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Langenfeld: Börek und Baklava frisch aus der Küche

Einkaufen : Börek und Baklava frisch aus der Küche

Vor einem Jahr wurde der türkische Supermarkt an der Turner-/Kurt-Schumacher-Straße aufwändig umgebaut. Nun hat er seine eigene Delikatessen-Theke. Eine Idee von Chefin Gönül Bidi.

Gönül Bidi (47) backt seit einem Monat für ihre Kunden. Das macht die Mutter von vier Kindern und Chefin des türkischen Supermarktes in der Fußgängerzone Kurt-Schumacher-Straße aus purer Freude. „Ich muss nicht unbedingt daran verdienen“, sagt sie, „es ist ein Geschenk für meine Kundinnen. Ich will sie glücklich sehen. Die deutschen Omileins sind ganz verrückt auf meinen Käsekuchen.“ Neben Börek und Pide mit Spinat, Käse und Hackfleisch sowie frischen Hamburgern liegen Zimtringe und Apfel-Dattel-Kekse, es glänzen perfekte kleine Baklava-Stücke (Blätterteig-Gebäck) in ihrem Sirup, bestreut mit Pistazie. Appetitliche Maulwurfhügel mit halber Erdbeere, Tiramisu und Nuss-Orangen-Kuchen verlocken zum Kauf. Daneben gibt es jede Woche andere Dips: mit Rauke, Rote Bete, Kartoffeln, Möhren, Joghurt, Paprika, die Bidi in Nachtarbeit herstellt. Kleine Kostproben stehen auf der fein sortierten Theke, hinter der Aljaf Shaima das Sagen hat. Sie ist hellauf begeistert von den Leckereien, die Gönül Bidi kreiert. Kaum ein Kunde kann den verlockenden Angeboten widerstehen.

Bidi, Chefin über 500 Quadratmeter Verkaufsfläche für vorwiegend türkische und griechische Lebensmittel sowie eine üppige Obst- und Gemüse-Abteilung, trägt Kopftuch – und hat offenbar die Hosen an. „Wir Frauen wissen doch viel mehr als die Männer“, sagt sie mit freundlicher Überlegenheit. „Wir können das viel besser hier im Laden. Kasse, Kinder, Kochen. Das ist nichts für Männer.“ Dass diese bisweilen leicht angesäuert sind, wenn sie ihnen sagt, wie das Gemüse zu liegen habe und wie nicht, ist ihr egal. Das Geschäft gehört seit eh und je ihrer Familie, so Bidi. Begonnen hat alles mit einem kleinen Obst- und Gemüseladen in Benrath – hauptsächlich für ihre Landsleute. Heute besitzt ihre Familie drei Filialen – außer in Langenfeld noch in Oberbilk und Benrath. Eine vierte in Garath wurde verkauft. Die in Langenfeld hinter der Stadtgalerie wurde im vergangenen Jahr modern umgebaut und von 150 auf 500 Quadratmeter Verkaufsfläche erweitert. Dort ist es blitzsauber, aufgeräumt und sortiert. „Das ist mein Tick“, sagt Bidi, „alles muss super ordentlich sein und gut aussehen, die Deckel der Konserven sind immer abgestaubt.“ Es gibt Regale voller roter Dosen mit Paprika und Tomate. Es gibt zig Sorten Bulgur, der in seinen Tüten nach Größen gestapelt über- und nebeneinander liegt. Es stehen Konserven mit gefüllten Weinblättern, Paprikaschoten und dicken Bohnen in Sauce beieinander, daneben Granatapfel-Sirup, Gewürze und unzählige Sorten türkischen Tees und Kaffees, Reis und türkische Nudeln.

Die Abteilung Fleisch und Fisch ist verpachtet. Dort herrschen sehr auffällig Männer, die mit ersten Gesichtern Koteletts und Bratenstücke schneiden. Dreimal in der Woche wird Kalb, Rind und Lamm aus Wuppertal angeliefert, sagt die Chefin. „Wir haben eigene Kühlräume.“ Der Fisch kommt täglich frisch: Makrelen, Sardinen, Pangasius, Lachs und mehr. Über dieses Reich herrscht Ugur Mese. „Die Fleisch- und Fischtheke ist bei den Deutschen sehr beliebt“, sagt Bidi. „das und das Gemüse gehen besonders gut.“ Überhaupt seien 70 Prozent ihrer Kunden Deutsche, die ihr neues hausgemachtes Angebot besonders zu schätzen wüssten.

„Mein Mann hat gefragt, willst du dir das wirklich antun? Willst du nicht lieber zu Hause bleiben?“, erzählt sie. „Aber was soll ich zu Hause? Ist doch langweilig. Zum Glück überlässt er mir alles. Und es macht mir größte Freude, die Rezepte von meiner Mama umzusetzen. Türkische Frauen kochen und backen gerne. Das ist eine Tradition des Osmanischen Reiches“, sagt sie stolz. Nach zwölf Jahren Schule in Deutschland habe sie eigentlich Archäologie studieren wollen. Aber der Papa sei halt noch vom alten Schlag gewesen und habe nicht gewollt, „dass Mädchen zu viel studieren“.

Übrigens ist die selbstbewusste aber bescheidene Gönül Bidi nicht die erste Chefin eines Supermarktes im Familienverbund. „Vor mir gehörte der Laden meiner Schwägerin“, sagt sie.

Seit 15 Jahren gibt es den türkischen Supermarkt in Langenfeld. Allerdings ist er heute kaum wiederzuerkennen. Und durch die appetitliche Frischetheke hat er noch einmal gewonnen.