1. NRW
  2. Städte
  3. Langenfeld

Langenfeld Das Hilfsprogramm des Landes nehmen bisher nur wenige Heimatvereine in Anspruch.

Langenfeld : Heimatvereine halten sich über Wasser

Nur wenige nehmen die Hilfen bisher in Anspruch. Die Karnevalisten sind trotz Corona in den Verkauf der Sitzungskarten eingestiegen und haben noch genug Geld im Säckel. Sie sind nicht in ihrer Existenz bedroht.

Von Isabel Klaas
Nicht nur Gastronomie und Gewerbe kommen durch Corona an ihre Existenzgrenze. Auch die gemeinnützigen Vereine leiden. „Pacht fürs Grundstück, Strom, Gas, Wasser, Versicherungen, das Honorar für den Dirigenten“ – all das läuft beispielsweise weiter für den Quartettverein Gladbach und sein Sängerheim am Jansenbusch. Doch die Einnahmen sind gleich Null, weil Feste und Vermietungen ausfallen. Für solche und ähnliche Fälle können Vereine beim Land Anträge auf Hilfen stellen. Für Laien-Musikvereine in NRW gibt es ein Sonderhilfsprogramm in Höhe von 500.000 Euro. Chöre erhalten 400 Euro, Instrumentalvereine 800 und größere Oratorienchöre bis zu 2500 Euro. Die Mittel müssen über die Dachverbände beantragt werden. „Uns fehlen 12.000 bis 15.000 Euro“, sagt der Kassierer des Quartett-Vereins, André Sersch. Zustande kommt das Defizit durch fehlend Vermietungen des Sängerheims, das ausgefallene Sommerfest des Vereins, das ausgefallene Stadt- und Familienfest.

Über die vielen Einzelförderungen in Corona-Zeiten hilft vor allem auch das Sonderprogramm „Heimat, Tradition und Brauchtum“. Über 23 Millionen Euro sind in diesem Topf. Maximal 15.000 Euro können Vereine bekommen. Der Quartettverein Gladbach hat einen Antrag auf Unterstützung gestellt. „Wir wissen, dass hinterher genau abgerechnet wird und wir zu viel gezahltes Geld zurückgeben müssen“, sagt André Sersch. Da geht es ihm offenbar anders als vielen Gastwirten in der Vergangenheit, für die die Teil-Rückzahlungen der Corona-Hilfe nach eigenen Aussagen überraschend kamen. „Wir hoffen, dass alles schnell geht“, sagt Sersch, „wir brauchen das Geld.“

  • 3-D-Druck von einem Coronavirus.⇥Foto: dpa
    Coronazahlen am Samstag : Neue Fälle der indischen Variante im Kreisgebiet
  • Zwei Kugelschreiber liegen auf einem Antragsformular
    Arbeitsministerium : Heil will Kurzarbeit-Hilfe für Firmen bis Ende September verlängern
  • Ein PCR-Test wird für die Analyse
    Coronazahlen am Sonntag : Infektionszahlen in Hilden und Haan bleiben stabil

Der Kleingartenverein Im Bärenbusch in Langenfeld ist ebenfalls finanziell in Bedrängnis. „Zwar zahlen die Mitglieder Pacht und Nebenkosten für ihre Gärten selbst“, sagt Vorsitzender Nikolaus Baum. Aber ausbleibende Vermietungen und ausgefallene Feste, bei denen der Verein mit seinen Ständen zumindest kleine Summen einnimmt, lassen das Budget gegen Null tendieren. Kürzlich erst habe man zu einem neuen Klettergerät auf dem Spielplatz 1.400 Euro dazu getan, so Baum. Da wusste man noch nicht, dass eine Pandemie die Einnahmen kräftig schmälern würde. Früher habe man aus den Einkünften kleine Treffen untereinander finanziert. Das gehe jetztz nicht mehr. Er mag die  Kleingärtner für die Teilnahme an Kaffeetrinken und Party nicht extra zahlen lassen. „Einige sind arbeitslos oder in Kurzarbeit oder konnten wegen ihrer Kinder kein Geld verdienen“, so Baum. Die Heizung im Vereinsheim müsse auch erneuert werden. „Ein zweites Jahr Corona wäre sehr schlecht für uns“, gibt er zu.

Einstweilen komme aber auch die Stadt dem Verein entgegen. Auch sie hat ein kleines Hilfsangebot aufgelegt. 200.000 sind für Vereine, deren Bestand gefährdet ist, im Stadtsäckel. „Wenn niemand mehr hilft, dann springen wir ein“, verspricht Stadtkämmerer Thomas Grieger. Bis jetzt hätten sich aber nur zwei Vereine gemeldet.

Der Stadtverband Monheim der Kleingärtner sieht seine Situation „noch nicht so tragisch.“ „Größere Maßnahmen schieben wir erst mal nach hinten“, sagt Monika Dierdorf, Vorsitzende des Verbandes. „Wir haben auch ein kleines Polster, von dem wir zehren.“ Einen Antrag auf Landeszuschüsse stellen die Kleingärtner vorerst nicht. „Ich glaube, das ist auch alles sehr kompliziert“, vermutet Dierdorf.

Von der Substanz und von der Hoffnung leben offenbar die größeren Vereine. Die Gromoka (Große Monheimer Karnevalsgesellschaft) hofft, dass Karneval stattfindet. „Vielleicht ist bis dahin ein Impfstoff gefunden“, sagt Sitzungspräsident Moritz Peters. Der Verkauf für die Karten der Damensitzung ist wie gewohnt angelaufen. Und zwar gut wie immer. Es gibt diesmal zwei Sitzungen, sagt er. „Wir wollen erst einmal noch Zuversicht verbreiten und glauben an Karneval.“ Die Veranstaltung „Spielmann hol über“ ist mit einem Hygienekonzept entsprechend vorbereitet worden. „Wir sind in Gesprächen mit der Stadt und haben auch Hygiene-Fachleute im Vorstand. Alles andere ist einfach nicht seriös voraussagbar“, so Peters. Da die letzte Session noch bombig lief, ist die Kasse der Gromoka gut gefüllt.

Auch der Säckel der Sebastianus Schützenbruderschaft in Monheim scheint prall voll zu sein. „Bei uns fallen ein günstiger und ein ungünstiger Umstand zusammen“, sagt Vorsitzender Holger Klenner, „wir haben seit Pfingsten Geld für die Renovierung des Vereinsheimes zurückgelegt und gleichzeitig schon mit weniger Einnahmen durch Vermietung kalkuliert. Wir sind liquide und würden eh kein Geld aus dem Heimatfonds bekommen.“ Natürlich beschränke sich der Verein erst einmal auf unbedingt nötige Ausgaben. „Alles andere wird nach hinten geschoben. Wir hoffen, mit einem blauen Auge davon zu kommen“, sagt Klenner.