1. NRW
  2. Städte
  3. Langenfeld

Langenfeld - Bürger klagen über ihr Wäldchen

Langenfeld : Bürger klagen über ihr Wäldchen

Nach Fällaktion von 75 Ahornbäumen in Langfort sind viele Anlieger entsetzt. Denn nach den Fällungen ragen spitze Äste und kahle Stümpfe in die Wege.

„Ein Gemetzel“, nennt die Berghausenerin Christa Beseke die Fällaktion im Wäldchen in Langfort am Weißenstein. „Ich verstehe nicht, wie man so roh mit der Natur umgehen kann.“ Ein „verheerendes Ergebnis“, schimpft auch Anlieger Manfred Gerlach. Wegen der Rußrindenkrankheit wurden in der Zeit vom 18. bis zum 22. Juni 75 befallene Ahornbäume gefällt. Die Sporen des schwarzen Pilzes sind für Menschen gefährlich und können die Lunge schädigen, sagt Baumexperte und Förster Karl Zimmermann. Der Pilz werde durch die extreme Trockenheit begünstig und verteile Milliarden von Sporen in der Luft. Einmal befallene Bäume seien nicht mehr zu retten.

„Natürlich mussten nach der Aktion im letzten Jahr die verbliebenen verpilzten Ahorne beseitigt werden“, sagt Beseke. „Aber ist es in Ihrem Sinne, wenn der vom Kreis beauftragte Unternehmer in halber Höhe Äste, die bei der Aktion abbrachen, in den Bäumen hängen lässt?“, fragt sie in einer Mail den Förster. Und: „Die beauftragte Baumfällfirma hat sehr dilettantisch und unprofessionell gearbeitet. Aus den Baumstümpfen ragen messerscharfe Spitzen hervor, die für Jugendliche und Erwachsene sehr gefährlich werden können“, stellt auch Manfred Gerlach fest. Die beiden sind nicht die einzigen Kritiker der „Landschaftspfleger“. Kopfschüttelnd betrachtet in diesen Tagen so mancher Hundebesitzer das Wäldchen. „Wie sieht das hier aus?“, fragt eine Dame mit Retriever entsetzt. „Als wäre hier ein Bulldozer reingefahrent“, sagt sie. Karl Zimmermann beruhigt: „Da gehen wir noch einmal rein für den Feinschiff“, verspricht er. „Mitte bis Ende der Woche erledigen wir das. Hauptsache wir haben jetzt den Rindenruß da rausgekriegt, ohne dass das Wäldchen über einen längeren Zeitraum gesperrt werden musste.“

Den Eindruck, den das derzeit wüst aussehende Waldstück beim Laien hinterlässt, kann der Fachmann nachempfinden. „Ich kann mir vorstellen, dass das hier für viele so aussieht, als sei darin gewütet worden.“ Aber er wirbt auch um Verständnis für die Firma, die die Waldarbeiten erledigt hat. „Wenn die Bäume so trocken sind wie zurzeit, kann man nicht so agieren, wie man möchte. Einen gesunden Baum kann man beim Fällen schon einmal in eine bestimmte Richtung dirigieren. Bei so trockenen Stämmen schafft man das einfach nicht.“ Das ein oder andere werde man sicher noch abschneiden und nachbessern. Und von dem Totholz bleibe eine Menge als Unterschlupf für Tiere liegen. „Alles, was geht, nutzen wir. Was krank ist wird abtransportiert und in die Müllverbrennung gebracht. Wir können das nicht als Brennholz abgeben. Das ist zu gefährlich“, sagt Zimmermann. Denn auch beim Verbrennen verbreiten sich die Sporen.

So ganz mögen weder Gerlach noch Beseke dem Braten trauen. Unabhängig von einander hegen sie den Verdacht, dass das Wäldchen zum Wohngebiet gemacht werden könnte. „Es kursieren bereits Gerüchte, dass dieser Zustand von der Stadt erwünscht ist, um irgendwann zu erklären, dass man dieses ,unordentliche‘ Gelände besser bebauen sollte“, so Gerlach. „Es drängt sich mir der Eindruck auf, dass auf diese Weise den Bürgern ein Abschied auf Zeit leicht gemacht werden soll, und die Stadt Langenfeld gerne die Bauverdichtung in diesem Reststückchen ins Auge nehmen könnte“, mutmaßt auch Beseke.

Dem widerspricht Stephan Anhalt vom Referat Stadtplanung und Denkmalschutz der Stadt Langenfeld vehement: „Nach den Baumfällungen im Langforter Wäldchen im Laufe des Monats, kann ich von „offizieller Seite“ aus versichern, dass dort kein Baugebiet seitens der Stadt Langenfeld geplant ist. Das Langforter Wäldchen ist ein nach Naturschutzrecht „Geschützter Landschaftsbestandteil“ und im Flächennutzungsplan der Stadt als Wald ausgewiesen.“