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Langenfeld: Biohändler Sven Lucht (45) bewirbt sich bei der Kommunalwahl um das Amt des Bürgermeisters.

Langenfeld : Zum Rathaus hätte er’s nicht weit

Der Biohändler Sven Lucht (45) bewirbt sich bei der Kommunalwahl für die BGL um das Amt des Langenfelder Bürgermeisters. Sein Laden liegt in Sichtweite des Rathauses.

Sein Elternhaus steht in Langenfeld, hier ist er auch aufgewachsen und heimisch. Dass Hilden sein Geburtsort ist, sei allein der dortigen Entbindungsklinik geschuldet, sagt Sven Lucht (45). Für die Bürgermeinschaft Langenfeld (BGL) kandidiert der Biohändler bei der Kommunalwahl um das Amt des Bürgermeisters. Für einen Wechsel seines Arbeitsplatzes hätte er es nicht weit. Sein Lebensmittelladen Rheinkiesel liegt in Sichtweite des Rathauses an der Solinger Straße. Just am anderen Ende des 200 Meter langen Straßenabschnitts, der im vergangenen Jahr aufwändig umgestaltet worden war.

„Keine Frage, es ist hier durch den Umbau deutlich schöner geworden“, sagt der 45-Jährige, als wir für ein Kandidatenporträt mit ihm durch die City schlendern. Fußgänger haben viel Platz, zwei Restaurants bewirten Außentische, es gibt mehrere Sitzbänke und Pflanzbeete. „Wichtig, dass auch alter Baumbestand erhalten geblieben ist.“ Dann bleibt er vor zwei seit mehreren Jahren leer stehenden Ladenlokalen mit zugeklebten Schaufenstern stehen. „Dieser Schandfleck hat sich leider nicht verändert.“

Die aktuelle Umgestaltung des Konrad-Adenauer-Platzes direkt am Rathaus gefällt Lucht. Foto: Rheinische Post/Stephan Meisel (mei)

Die Lage des Einzelhandels und die Jugendpolitik nennt Lucht als zwei wesentliche Bereiche, in denen er in Langenfeld besonderen Handlungsbedarf sieht. „Die städtische Wirtschaftsförderung empfinde ich als katastrophal“, hadert der 45-Jährige. „Bei der Belegung der großen Gewerbegebiete müssen endlich mal alte Zöpfe abgeschnitten werden. Statt immer nur auf konservative Neuansiedlungen zu setzen müssen neue Ideen her.“

Diesen Leerstand an der Solinger Straße  kritisiert Lucht. Foto: Rheinische Post/Stephan Meisel (mei)

Und dies gelte auch für den innerstädtischen Einzelhandel, meint der BGL-Politiker. Viele Ladeninhaber bangen und kämpfen nach Luchts Worten nicht nur wegen der Pandemie um ihre Existenz. „Manche haben kein Geld mehr für ein attraktives Warensortiment.“ Die Stadtverantwortlichen müssten mehr für die Geschäftsleute tun. „Citymanager Jan Christoph Zimmermann kann was und könnte noch viel mehr, aber nach meinem Eindruck wird er von oben ausgebremst.“

Lucht war früher Mitglied der CDU. „Ich bin aber ausgetreten, weil ich mich in dieser Partei mit dem Fraktionszwang bei Abstimmungen nicht mehr wohlgefühlt hatte.“ An der BGL gefalle ihm, dass jedes Mitglied seine Meinung äußern und vertreten dürfe. Als so genannter sachkundiger Bürger vertritt Lucht die BGL seit dieser Ratsperiode in Fachausschüssen. „Mitglied bin ich aber erst in diesem Jahr geworden.“ Gegen die Mehrheitsfraktion CDU hätten alle anderen Fraktionen es schwer, Anträge durchzusetzen. „Wenn sie abgelehnt werden, tauchen sie in abgewandelter Form oft ein halbes Jahr später als CDU-Antrag auf.“

Der auch im Stadtjugendring engagierte Lucht findet, dass für junge Langenfelder mehr getan werden müsse. „Von Spielplätzen werden sie vertrieben. Sie brauchen Treffpunkte, wo sie unter sich sein können, etwa ein selbst bewirtschaftetes Jugendcafé.“

An seiner Heimatstadt schätzt Lucht nach eigenen Worten „die Offenheit und Geselligkeit der Menschen“. Mit der bei großen Stadtevents erkennbaren Feiermentalität und dem Wir-Gefühl steche Langenfeld unter anderen Städten der Region heraus. Der gemeinsame Bummel durch die City führt zur Großbaustelle Konrad-Adenauer-Platz, dessen bereits erkennbar verändertes  Aussehen Lucht gefällt.   „Hoffentlich bringt es einen Schub für Gastronomie und Läden.“ Wir stehen vor dem Rathaus, in dessen Chefsessel sich der 45-Jährige ja setzen möchte. Was ihm als oberster Dienstherr in der Stadtverwaltung besonders wichtig wäre? „Ich habe das Gefühl, dass im Rathaus viele nicht dort arbeiten, wo sie ihre besonderen Stärken haben. Das müsste ein Bürgermeister ändern.“