbetriebe. Im Unterschied zu normalen Sportanlagen sind hier aber Betreiber und Pferdehalter verpflichtet, die Vorgaben des Tierschutzes zu erfüllen. Sie müssen die „notwendige Versorgung und Bewegung des Pferdes sicherstellen“, wie es seitens des Dachverbandes der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), heißt. Letzteres meint die „tägliche mehrstündige kontrollierte (Reiten) und freie Bewegung (Paddock).

Da auch alle Zusammenkünfte in Sportvereinen verboten sind, findet in den Reitbetrieben jetzt kein Gruppenunterricht mehr statt. Stallbesitzerin Andrea Schnitzler ist in doppelter Hinsicht betroffen. Sie musste nicht nur den Schulbetrieb einstellen und alle Ferienkurse absagen, auch eine andere wichtige Einnahmequelle, das Verleihen von Pferden für Schützenfeste, ist jetzt versiegt. „Bis in den Juni ist alles abgesagt“, sagt sie. Da sich nach den FN-Empfehlungen bis zu vier Reiter in ihrer Halle an der Hitdorfer Straße aufhalten dürfen, erteilt sie nur noch Einzelunterricht. Sie hätte auch große Probleme, die vom Tierschutzgesetz geforderte minimale Bewegung ihrer jetzt gezwungenermaßen außer Dienst gestellten 20 Schulpferde zu gewährleisten, wenn es für die meisten nicht eine Reitbeteiligung gäbe. Für die Pferdebesitzer, die bei ihr eine Box gemietet haben, hat sie eine WhatsApp-Gruppe gegründet, über die diese sich für die jeweils zweistündigen Zeitfenster eintragen können, um sicherzustellen, dass möglichst wenige Personen gleichzeitig im Stall sind.

Weil die Futterkosten auch für die Brauchtumspferde weiterlaufen, müsse sie sich fragen, wann sie eventuell eine Bestandverkleinerung erwägen muss.

Die Landes Reit- und Fahrschule (LRFS) auf Gut Langfort in Langenfeld hat sowohl ihren Schul- als auch ihren Lehrgangsbetrieb komplett eingestellt. Das Problem: Die Einrichtung hält für die Ausbildung der Reiter 27 Schulpferde vor, die normalerweise täglich zwei Stunden aktiv bewegt werden. „Das muss jetzt durch unser Personal, Freiwillige und einige wenige Reiter gemacht werden, die ein Schulpferd gemietet haben“, sagt André Kolmann, Geschäftsführer des Pferdesportverbandes Rheinland (PSVR). Grundsätzlich richte sich das Bewegungspensum nach dem jeweiligen Trainingszustand des Pferdes, erläutert er. „Ein Hochleistungspferd kann man jetzt nicht auf null herunterfahren, sonst wird es krank.“

Zu diesen arbeitsorganisatorischen kommen natürlich noch finanzielle Probleme, denn die LRFS lebt vom Lehrgangsbetrieb: „Wir versuchen daher, die Eltern der Jugendlichen, die an dem Osterferienlehrgang teilnehmen wollten, dazu zu bewegen, diese auf den Sommerlehrgang umzubuchen“, so Kolmann. Aber wer darauf bestehe, erhalte seine Lehrgangsgebühr auch zurück.

Den Verband als Träger der Landesreitschule belasten aber auch die Einnahmeverluste durch abgesagte Turniere. „Wir generieren Einnahmen aus der Genehmigung und Veröffentlichung von Turnierausschreibungen. Und erhalten jeweils 1,20 Euro LK-Abgabe für jede Nennung, also die Anmeldung zu einer Prüfung“, so Kolmann. Bis Anfang Juli werden sich die Ausfälle auf einen sechsstelligen Betrag summiert haben. Ab Anfang April werde er seine Büromitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen.

 Michael Buchheim, der in Reusrath einen Pensionsstall betreibt, fühlt sich derzeit wie ein Menschenbändiger. Er habe alle seine Pensionskunden aufgefordert, eine Eigenerklärung zu unterschreiben, die sie als Pferdebesitzer ausweist, und mit der sie sich verpflichten, die Anlage nur „zur notwendigen Bewegung“ ihres Pferdes aufzusuchen und die Hygieneregeln einzuhalten. Das Problem: Viele Kunden hätten, weil sie freigestellt sind, mehr Zeit zur Verfügung. Am liebsten würde er seinen Stall auf Vollpension umstellen, aber für die Versorgung der 40 Pferde fehlt ihm das Personal. Ansonsten betrete jetzt kein Reitlehrer mehr seinen Betrieb, Tierärzte und Hufschmiede nur in notwendigen Fällen.