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Langenfeld - Die Lehre: Millionen ins Kanalnetz pumpen

Serie Krisen und Katastrophen ... und was daraus wurde (4) : Die Lehre: Millionen ins Kanalnetz pumpen

Mit dem Konzept zur Abwasserbeseitigung investiert Langenfeld einen dreistelligen Millionenbetrag ins Kanalnetz. Quasi als kleine Vorhut wurde bis Januar 2019 eine so genannte Flutmulde am Kaisersbusch angelegt. Sie soll bei künftigem Starkregen das Viertel besser schützen.

Zwei Jahre sind vergangen, seit vielen Langenfeldern das Wasser bis zum Hals stand. Im übertragenen Sinn. Faktisch stand eine bräunliche Brühe im Juni 2018 zumindest kniehoch in manchen Kellern und auch Wohnungen – vor allem in der Immigrather Siedlung Kaisersbusch. Zum dritten Mal innerhalb von zwei Wochen war Langenfeld in jener Juninacht von einem heftigen Unwetter heimgesucht worden – und diesmal war es am schlimmsten. Ab kurz nach Mitternacht prasselte rund anderthalb Stunden starker Regen hernieder, innerhalb einer Stunde sollen bis zu 56 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel gekommen sein.

In ganz Langenfeld waren Kanalschächte überlastet und Straßen überflutet. Besonders hart traf es kurz nach Mitternacht aber besagte Wohnhäuser am Kaisersbusch. Der nahe und sonst so unscheinbare Immigrather Bach trat hier erneut über die Ufer. Viele Familien in der Siedlung erwischte es nun zum zweiten, manche sogar zum dritten Mal binnen zwei Wochen. „Hier muss endlich was passieren“, schimpfte ein 70-Jähriger. Die Stadt müsse sich was einfallen lassen. Offenbar seien Kanal- und Regenrückhaltesysteme komplett überlastet.

Tatsächlich war spätestens jene Nacht Auslöser für Investitionen in die Langenfelder Kanalisation, die am Ende einen dreistelligen Millionenbetrag kosten werden.

Quasi als kleine Vorhut wurde bis Januar 2019 eine so genannte Flutmulde am Kaisersbusch angelegt. Sie soll bei künftigem Starkregen das Viertel besser schützen. Bevor Gladbach und Immigrather Bach zusammenfließen, hatten Bagger auf einer großen Wiese diese tiefe Mulde ausgehoben, in der sich bei neuerlichem Starkregen das über die Ufer tretende Wasser der Bäche sammeln soll. Nach Angaben des städtischen Chefplaners Ulrich Beul können sich bis zu 6000 Kubikmeter Wasser in diesem vertieften Gelände ausbreiten und teils im Boden versickern. Für dieses Provisorium wurde kein Becken betoniert. Die ausgeschachtete Erdmulde könne gegebenenfalls später wieder zugeschüttet werden, so Beul, „sollte sich beim Hochwasser-Rückhaltungskonzept für Langenfeld ergeben, dass sie nicht mehr erforderlich ist“.

Unter dem Eindruck der Überschwemmungen hatte der Langenfelder Stadtrat im Sommer 2018 nach einem Gutachten des auf Kanalbau spezialisierten Ingenieurs Thomas Wedmann ein so genanntes Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) beschlossen. Mit diesem größten städtischen Investitionsprogramm soll für insgesamt rund 107 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt die Kanalisation in Schuss gebracht werden.

Laut Gutachter Wedmann können indes auch nach Abschluss dieser Rieseninvestition Keller überflutet werden wie beim genannten Jahrhundert-Starkregen. Die Bauwerke, die Regenmassen eine Weile auffangen und später gedrosselt in die Langenfelder Bäche ableiten sollen, seien im ABK für Starkregen ausgelegt, wie er alle drei bis fünf Jahre vorkommen kann. „Schon das Ziel eines folgenlosen 20-Jahre-Starkregens wäre wirtschaftlich nicht zu stemmen“, machte Wedmann den Stadtpolitikern klar. „Geschweige denn ein Jahrhundertereignis.“

Im getrennten Langenfelder Regen-Schmutzwasser-System führen an 99 Stellen Abwasserrohre in Bäche. 81 dieser Einleitungsstellen liegen in einer Wasserschutzzone. An allen 99 Stellen werden gesetzlich vorgegebene Werte überschritten, so Wedmann. Für die Regenwasserbeseitigung hielt der Gutachter 47 neue Rückhaltebecken und 26 Klärbecken für nötig.

Nach Angaben von Volker Ritzmann aus dem städtischen Tiefbaureferat sind bereits einige ABK-Projekte erledigt  oder begonnen. So sei im vergangenen Jahr der Regenwasserkanal am Möncherderweg und Im Bruchfeld erneuert und an das bereits 2017 errichtete große Regenrückhaltebecken unter dem Parkplatz der Sportanlage Hinter den Gärten angeschlossen worden. Zurzeit werde bis ins kommende Jahr hinein das Pumpwerk am Zeppelinweg saniert. Die fast 60 Jahre alte Anlage pumpt Abwasser in einem Einzugsgebiet von  fast 20.000 Bürgern.  Ebenfalls in diesem Jahr entstehen laut Ritzmann ein Versickerungs- beziehungsweise Regenrückhaltebecken an der Schneiderstraße und am Locher Weg. Zudem werde an der Poststraße ein Regenrückhaltekanal mit größerem Durchmesser im Vergleich zu den bisherigen Abwasserrohren gebaut.